Fotografie


Wie so oft, bin ich auch jetzt wieder meiner Zeit voraus: ich habe Frühlingsgefühle. Genauer gesagt, ich leide an Frühjahrsmüdigkeit. Sobald es nachmittags um fünf noch hell ist und die Temperaturen sich dem zweistelligen Plusbereich nähern, kann ich mir die Karten legen –– und schlafe dabei ein.

Restlos geklärt sind die Ursachen für die Frühjahrsmüdigkeit noch immer nicht, nur so viel wird einhellig behauptet, dass es etwas mit Hormonen zu tun habe, mit der plötzlich verstärkt einsetzenden Produktion von Serotonin.

Vielleicht aber habe ich auch zu viele Walnüsse gegessen. Die enthalten nämlich ebenfalls Serotonin. Auch gut! Darauf, Serotonin zu produzieren, muss man sich nicht allzu viel einbilden, das können sogar Fadenwürmer. Und letztlich läuft es aufs selbe hinaus: Ich bin halt müde.

Berlin, Straßenszene
Berlin, Straßenszene
Bundesarchiv Bild 183-P0310-0025

Verwunderlich ist das nicht. Schon mein Leben lang fehlt mir der Winterschlaf.

Ach, das ist ja viel zu leicht. Möglich, dass das Teekesselchen selbst es (die richtige Frau) gar nicht so leicht findet, aber für das mindestens seit 1896 belegte Ratespiel, sollte dieses Suchwort nur verwendet werden, wenn die Mitspieler sehr jung oder sehr alt sind.

Gar nicht leicht dagegen macht einem das Leben das Copyright. Als Teekesselchen ist es ebenfalls unzulässig, weil man das Kopieren mit der rechten Maustaste ja getrennt schreiben muss. Und dann wird es einem auch noch untersagt, wie zum Beispiel vom Landesarchiv Berlin, dass a) in seiner Fotosammlung nicht nach Herzenslust suchen lässt, sondern auf seiner Webseite nur einen „repräsentativen Querschnitt“ herzeigt, und auch den darf man b) nicht etwa verwenden, wenn man, wie es sich gehört, das Landesarchiv als Bildquelle angibt, sondern es wird einem mitgeteilt, dass „der Ausdruck sowie das Kopieren, Speichern und Versenden der in dieser Präsentation eingestellten Image-Dateien aus urheberrechtlichen Gründen untersagt ist!“ (mit Ausrufezeichen dahinter)

Dabei haben sie da so schöne (und ganz leichte) Teekesselchen.

… … hat mein Schwiegersohn unter dieses Foto geschrieben.

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Foto: © KL.AUSLÖSER

Fotografiert wird auch immer, wie das Bild ebenfalls beweist. Tochter und Schwiegersohn – beide passionierte Fotografen und gerade von der Hochzeitsreise zurück – haben die ersten Venedig-Bilder schon in der fotocommunity veröffentlicht. Ein Besuch lohnt sich.

Erst vor drei Wochen hatte ich etwas über den Mehringplatz geschrieben, und heute hatte ich einen Grund wieder mal hinzufahren, und dieser Grund hatte nichts mit dem Club Oblomow zu tun. Was mich dorthin lockte war die Eröffnung der Open-Air-Ausstellung „Gesichter am Mehringdamm“. Meine ehemalige Kollegin Janina Niendorf (ehemalig, weil ich ja nun in Rente bin) und Stefan Walter haben 80 Bewohner des Mehringplatzes fotografiert und die Säulen in den Durchgängen zwischen Innenring und Außenring des Platzes mit den Fotos plakatiert.

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Das Quartier steht im Ruf, ein Problemkiez zu sein. Schaut man sich die lebensgroßen Portraits an, kann man das kaum glauben. Offen und freundlich, mit einem Lächeln begegnen einem die Menschen, die hier leben und einen Querschnitt durch die Nachbarschaft darstellen. Es wird wohl daran liegen, dass auch die beiden Fotokünstler ihren Modellen offen und freundlich begegneten. Das darf man ruhig zum Anreiz nehmen, die eigenen, vielleicht doch zu offensichtlich zur Schau getragenen, Vorbehalte einer Revision zu unterziehen.

Hendrik Jellema, Vorstand der GEWOBAG, die am Mehringplatz 1.031 Wohnungen verwaltet, sagte: „Die Ausstellung spricht Passanten sehr direkt an, indem sie hinter die Fassaden blicken lässt und eine Vorstellung von den Bewohnern vermittelt. Zugleich wirkt sie aber auch nach innen. Sie stärkt die Identifikation mit dem Quartier und regt zur Kommunikation an, etwa, wenn sich zwei ,Säulen-Nachbarn‘ zukünftig beim Bäcker um die Ecke wiedererkennen.“

Zu sehen ist die Ausstellung voraussichtlich bis zum 31. Dezember 2013, und wen es auf der Suche nach Geschenken -– denn plötzlich und unerwartet steht Weihnachten bald wieder vor der Tür –- in die Friedrichstraße treibt, der könnte ja mal bis an deren südliches Ende wandern und eine Runde über den ehemaligen Bell-Alliance-Platz drehen.

“Ach!” rief ich und klatschte begeistert in die Hände bei der Lektüre des aktuellen SZ-Magazins. Der Grund für diesen Ausbruch heiterer Freude war ein Bericht über den thailändischen Fotografen Tiane Doan na Champassak und ein von ihm herausgegebenes Büchlein mit einer Sammlung von Fotos von König Bhumibol.
Für diesen Bhumibol hege ich schon deshalb eine besondere Sympathie, weil er mich (mehr noch als Königin Elisabeth II, obwohl man von dieser öfter hört) praktisch durch mein Leben begleitet. Alles verändert sich ständig, aber Bhumibol Adulyadej der Große, (Rama IX.), geboren am 5. Dezember 1927 in Cambridge, Massachusetts, und seit 1946 König von Thailand ist das derzeit am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Darüber hinaus ist er auch der weltweit reichste Monarch.

Was Tiane Doan na Champassak dazu veranlasst hat, ein Büchlein über Bhumibol herauszugeben, ist allerdings die Tatsache, dass der Regent auch mit Fug und Recht als “THE KING OF PHOTOGRAPHY“ bezeichnet werden kann. Der Mann tritt praktisch ohne Fotoapparat nicht mal auf den Balkon. Journalisten bestätigen, dass er alles und jeden fotografiert. Sogar auf Geldscheinen ist er mit Fotoapparat (bevorzugte Marke: Canon) abgebildet, und man hat ihn nebst seiner Kamera in Öl gemalt.

Da auch in meinem Umkreis die Zahl der leidenschaftlichen Fotografen beständig zunimmt, Fotozubehör aber oft erschreckend teuer ist, dachte ich mir: Dieses Büchlein, von Tiane Doan na Champassak im Selbstverlag in limitierter Auflage von 250 Stück herausgegeben, wäre sicher ein passendes Geschenk für einen dieser fotografierenden Menschen. Aber leider, leider, leider… es ist out of print.

Auf seiner eigenen Webseite hat Tiane Doan na Champassak Bilder aus dem Buch eingestellt.

„Farbe ist diejenige Gesichtsempfindung eines dem Auge des Menschen strukturlos erscheinenden Teiles des Gesichtsfeldes, durch die sich dieser Teil bei einäugiger Beobachtung mit unbewegtem Auge von einem gleichzeitig gesehenen, ebenfalls strukturlosen angrenzenden Bezirk allein unterscheiden kann.“
(Definition nach DIN 5033)

Die Idee zu „EMPTY – RED“ kam mir im Juli 2010, als mein Blick plötzlich auf ein roten Feuerzeug sowie die Wachsrinde und das Einwickelpapier eines Mini Babybells fiel, die nebeneinander auf dem Küchentresen lagen. Beides leuchtete in der Sonne, beides war leer. Bei den Überresten des Käses war es offensichtlich, beim Feuerzeug hatte ich es kurz zuvor festgestellt.

EMPTY - RED

Farbe und Leere im Bild festzuhalten, darum ging es. Nun wird mir niemand darin widersprechen, dass ich wirklich kein fotografisches Talent besitze. Meine Kamera ist für mich eine Art zusätzliches Notizbuch. Und so „notiere“ ich lediglich die eine oder andere Idee eben auf diese Weise.

Es entstanden dann innerhalb kurzer Zeit die Bilder EMPTY – SILVER …

EMPTY - SILVER

… und EMPTY – BROWN.

EMPTY - BROWN

Bei der Suche nach EMPTY – WHITE – einem leeren Kühlschrank vielleicht? – verlor ich die Lust. Meinen eigenen Kühlschrank dafür auszuräumen, fand ich doof. Es hätte schon einer am Straßenrand sein müssen oder eine ganze Reihe Kühlschränke in einem Kaufhaus, alle mit offenen Türen. Und irgendwie verschwand die ganze Idee in der Versenkung, bis ich nach meiner Leipzig-Reise die Fotos sichtete. Da hatte ich doch tatsächlich – ohne einen Gedanken an EMPTY zu verschwenden, leere weiße Kirchenbänke und die leeren grünen Plastiksitze eines Sommertheaters fotografiert.

EMPTY – WHITE

EMPTY - WHITE

EMPTY – GREEN

EMPTY - GREEN

Okay, schon wieder Sitzgelegenheiten. Das wollte ich eigentlich vermeiden. Das verführt ja zu psychologischen Spekulationen, diese leeren Stühle. Aber der Platz neben mir ist nicht frei.

Schwimmender Tiger

© JackyBerlin

Als Hundstage bezeichnet der Volksmund die heißen Tage im Sommer.  Namengebend ist das Sternbild Großer Hund, dessen hellster Stern, sirius, bereits in der Morgendämmerun sichtbar ist – also vor der Sonne aufgeht.

„Hundstage“ hat Tochter #1 auch eines ihrer neuen Tierfotos getitelt. Und vielleicht auch die Elefanten-Kinderstube anschauen?

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