Heute Vormittag fiel mein gedankenloser Blick auf einen kleinen Stapel Fertiggerichte, der seit über einem Jahr zu meinem Für-alle-Fälle-zum-Beispiel-Quarantäne-Vorrat gehört. Wobei das klingt, als hätte ich noch nie etwas von Mindesthaltbarkeit gehört. Natürlich verbrauche und erneuere ich diese Vorräte in regelmäßigen Abständen. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Mein Blick war – wie gesagt – gedankenlos. Nicht einmal Soja und Palmöl spukten in meinem Hinterkopf. Und doch …! Ganz ausgeschaltet war das Denken nicht. Hatte ich mir nicht ein für allemal eingeprägt, dass das Kassler Kassler und nicht Kasseler heißt, weil es nach einem Berliner Fleischermeister benannt wurde und nicht nach der Stadt Kassel? Und warum wissen das die Marketing-Leute von … (keine Werbung!) – also, warum wissen das die Leute nicht, die diese Verpackung entworfen haben?

Doch bevor es spannend wird, muss ich die Luft schon wieder rauslassen. Der Duden, letzte Instanz in allen Fragen der Rechtschreibung, bietet beide Schreibweisen an. Dazu kann man dort lesen: Herkunft ungeklärt; vielleicht nach der Stadt Kassel.

Was Letzteres angeht, ist der Bayerische Rundfunk anderer Meinung – oder war es zumindest. Wäre die Sendung nicht schon am 15. November 2014 gelaufen, hätte man meinen können, die Bayern wollten dem Markus Söder den Weg nach Berlin ebnen, indem sie die Legende vom Berliner Metzger namens Cassel weiterverbreiten und jegliche Kasseler Herkunft des Geselchten in Abrede stellen. Es mag einem der Wahrheitsliebe verhafteten Redakteur zu danken sein, dass schließlich doch darauf hingewiesen wurde, dass es keinen Nachweis gibt, ob dieser Metzger jemals existiert hat. Und tatsächlich sollten wir Berliner uns mit dem Berliner Ursprung der Currywurst zufriedengeben.

Interessanter ist eine weitere mögliche Herkunft des Wortes, die in der von „Bayern 1“ in der Reihe „Kochgeschichte“ ausgestrahlten Sendung Erwähnung fand:

Viel wahrscheinlicher ist, dass der Name Kassler von Kasserolle kommt, einem flachen Topf, in dem Fleisch geschmort wird. Kasserolle, abgeleitet von dem französischen „Casserolle“ dürfte mit den Hugenotten nach Berlin gekommen sein. Da um 1700 rund 20 % der Berliner Bevölkerung hugenottischer Abstammung war, ist es nicht nur wahrscheinlich, dass sie den Begriff eingeführt haben, sondern auch, dass Kassler als Berliner Spezialität gelten darf.

Also doch! Schreibe es jeder, wie er/sie mag.