Im Netzt gefunden


Seit einiger Zeit folge ich dem Blog Lydia’s Welt und lese mit großem Interesse, wie sie über ihr Leben als blinde Mutter sehender Kinder berichtet, und auch ihre vielen nützlichen Ratschläge für den Umgang mit blinden Menschen. Seien wir ehrlich: Wirklich hineinversetzen können wir – als Sehende – uns in Blinde nur schwer. Und auch wenn ich einmal behauptet habe, ich würde, vor die Wahl gestellt, eher auf mein Augenlicht als auf mein Gehör verzichten, so ist mir doch bewusst, dass Blindheit eine deutlich größere Beeinträchtigung in der Bewältigung des Alltags darstellt als Taubheit.

Als ich heute Lydias Eintrag „Bilder, Text und Bildbeschreibung“ las, in dem sie u.a. erklärt, wie man einem Blinden am besten den Weg beschreibt, und wie man ihm erklärt, was auf einem Bild zu sehen ist, dämmerte in meinem Hinterkopf die Erinnerung an einen Roman (oder war es ein Film?) – im Zweifel die Verfilmung eines Romans herauf. Und hier wäre ich nun außerordentlich dankbar, wenn jemand meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen könnte. Jedenfalls gibt es da eine Szene, in der ein Blinder Mann, nachdem er sich mit seinem Gegenüber in einem öffentlichen Verkehrsmittel unterhalten hat, diesen fotografiert. Dazu erklärt er, er würde sich dann die Gesichter der Menschen anschauen können, die er getroffen hat, sollte es in der Zukunft eine Möglichkeit geben, seine Augenkrankheit zu heilen.
Ich wollte Lydia fragen, ob sie diese Szene für glaubhaft hält, nur brachte auch meine Suche im Netz den Buch-/Filmtitel nicht zum Vorschein – statt dessen aber etwas anderes.

Sucht man im Internet nach „blinder Fotograf“ so landet man – zurzeit jedenfalls – unweigerlich bei Pete Eckert. Dass man dabei so schnell und gleich mit mehreren Artikeln fündig wird, mag unter anderem daran liegen, dass Eckert mit einem Werbespot für einen großen deutschen Automobilkonzern, der in letzter Zeit eher durch Skandale ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt war, sich und ein bestimmtes Automodell noch bekannter gemacht hat. Weil ich aber jetzt gerade keine Lust habe, hier auch noch Werbung zu machen, habe ich ein anderes Video ausgewählt, das eine Vorstellung davon gibt, wie Pete Eckert fotografiert.

Blind Photographer Pete Eckert for Avantgarde Diaries by Oddiseefilms

Auf Pete Eckerts eigener Homepage berichtet er (engl.) über sein Leben als junger Mann mir großen Zukunftsplänen, sein Erblinden und seinen Werdegang als blinder Fotograf. Ich hoffe, dass dies und natürlich auch Lydia’s Welt das Interesse auch anderer Leser findet.

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1977 gründete Walter Martin Kienreich in Wien die Wochenzeitung „Falter“. Seine Wurzeln hat das Blatt in der Bewegung rund um die Besetzung des Auslandsschlachthofes Sankt Marx in Wien 1976. Die erste Ausgabe erschien am 25. Mai 1977 . Über die Ausrichtung ist bei Wikipedia nachzulesen:

Der Falter kann als Erscheinung der professionalisierten Alternativpresse der späten 1970er-Jahre betrachtet werden. Anders als die Schweizer WOZ Die Wochenzeitung oder Die Tageszeitung in Berlin ist der Falter nicht durch eine Genossenschaft abgesichert. Der Verlag wird durch die Zeitschrift und die Publikation von Sachbüchern und Krimis erhalten.

Der Falter berichtet aus linksliberaler Perspektive über Politik, Medien, Kultur und das Stadtleben in Wien und Graz. Ursprünglicher Kernteil ist ein ausführlicher Terminkalender für Theater, Kino, Party und Veranstaltungen jeder Art. Besondere Verdienste erwarb sich die Wochenzeitung mit solide recherchiertem Aufdeckungsjournalismus. Sie ist Mitglied der European Investigative Collaboration (EIC).

Zu den Preisen, mit denen die Redaktion ausgezeichnet wurde, gehören der Prof.-Claus-Gatterer-Preis für sozial engagierten Journalismus (1985) und der Concordia-Preis für hervorragende publizistische Leistungen in der Kategorie Pressefreiheit (2005).

Für den Falter schreiben unter anderem der Schauspieler, Schriftsteller und Talkshow-Moderator Hermes Phettberg, die Filmregisseurin, Autorin und Zeichnerin Andrea Maria Dusl und der Restaurant-Kritiker Florian Holzer.

Und damit komme ich auch zu dem tieferen Grund, aus dem ich mich hier über den Falter verbreite. Ich bin nämlich eine begeisterte Leserin von Andrea Maria Dusls Blog Das Buereau – Diskursmanufaktur COMANDANTINA, welches ich hiermit vorstellen möchte und zur gelegentlichen bis regelmäßigen Lektüre empfehle. Sehr unterhaltsam, und dümmer wird man dabei keinesfalls.

Beim Herumstöbern in meinen digitalen Ordnern entdeckte ich heute eine kurze Notiz und ein dazugehöriges (aus dem Netzt heruntergeladenes) Foto, bei dem es sich um eine besonders deprimierende Aufnahme handelt, die zwei der Pariser „Wolkentürme“ (Tours Nuages) zeigt. Offenbar hatte ich im Sommer 2016 die Absicht, etwas über diese Hochhäuser, die auch – nach ihrem Architekten Émile Aillaud – Tours Aillaud genannt werden, oder über die Banlieue ganz allgemein zu schreiben, über die sozialen Brennpunkte, und warum sie zu solchen wurden. Jedenfalls bin ich damals davon abgekommen, wohl weil ich zu der Zeit ohnehin eher wenig im Blog schrieb. Und vorhin war ich drauf und dran den Ordner, der ja nur dieses eine Foto, eine Notiz von drei Zeilen und einen Link enthielt, zu löschen, entschloss mich dann aber, doch noch einmal einen Blick auf diese Tours Nuages zu werfen – ob sie denn wirklich so schrecklich sind.

Bei meiner kleinen Netz-Exkursion fand ich eine Seite besonders interessant. Dort berichtete am 3. Dezember letzten Jahres Tessa Forde über ein Projekt des französischen Fotografen Laurent Kronental mit dem Titel „Les Yeux des Tours“ (Die Augen der Türme).  Ich empfehle einen Klick auf den Link oder den Screenshot, denn dahinter verbirgt sich eine ganze Reihe von Innenaufnahmen der Fenster.

Beeindruckend war mir auch diese Luftaufnahmen auf der Seite „Residential Tower“ der Technischen Universität München.

Ein Familienprojekt, denn die Fresken in Pâte-de-verre, einer 5.000 Jahre alten Glasurtechnik, wurden von Fabio Rieti, dem Schwiegersohn von Emile Aillaud, entworfen. Aillauds Tochter Laurence entwarf die große schlangenförmige Skulptur, die den Spielplatz in der Nähe der höchsten Türme dominiert. Aillaud hatte ein striktes Konzept für den Außenbereich. Pro Wohnung (es waren mehr als 1.600) gab es einen ihr zugewiesenen Baum. Die Siedlung war als zukunftweisendes Modell bestimmt und mutet heute doch an wie eine inzwischen 40 Jahre alte Utopie.

Es mag fragwürdig sein, wenn Menschen sich in der Vergangenheit mehr zuhause fühlen als in der Gegenwart. Aber kann man sich in der Zukunft zuhause fühlen – in einem Wolkenkuckucksheim?

Ob geteiltes Leid tatsächlich halbes Leid sei, diese Frage wurde vor einem Jahr bei Yahoo Clever so vernünftig von mehreren Nutzern beantwortet, dass ich sie hier nicht noch einmal stellen muss. Es mag demjenigen, der sein Leid (mit-)teilt helfen, sich (es) (mit-)geteilt zu haben, aber wirklich kleiner wird das Leid dadurch nicht. Je nach Mitleidigkeit des Gegenübers kann aber durchaus doppeltes Leid daraus werden, aber nicht für den Einzelnen, sondern es ist dann eben doppeltes Leid geteilt durch zwei.

Interessanter als diese Rechnung ist eine andere Frage: Wie verhält es sich mit dem Selbstmitleid? Mathematisch richtig wäre die Antwort: 1 Leid + 1 Selbstmitleid = 2 Leid.

Ich würde daher sagen: Selbstmitleid rechnet sich zwar auch aber doch sehr zu Ungunsten desjenigen, der es hat.

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