Nachrichten


Vor vielen Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten, wodurch ich wieder einmal in selbstverleugnerischer Uneitelkeit auf mein Alter hinweise –- vor etlichen Jahren also hatte ich einen Kollegen, den ich hier nur W. nennen möchte, denn es ist gut möglich, dass W. sich noch des Lebens erfreut und dies hoffentlich bei guter Gesundheit, und es ist ebenso möglich, dass es W. nicht gefallen könnte, was ich hier zu schreiben im Begriff bin. W. trug damals im Kollegenkreis sehr zu unserer Unterhaltung bei, weil er die grundsätzlich ja nicht zu tadelnde Gewohnheit hatte, sein jüngst erworbenes Wissen mit uns allen zu teilen. Dieses Wissen war mannigfaltiger Art, denn W. belas sich gerne auf allen nur erdenklichen Gebieten, und er beschränkte sich auch nicht darauf, das Gelesene zu kolportieren, sondern er fügte seine eigenen Überlegungen und Rückschlüsse hinzu, und gerade darin lag der Wert seiner Mitteilungen. W. hatte nämlich eine bemerkenswerte Begabung auch solche Schlüsse zu ziehen, auf die wir anderen Durchschnittsdenker schwerlich gekommen wären.

So verkündete W. eines Tages, in der Eifel sei es gefährlich. Besonders das Radfahren. Eine Radtour durch die Eifel sollte man im Urlaub keinesfalls planen, dieweil der Boden der Eifel dermaßen kalkhaltig sei, dass der Gummi der Fahrradreifen einer solchen Aggressivität nicht lange standhalten würde. Vom Kalk zerfressene Reifen aber -– das lag auf der Hand – könnten zu den schlimmsten Unfällen führen.

Ich gestehe, dass ich mich damals nicht sonderlich um diese Warnung bekümmerte. Nicht nur plante ich in absehbarer Zukunft keinen Urlaub in der Eifel, ich fuhr auch niemals Rad und würde es auch in der Eifel nicht tun, selbst wenn es mich jemals dorthin verschlüge. Was allerdings in meinem Gedächtnis haften blieb: In der Eifel ist es gefährlich.

Das Tückische an allen Vorurteilen ist – egal durch welche Hintertür sie sich in unser Unterbewusstsein geschlichen haben, dass sie zwangsläufig hin und wieder Bestätigung finden. Im Fall der Eifel und meines Misstrauens gegen diese Landschaft dauerte es (ich komme nicht umhin es zuzugeben) über vierzig Jahre, nämlich bis zu dem Moment, wo ich in den Nachrichten hörte, dass ein Bundeswehr-Tornado in der Eifel abgestürzt sei. Die Autobahn musste wegen herabgestürzter Trümmerteile mehrere Stunden lang gesperrt werden. Natürlich in der Eifel! Wo auch sonst! In der Eifel ist es gefährlich. Sofort tauchte der Satz aus den Tiefen meiner Erinnerung auf und suggerierte mir, dass die Eifel nicht nur komplett aus ungelöschtem Kalk besteht, sondern über dieser unwirtlichen Gegend auch noch so etwas wie ein Bermuda-Dreieck in der Luft hängt!

Nun ist es ja durchaus nicht so, dass ich mich beim Auftreten solcher Hirngespinste nicht zur Vernunft rufe, mich, wie man so schön sagt, wieder zur Raison bringe. Ich hatte also die Eifel und meine Vorurteile schon wieder aus meinen Gedanken verscheucht, als ich heute Morgen das Wochenendjournal hörte, diesmal unter dem Titel „“Tatort und Schreibwerkstatt – Die Eifel: Hochburg der Kriminalgeschichte in Deutschland““. Zu Wort kam zum Beispiel Elke Pistor. Als ihr auffiel, dass in ihrer Heimatstadt Gmünd ein leerstehendes Gebäude abgerissen worden war, interessierte sie sich zum ersten Mal dafür und fand heraus, dass es sich dabei um die ehemalige Handwerkerbildungsanstalt handelte, hinter deren Mauern straffällige Jugendliche durch das Auspeitschen mit Schwarzdornzweigen gezüchtigt worden waren. Die Vorstellung war grausig genug, Elke Pistor zu einem neuen Eifel-Krimi zu inspirieren. Ich meinerseits möchte wetten, dass die so malträtierten Jungen, die oft nicht mehr verbrochen hatten, als aus Hunger ein Brot zu stehlen, mir darin beipflichten würden: In der Eifel ist es gefährlich.

Aber irgendwas ist ja immer.
Immer (mal) und (fast) überall.
Wie sagte ein (anderer) ehemaliger Kollege gern? – Ein gesundes Vorurteil beschleunigt die Entscheidungsfindung.
Sollte ich also mal eine Entscheidung treffen müssen, die im weitesten Sinne mit der Eifel zu tun hat, …

Advertisements

Kelsan Gyaltsen, der Delegierte des Dalai Lama in Europa:

„Der Dalai Lama hat klargestellt, dass seine Wiedergeburt – falls die Tibeter weiterhin unter Unterdrückung durch die Chinesen leben müssen -, dass in einem solchen Fall seine Wiedergeburt und seine Reinkarnation im Ausland, in der freien Welt stattfinden wird.“

Aber ausgerechnet Chinas kommunistische Regierung pocht nun auf die religiöse Tradition. Sie verlangt eine Wiedergeburt auf tibetischem Gebiet, sagt Lian Xiangmin vom staatlichen Forschungsinstitut für Tibetstudien, der die offizielle Regierungssicht vertritt:

„Die Reinkarnationen haben sich ja bereits mehrmals in der Geschichte ereignet, es gibt also bereits eine Tradition, und wir müssen ihr folgen. Auch die chinesische Regierung darf vom kulturellen Erbe nicht abweichen.“

Auszug aus dem Feature „Angst auf dem Dach der Welt. China übt weiterhin Druck auf Tibeter aus“ von Silke Ballweg, ausgestrahlt vom Deutschlandfunk in der Reihe „Hintergrund“ am 22. August 2013

Volltext

Chinas kommunistische Regierung verlangt eine Wiedergeburt des Dalai Lama auf tibetischem Gebiet?

Habe herzlich gelacht.

Eine Zeitung kauft man morgens (und hat sie bis zum Mittag ausgelesen). Ich kannte wirklich mal jemanden, der diese Ansicht vehement verfocht und jeden mit Spott überschüttete, den er nachmittags oder abends noch die Zeitung lesend antraf. Heute wäre mir das egal gewesen. (Nein, ich glaube, es war mir auch damals schon egal, aber heute ganz gewiss.) Die Zeitung steckte so im Ständer, dass das Bild halb verdeckt war. Außerdem streifte mein Blick es zunächst nur flüchtig, als ich nach der Arbeit auf dem Heimweg am Kiosk vorbeiging. Trotzdem wusste ich sofort, was dieses Foto darstellte. Ich stoppte, zog die Zeitig aus dem Ständer und kaufte sie. Alles in mir jubelte. Das ist zu schön. Das ist vielleicht zu „gestellt“, um bei der nächsten World Press Photo eine Chance zu haben, aber für mich ist es definitiv das beste Pressefoto des Jahres, wenn nicht was weiß ich von wie vielen Jahren. Diese drei Taikonauten, die in die Sonne blinzeln und salutieren. Sitzend salutieren. Die Sitze scheinen auf komplizierte Art mit ihren Raumanzügen verbunden zu sein. Ich vermute, man hat sie mit den Sitzen aus der Kugel geholt. Aber zu der Kugel komme ich später. Noch faszinieren mich diese drei Figuren, denen man lange, hellblaue, seidig glänzende Schals umgelegt und jeweils einen Blumenstrauß in den Arm gegeben hat. Anturien, Rosen, Lilien und ein Kraut mit kleinen weißen Blüten, in rosa Papier gewickelt. Ich versuche mir vorzustellen, wie diese Menschen in der Kugel angeordnet waren. Wie Drillinge im Mutterleib? – Also, gut. Komme ich zur Kugel, deren Außerhaut man die Strapaze des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre ansieht. Diese Kugel hat etwas Archaisches. Jules Verne könnte sie erfunden haben, und die Taikonauten könnten seit hundertfünfzig Jahre darin durchs All geflogen sein, was ihre Leistung unzweifelhaft noch größer macht.

Ich schaue das Bild an und erkenne neidlos: China hat eine große Zukunft.

Nur ein Mal hörte ich gestern in den Radio-Nachrichten die Meldung, dass der BND, ungeachtet des Internet-Überwachungsskandals in den USA, 100 neue Mitarbeiter einstellen und in Deutschland die Überwachung des Internets intensivieren will.

Wie Bitte? Und mit welchen Argumenten will Frau Merkel ihre Sorge um die Privatspäre der deutschen Internetnutzer untermauern, wenn sie Barack Obama anlässlich seines Besuches in Berlin darauf anspricht?

Und diese Frage ist vielleicht auch der Grund, warum die Meldung aus den Radio-Nachrichten auch gleich wieder verschwand, und warum überhaupt das Getöne ob der Datenschnüffelei deutlich leiser geworden ist. Wir hatten ja (zum Glück?) auch andere Sorgen. Die unbesonnenen Reaktionen und Reden des türkischen Ministerpräsidenten in Istanbul sind durchaus geeignet auch hierzulande die Menschen zu beschäftigen, und wer in Deutschland unmittelbar mit den Folgen der Jahrhundertflut konfrontiert ist, für den mag Datenschutz zurzeit von zweitrangiger Bedeutung sein. Vielleicht merkt es ja keiner, dass wir unterdessen noch ein bisschen gläserner und – wie es bei Glas nicht überrascht – ein bisschen verwundbarer werder.

Was tut eine alte Tante, wenn sie nachts nicht schlafen kann? Glaubt man Georg Kreisler, dann tanzt sie Tango –- vorausgesetzt sie hat eine zweite alte Tante zur Gesellschaft. Da es mir daran gebricht, höre ich im Fall des Falles Radio. Das ist soweit ganz in Ordnung, denn da ich (jedenfalls an Werktagen) tagsüber nicht zum Radiohören komme, macht es nichts, dass nachts fast ausschließlich Wiederholungen gesendet werden. Das Einzige, das garantiert nie wiederholt wird, sind die Verkehrsdurchsagen. Selbst wenn man manchmal den Eindruck haben könnte, so handelt es sich bei den Radfahrern auf der Autobahn um 03.05 Uhr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um dieselben, die da schon um 17.05 unterwegs waren. Auch die Gegenstände auf der Fahrbahn sind vermutlich andere. Ich finde es ja immer schade, dass diese „Gegenstände“ nicht näher bezeichnet werden. Matthias Egersdörfer hat dazu auch schon einmal kritisch angemerkt, dass es schließlich einen Unterschied macht, ob es sich bei diesen Gegenständen um Serviettenringe oder eine Schrankwand handelt. Man könnte zwar meinen, es bleibt somit der Phantasie überlassen, und ein bisschen Beschäftigung für die Phantasie kann auf einer langen Autobahnfahrt sogar hilfreich sein, aber ich persönlich finde einen Gartenstuhl oder einen Teppich anregender als einfach nur Gegenstände. Meine Bitte an diejenigen, die Radiosender mit den entsprechenden Warnmeldungen versorgen, wäre also, etwas genauer hinzuschauen, was sich da auf der Fahrbahn befindet, und an die Radiosender, diese Meldung dann auch ausführlich wiederzugeben.

Eine Verkehrsdurchsage bringt der Deutschlandfunk übrigens sogar im Voraus, nämlich wenn es sich nicht um den Verkehr auf Auto- sondern auf Himmelsbahnen handelt. So hörte ich letzte Nacht um 02.05 Uhr bereits, was Schlafmützen erst um 16.35 Uhr erfahren werden, nämlich dass man zurzeit die Raumstation ISS, die immerhin die Größe eines Fußballfeldes hat, über den nächtlichen Himmel ziehen sehen kann. Sie tut dies recht flott und leuchtet, da sie von der Sonne angestrahlt wird, heller als jeder Stern. Wer also am Nachthimmel etwas entdeckt, dass sich relativ schnell bewegt, ohne wie ein Flugzeug zu brummen oder zu blinken, kann ziemlich sicher sein, dass es sich um die Raumstation handelt. Da die ISS die Erde innerhalb von 24 Stunden wohl 18-mal umkreist, sind die Chancen auf eine Sichtung nicht schlecht. Ich jedenfalls hatte prompt Glück. Um 02.17 tauchte sie hinter den Bäumen auf, die mir einen Teil der Sicht auf den Himmel vor meinem Fenster verstellen. Ich nutzte die Gelegenheit, um von meinem Bett aus den Astronauten zuzuwinken. Das Vergnügen hat man wahrlich nicht jeden Tag bzw. jede Nacht.

So hartnäckig wie der Winter sind in diesem Jahr die Erkältungen, von denen zurzeit alle Welt geplagt zu werden scheint. Und wenn ich sage ‚alle Welt’, so bitte ich, dies wörtlich zu nehmen. Selbst jene Zunft, die nicht im Mindesten hüsteln oder schniefen darf, während sie uns stündlich über das aktuelle Geschehen weltweit informiert, bleibt nicht verschont. Gemeint sind natürlich die Nachrichtensprecher und -sprecherinnen. In den letzten Tagen hat meine Bewunderung für ihren heroischen Stimmeinsatz tatsächlich den Grad der Heldenverehrung erreicht. Ich lausche den Nachrichten mittlerweile, als handelte es sich um Arien. So wie der Opernliebhaber in Verzückung geraten mag über einen lyrischen Koloratursopran oder einen Heldentenor, folge ich atemlos dem (fast) lautlosen Kampf der Nachrichtensprecher mit ihrem Hustenreiz, ergötze mich an der unnachahmlichen Disziplin des Nichthustens, an der Kunstfertigkeit, mit der ein winziger Schluck Wasser genommen wird, ohne den Sprachrhythmus zu unterbrechen -– hörbar eben nur bei äußerster Konzentration des Rezipienten. Mitfühlend blinzele ich die eigenen Tränen (der Rührung) weg. Nicht die Zyprer oder Zyprioten sind es, mit denen ich leide. Nein, ich zittere mit meinen Helden, denen vielleicht in diesem Moment ihre Notizen vor den Augen verschwimmen. Und endlich die Erlösung, wenn es heißt: „„Das Wetter…“: …“

Wolfgang Windgassen als Othello:

Soviel zu den Rassismus-Vorwürfen gegen Dieter Hallervorden, weil er in der neuesten Inszenierung des Berliner Schlosspark-Theaters einen Schwarzen spielt. Das ist Abmahnvereinsmeierei.

« Vorherige SeiteNächste Seite »