Heute in aller Frühe fischte ich nacheinander verschiedene Bände meines ZEIT-Lexikons aus dem Regal. Das passiert meistens nur zum Abstauben, aber heute habe ich einiges nachgeschlagen. Zuallererst natürlich „Boona“. Fehlanzeige. Dann „Kolyora“. Ebenfalls Fehlanzeige. Mit „Pontos“ konnte das Lexikon dienen:

Pontos [grch. „Meer“, bes. „Schwarzes Meer“] (lat. Pontus). 1) nördl. Küstenlandschaft des antiken Kleinasien. Mithridates I. (König um 281-266 v. Chr.) gründete hier 301 das Pont. Reich, das Mithridates VI. Eupator auf die O- und N-Küste des Schwarzen Meeres ausdehnte. Nach dessen Niederlage durch Pompeius (63 v. Chr.) wurde der westl. Teil des Pont. Reichs mit der röm. Provinz Bithynien vereinigt. 40 v. Chr. bis 64 n. Chr. nochmals Königreich, danach endgültig unter röm. Herrschaft.
2) (Pontos Euxinos), der antike Name für das Schwarze Meer.

Immer, wenn ich so etwas lese, werden meine Augenlider schwer – sogar am frühen Morgen, und die vielen Abkürzungen machen es nicht besser. Aber ich riss mich zusammen. Schließlich ging es um Boona und den guten Ankergrund für mein Schokoladenschiff. An den alten Griechen würde ich nicht vorbeikommen. Ich sah mir noch einmal den Lexikoneintrag bei Ersch und Gruber an. Mit der Lupe!

Sollte das in Klammern Lautschrift sein? Oder eine Schreibweise unter Verwendung griechischer Buchstaben? Ich versuchte es mit den griechischen Buchstaben – vergeblich. Also probierte ich es doch noch einmal mit der Suche nach „Kolyora“. Und da fand offenbar sogar Google, dass es jetzt mal so langsam reichte und knallte mir ein Google-Buch hin: „August von Kotzebues ausgewaehlte prosaische Schriften: die Romane, Erzaehlungen, Anekdoten, Miszellen“ Band 31. Da gab es zwar auch kein Kolyora, aber immerhin ein Kotyora.

Hier schwieg Xenophon. Die Gesandten mißbilligten laut ihres Redners harte Ausdrücke, versicherten dem Heere, wenn es nach Synope käme, eine freundliche Aufnahme, und befahlen den Einwohnern von Kotyora zu bringen was sie vermöchten. Man beschenkte einander wechselseitig und die Eintracht war hergestellt. Xenophon benutzte sie, um des Heeres weiteren Zug mit denen von Synope zu berathschlagen. Denn man mochte zu Wasser oder zu Lande ihn fortsetzen wollen, so bedurfte man im ersten Falle ihrer Schiffe, im zweiten ihrer Wegweiser durch Paphlagonien. Als Griechen forderte er sie auf, anderen Griechen beizustehen. Da sprach der Redner, nachdem er die gestrigen Worte entschuldigt: „Heil widerfahre mir, wenn ich den besten, Unheil, wenn ich üblen Rath ertheile. Uns wird beschwerlich sein, Schiffe zu rüsten, um Euch zu Wasser fortzubringen, dennoch muß ich diesen Weg rathen. Ich kenne Paphlagonien, es ist ein gebirgiges Land von schönen Thälern durchschnitten. Nur ein Engpaß zwischen steilen Felsen führt hinein. Von wenigen vertheidigt, ist er undurchdringlich, jenseits alles eben und ihr findet eine Reiterei, die selbst die Morgenländer der persischen vorziehen. Gelänge es euch auch, den Engpaß in der Stille zu besetzen, so stoßt ihr auf ein Heer von hundert zwanzig tausend Mann, ihr stoßt auf Flüsse, die nicht durchwatet, zum Theil nur überschifft werden können; wo nehmet ihr aber die Schiffe her? Darum halte ich den Zug landwärts für schwer. Schifft ihr hingegen nach Synope und von da nach Heraklea, so könnt ihr dann nach Belieben zu der Heimath euch wenden.“

Heureka! – wie die alten Griechen auszurufen pflegten, wenn sie etwas gefunden hatten. Paphlagonien!

Eine Karte von Kleinasien aus dem 15. Jahrhundert zeigt die Landschaft Paphlagonien im Norden.

Und nun war auch das heutige Kotyora schnell gefunden, obwohl es nicht mehr so heißt:

Altınordu, weitläufig bekannt unter seinem vorherigen Namen Ordu (türkisch für „Armee/Heer“, griechisch Κοτύωρα, Transkription: Kotyora) ist der größte Stadtbezirk der gleichnamigen türkischen Großstadt Ordu. Der Bezirk liegt in einer kleinen Bucht an der östlichen Schwarzmeerküste das Stadtzentrum zählt mehr als 202.310 Einwohner. […] Altınordu besitzt einen kleinen Hafen, an dem auch große Schiffe Zwischenstation machen können.

Quelle: Wikipedia

Wie bei Wikipedia-Artikeln zu Orten üblich, sind auch hier die exakten Koordinaten angegeben. Google Maps ist eine feine Erfindung, wenn man einen Ort im Detail aber auch im größeren geographischen Zusammenhang anschauen möchte. Ganz hier in der Nähe musste Boona sein. 90 Stadien entfernt. Und dabei konnte wieder mein ZEIT-Lexikon helfen:

Stadion [grch.] das, antike Längeneinheit, örtlich versch., z.B. in Olympia 192,27 m, in Delphi 177,55 m und in Athen 184,97.

Stadion bedeutet offenbar wirklich Stadion im Sinne von Olympiastadion. Und da jede altgriechische Metropole ein Stadion von spezifischer Länge hatte, – Die Entfernung zwischen Kotyora und Boona betrug also 16 bis 17,3 km – in nordwestlicher oder östlicher Richtung. In der Gegend von Perşembe oder Piraziz. Aber Boona bleibt unentdeckt – oder jedenfalls nicht identifiziert.

Ein bisschen enttäuscht und unentschlossen, ob ich an dieser Stelle wirklich aufgeben sollte, stöberte ich noch etwas in Ordu herum, ob es nicht Hinweise auf touristische Attraktionen gab, ein Kastell auf einer Landspitze unweit der Stadt vielleicht. Dabei stieß ich auf Fotografien, die Dick Osseman (vermutlich 2005) in der Stadt gemacht hatte. Am meisten berührten mich die Bilder dieses Flusses, dessen Namen ich auf der Google-Karte vergeblich gesucht hatte, und der schon auf dieser Karte seltsam schwindsüchtig erscheint. Ossemann hat dazu etwas geschrieben über kanalisierte Flüsse, die ihre „riverness“ verloren haben. Vielleicht würde ja auch mein Schiff seine „shipness“ verlieren, läge es in einem sicheren Hafen vor Anker. Vielleicht ist es das Wesen meines Schokoladenschiffes, immer wieder aus dem Dunst aufzutauchen – wie der Fliegende Holländer, nur nicht annähernd so gruselig. Ganz im Gegenteil – tröstlich, beglückend, …

Und was die „richtige“ Geschichte anbelangt, so war es ja vielleicht doch die von Timmermans. Die Handlungskonstruktion stimmt mit meiner Erinnerung überein: Kleine Stadt, Schokoladengeschäft, Schokoladenschiff im Schaufenster, armes Kind, Nikolaus, – Vielleicht hatte nur mein kindliches Kopfkino sein eigenes Schiff erfunden – das Bild eines anderen in irgend einem Buch gesehenen Schiffes in Schokolade getaucht. Schließlich hat jeder ein Recht auf sein eigenes Traumschiff.

Übrigens habe ich heute dann doch noch Apfelrotkohl kaufen können. Eine Sorge weniger. Hoffentlich gibt mein alter Kühlschrank nicht den Geist auf – kurz vor Weihnachten!

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Ich habe Boona noch nicht gefunden. Ich meine das aus der „Allgemeinen Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste“. aber inzwischen suche ich auch noch das Schiff. Besser gesagt, ich such die Geschichte, denn ich bin durchaus nicht mehr sicher, ob die von Timmermans die richtige ist.
Mein Schiff … mein Schokoladenschiff seit immer und ewig, ist ganz gewiss kein Dampfer, der „Watte für mindestens zwei Groschen“ aus seinen beiden Schornsteinen raucht. Weit gefehlt. Es ist eher eine Handelskogge, die breit und tief im Wasser liegt – geladen bis an ihr‘ höchsten Bord eben. Und so hebt und senkt sich auch der Bugspriet recht behäbig im Takt der Wellen. Keinesfalls ist es ein „lustig mit Silberpapier beklebter“ Dampfer. Entweder kommt mein Schiff aus keiner Geschichte, oder es kommt aus einer anderen. Und die suche ich nun. Sie und Boona, wo mein Schiff einen guten Ankergrund findet.

Außerdem bin ich besorgt wegen des Apfelrotkohls. Als ob ich es geahnt hätte! Gestern war er im Nahkauf ausverkauft, und sie konnte mir nicht mit Sicherheit sagen, ob sie vor Weihnachten noch mal welchen reinbekommen. Vor Weihnachten! Vor Weihnachten geht immer alles durcheinander. Auch das mit dem Chanukkaleuchter dürfte nicht sein. Jedenfalls nicht so.

Ich meine, ich fand es von Anfang an gut, dass auf dem Pariser Platz nicht nur ein Weihnachtsbaum, sondern auch ein Chanukkaleuchter steht. Sehr angemessen. Und heute höre ich im Radio, dass es sich dabei um das Projekt einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppierung handelt – bei Christen würde man von einer Sekte sprechen. Leute, die den Palästinensern nicht das kleinste Bisschen Recht an ihren Heiligtümern in Jerusalem zugestehen. Und unser Regierender zündet diesen Leuchter an oder ist bei der feierlichen Inbetriebnahme zumindest zugegen. Das ist doch nicht in Ordnung. Wir wollen hier keine Radikalen – egal, aus welchem Lager.

… sondern nach

BOONA (Bodóva), ein sicherer, durch ein Kastell auf einer Landspitze geschützter Hafen mit gutem Ankergrunde an der Küste des Pontos, 90 Stadien von Kolyora *).

90 Stadien?

Aber auch in die verbiss ich mich nicht.

Ein geschützter Hafen mit gutem Ankergrund.
Guter Ankergrund.
Kann es etwas sichereres geben?

Und während ich bereits zwar nicht BOONA aber boona gefunden hatte, jedoch noch nicht den Zeilen auf dem Bildschirm folgte, sah ich das Schiff aus Schokolade wieder,
das ich in Wahrheit nie gesehen habe und doch so oft vor meinem inneren Auge.
Es war aus einer Weihnachtsgeschichte gekommen.
Nicht aus DER Weihnachtsgeschichte.
Aus einer, von der ich in dem Moment nur noch wusste, dass das Schiff aus Schokolade im Schaufenster einer Süßwarenhandlung gestanden hatte.
Die Geschichte muss mir jemand vorgelesen haben, als ich noch kaum selbst lesen konnte.
Und natürlich muss es Advent gewesen sein.
In der Adventszeit wurde in der Kirche oft „Es kommt ein Schiff geladen“ gesungen.
Ich saß neben meiner Großmutter in der Kirchenbank, und sie sangen „Es kommt ein Schiff geladen“ und ich sang mit, wie ich es verstand und versuchte die etwas schwierige Melodie zu halten, …

Und dann sah ich es. Jedes Mal. Ich glaube, ich würde es heute wieder sehen, säße ich in einer Kirchenbank und sie singen „Es kommt ein Schiff geladen“.
Das Schiff aus Schokolade taucht aus dem Nebel auf und fährt …

Und seit heute weiß ich, wohin es fährt.
In einen geschützten Hafen mit gutem Ankergrund. Nach BOONA.

Nachtrag:

Der zitierte Lexikon-Eintrag stammt aus „Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste“, herausgegeben von J. S. Ersch und J. G. Gruber, 1818 – 1889.

„Es kommt ein Schiff geladen“ ist eines der ältesten Advents- und Weihnachtslieder. Der Text wurde von Daniel Sudermann 1626 überarbeitet. Die Melodie eines unbekannten Verfassers ist erstmals im Andernacher Gesangbuch (Köln 1608) nachgewiesen. Beides findet sich (einschl. mp3) im Lieder Archiv.

Bei der nur noch bruchstückhaft erinnerten Weihnachtsgeschichte handelt es sich, wie ich im Nachhinein herausgefunden habe, vermutlich um „St. Nikolaus in Not“ von Felix Timmermans (1886-1947), nachzulesen hier.

„boona“ ist der umgangssprachliche Ausdruck für ein von Gefängnisinsassen in den USA zubereitetes Gericht. Es kann aus verschiedenen Zutaten bestehen, doch üblicherweise basiert es auf Nudeln der Marke Ramen. Gefängnisinsassen finden diese in der Verkaufsstelle der Haftanstalt (vermutlich aber nur in den USA). Dem deutschen Gourmet auf freiem Fuß hilft Amazon bei der Beschaffung. Suchbegriff: ramen noodles. Mögliche weitere Zutaten: Thunfisch (für ein tuna boona), Mayonnaise, Käsepulver (ersatzweise kann auch fein geriebener Parmesan verwendet werden, aber nur im Notfall und möglichst kein echter), zerstoßene Cracker, Sommerwurst usw.. In US-Gefängnissen gibt es all dies für die Häftlinge zu kaufen. Was auch immer daraus zubereitet wird ist in jedem Fall dem Essen aus der Gefängnisküche vorzuziehen. Sie können also kaum etwas falsch machen.

Für die Zubereitung eines tuna boona benötigen Sie eine Frischhaltedose aus Kunststoff mit Deckel [es muss nicht original Tupperware sein, aber gute Esser sollten keine zu kleine Dose wählen]. Zerstoßen Sie die Nudeln. Im Gefängnis tut man das gewöhnlich, indem man die geschlossene Tüte solange auf den Zementboden der Zelle schlägt, bis der Inhalt sich in Krümel verwandelt hat. Dies erfordert einige Übung. Sie können dafür natürlich auch den Fliesenboden Ihrer Küche nutzen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu fest zuschlagen. damit die Tüte nicht aufplatzt. Geben sie jetzt die zerstoßenen Nudeln in die Frischhaltedose. Fügen Sie nur soviel sehr heißes Wasser dazu, dass die Nudeln eben bedeckt sind. Verschließen Sie die Dose fest und warten sie etwa zehn Minuten. Öffnen Sie den Deckel und geben sie einen Esslöffel Mayonnaise und eine normal große Dose Thunfisch zu den Nudeln. Würzen Sie mit Salz und Pfeffer. Nach Geschmack können Sie auch noch etwas von dem Käsepuver hinzufügen. Zum Schluss alles gut vermischen. Guten Appetit!

Den Begriff boona und das Rezept fand ich im Urban Dicitionary und bin zu dem Schluss gekommen, dass sich einiges damit anfangen lässt – ob als besinnliche einsame Mahlzeit vor dem Gang zur Christmette einschl. Spende für die Straßenkinder in … oder für das gemeinsame Kochen mit Freunden. Sie besorgen die Zutaten. Jeder bringt seine eigene Frischhaltedose mit. Das ist kostengünstig und erspart Ihnen Berge von schmutzigem Geschirr – von dem Spaß, wenn ein Dutzend Leute Nudeltüten auf den Küchenboden drischt, ganz abgesehen. Tipp: Vorsichtshalber ein paar Reserve-Packungen Nudeln besorgen.

Zurzeit beschäftigt mich die Frage … Oder nein, sie beschäftigt mich nicht wirklich. Sie brummt ab und zu in meinem Hinterkopf wie ein auf den Rücken gefallenes Insekt auf der Fensterbank. Die Frage jedenfalls lautet, ob es unangenehmer ist, ein schlechtes Gewissen zu haben oder sich belästigt zu fühlen.

Die Vorweihnachtszeit ist – das hat wahrhaftig Tradition – Spendenzeit. Zwar begegnet man in den Straßen heute seltener scheppernden Sammelbüchsen, dafür aber mehren sich die Aufrufe im Briefkasten und in der Mailbox. Wikipedia folgt schon seit Jahren der Praxis, dass beim Aufruf der Webseite ein Fenster herunterklappt, das um Spenden bittet. Warum auch sollte Wikipedia das nicht tun? Nicht viele gemeinnützige Organisationen werden von einer vergleichbar großen Allgemeinheit genutzt. Und so spende ich denn auch an Wikipedia. Kein Vermögen. Nichts, was man an die große Glocke hängen sollte. Ich würde es gar nicht erwähnen, wäre da nicht die eingangs gestellte Frage, die mich zu einer weiteren führt: Wie prompt sollte man diesem Spendenaufruf folgen?

Letztes Jahr war ich säumig. Nicht zu zählen, wie oft das besagte Fenster auf einer von mir aufgerufenen Wikipedia-Seite erschien – nie ohne mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Nicht allzu schlecht, denn ich wusste ja, dass ich auf jeden Fall noch etwas spenden würde, nur nicht jetzt. Jetzt hatte ich gerade keine Zeit für Transaktionen. Und es fehlte ja auch noch ein siebenstelliger Betrag. Da würde die Aktion nicht morgen schon abgeschlossen und meine Chance vertan sein. Ich habe es dann auch tatsächlich geschafft, meinen Obolus noch rechtzeitig zu entrichten. Dennoch wollte ich mir dieses Jahr diese ständigen kleinen Gewissensbisse ersparen. Kaum begann die Spendenaktion, klickte ich das Spendenfenster an. Die Sache war in einer Minute erledigt. Ich weiß gar nicht, warum ich das letztes Jahr so hinausgezögert habe.

Allerdings weiß ich auch nicht, ob ich es nächstes Jahr nicht doch wieder hinauszögern werde, denn seit ich meine Spende entrichtet habe, ärgert mich das Fenster, das auch weiterhin beim Aufrufen einer Wikipedia-Seite erscheint. Ich fühle mich belästigt, und gleichzeitig verursacht mir dieses Gefühl auch wieder ein schlechtes Gewissen. Ich habe zwar nur eine nebulöse Vorstellung davon, wozu Wikipedia 7,9 Mio. Euro braucht, aber ich gönne denen jeden gespendeten Euro. Im Grunde sind die Nicht-Spender an meinem derzeitigen Unbehagen schuld, aber sie sind es ja nicht, die mich belästigen.

Von Kommentaren bitte ich abzusehen. Wie gesagt, mir reicht schon dauernd dieses Fenster.
Aber vielleicht könnte der eine oder andere nicht gespendet habende regelmäßige Wikipedia-Nutzer sich doch baldmöglichst bequemen …
DANKE!

Früher wurde jedem, der Schriftsteller werden wollte, als erstes und oberstes Gebot mit auf dem Weg gegeben: Schreibe über das, was du kennst! Voraussetzung für die Beratung war natürlich, dass jemand wagte, seine Absicht, Schriftsteller(in) zu werden, überhaupt zu äußern. Schriftsteller war man, wenn man mehr als einen Bucherfolg (und der Erfolg durfte sich nicht auf die bloße Veröffentlichung beschränken) vorzuweisen hatte. In dem Fall erfuhr der Schriftsteller, der sich als solcher zu erkennen gab, Anerkennung, wenn nicht gar Bewunderung. Aber Schriftsteller werden wollen, rief Spott oder Mitleid hervor – meistens vermutlich beides.

Ganz offenkundig haben sich die Zeiten geändert. Das heißt, der Rat, über das zu schreiben, was man kennt, wird nach wie vor erteilt, und da sich heute niemand mehr scheut, den Wunsch, Schriftsteller zu werden, auch laut zu äußern, erreicht er mehr angehende Texterzeuger als dunnemals. Mehr noch! Selten wurde ein Rat so oft und gern beherzigt. Den Beweis dafür liefern gefühlte Tausende von Büchern die jährlich erscheinen, und in denen es vorrangigst darum geht, Leben und Leiden des Literaten zu beschreiben – hauptsächlich sein Leiden am Text und an den Schriftstellerkollegen, das ganz aufgelockert durch kleine Begebenheiten auf Lesereisen,.. Es hängt mir so was von zum Halse heraus! Warum im Moment ganz besonders, darauf komme ich demnächst zurück.

Ich glaube allen Ernstes, Bücher schreiben sollte nur, wer mindestens ebenso gut auch etwas anderes tun könnte, denn dann hat er/sie wenigstens etwas zu sagen.

In letzter Zeit lese ich fast nur noch Kriminalromane. Die werden selten von Kriminalkommissaren oder Mördern verfasst, und nur gelegentlich sind Täter oder Opfer Schriftsteller.

„Eine unglaubliche Methode Englisch zu lernen erobert Spanien!“

Es trifft zu, dass Engländer in manchen Ausländern – will sagen: außerhalb Großbritanniens – als „Langnasen“ bezeichnet werden. Es könnte also hier und da die irrtümliche Meinung herrschen, eine lange Nase sei dem Erlernen der englischen Sprache förderlich.

Es trifft aber auch zu, dass Pinocchios Nase lang wurde, wenn der kleine Bengel aus Holz log. Allerdings war Pinocchio Italiener und hatte mit der englischen Sprache vermutlich wenig am Hut.

Was also soll man von dieser Werbung halten? Bezichtigt sie sich selbst der Lüge? Wird die Eingabehilfe für alle, die auch in der Badewanne das Smartphone nicht aus der Hand legen, mitgeliefert? – Fragen über Fragen!

Anmerkung: Sollte es dem geneigten Leser entgangen sein: Dies ist ein Anschluss an das Märchenmotiv vom letzten Eintrag (Schlaraffenland). Zu behaupten. es ginge in diesem Blog thematisch wild durcheinander, wäre also eine böswillige Verleumdung.