Essen und Trinken


Olivenöl "Frescolio"

Jedes mal, wenn ich mir etwas „Flüssiges“ schicken lasse, bemächtigt sich meiner eine gewisse Nervosität, ob das Bestellte heil ankommen wird. Diese Woche befürchtete ich einen riesigen Fettfleck in der Packstelle. Noch mehr aber fürchtete ich, auf das leckere Olivenöl im Falle eines Malheurs noch länger warten zu müssen. Dabei tropfte mir schon der Zahn: Die ersten Olivenöle der neuen Ernte kommen eben in den Handel. Dabei gehört Öl aus Sizilien zu den Vorreitern. – Jedenfalls hat mich das Päckchen heute unversehrt erreicht, und mir läuft das Wasser im Mund zusammen, während ich einen Blick in eine Zeitung werfe, die mir ohne diese Flaschenpost nie unter die Augen gekommen wäre.

Obwohl ich eher der italienischen als der asiatischen Küche zugeneigt bin, waren mir Glasnudeln natürlich ein Begriff, und ich habe sie im Restaurant auch schon gegessen. Wie sie hergestellt werden, darüber hatte ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Umso beeindruckter war ich von den Fotos, die CathrinKa in einem „Nudeldorf“ in der Nähe von Hanoi (Vietnam) gemacht hat. Was da leuchtendgelb in der Sonne trocknet, hätte ich nie und nimmer für Nudeln gehalten. Einen Besuch der Seite (leider nur noch bis zum 15. Dezember 2015 erreichbar) kann ich nur empfehlen.

"Nudeldorf" in der Nähe von Hanoi (Vietnam)

© CathrinKa

Mehr zum Thema Glasnudeln gibt es bei Wikipedia und Rezepte bei chefkoch.de.

Mohren Kaffee
Bar Goethe. Via Johann Wolfgang Goethe, Meran
Foto: Spill

Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal einen Mohrenkopf in der Vitrine eine Bäckers und/oder Konditors gesehen habe. Ich bin jedoch sicher, dass es in der kleinen Bäckerei in unserer Straße –- ich spreche von der Straße, in der ich aufgewaschen bin – Mohrenköpfe gab. Wir kauften sie nie. Wir kauften, Amerikaner, Kameruner, Negerküsse, …… Die zuletzt Genannten dürfen nicht mehr so genannt werden; darüber gibt es mehr internette Literatur als auch die militantesten Verfechter der political correctness vernünftigerweise verlangen können. Die Kameruner, die aussehen, als hätte der Bäckerlehrling immer noch nicht begriffen, wie man Brezeln formt, heißen noch, wie sie immer hießen, und wenn man Glück hat, findet man sie (manchmal sogar „3 Stück für 1 €“Euro), aber nur in Berlin und Umgebung. Vielleicht hat sie die Beschränktheit ihrer Verbreitung vor dem Zorn der nationalen Sprachbereiniger bewahrt. Amerikaner gibt es auch noch, aber wegen des unverkennbaren Ammoniumhydrogencarbonataromas mag ich sie nicht besonders, und über das Überleben dieser Bezeichnung für ein Gepäck öffentlich nachzudenken, reizt mich weder unter politischen, noch unter kulturellen Aspekten. Schließlich hat auch noch niemand verlangt, die unter ökologischem Dauerverdacht stehenden Hamburger müssten anders genannt werden. – Blieben die Mohrenköpfe im Minenfeld der überall lauernden Diskriminierungsanwürfe.

Was sagt der Duden zum Gebrauch von Mohr und Mohrenkopf? Zu Letzterem vermerkt er, das Wort werde „häufig als diskriminierend empfunden“. Als Bedeutungen bietet der Duden das mit Schokolade überzogene „kugelförmige Gebäckstück aus Biskuitteig“ sowie den „Schokokuss“. Dass aber der zum Schokokuss mutierte Negerkuss etwas völlig anderes ist als ein Mohrenkopf, weiß doch jeder halbwegs vernaschte Mensch. Der Mohr wird lt. Duden hingegen nicht als subjektiv diskriminierend, sondern nur als „veraltet“ eingestuft und bezeichnet einen „Menschen mit dunkler Hautfarbe“. Was das Wort Mohr davor bewahrt hat, dass seine Ausrottung konsequent betrieben wurde, so dass im Struwwelpeter der „kohlpechrabenschwarze Mohr“ noch immer vor dem Tor spazieren gehen darf, kann nicht das Schiller-Wort „“Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen““ sein. Eher dürfte es an der großen Zahl von Bezeichnungen liegen, die alle geändert werden müssten, sollte der Mohr auf die Liste „geächteter Wörter“ gesetzt werden.

Da wäre außer dem eingangs erwähnten Gebäck (und ich habe wirklich gejubelt, als ich jetzt das Rezept nachschlug und las, dass man den speziellen Biskuitteig dafür Othello-Masse nennt) z.B. der „Mohrenkopf-Pokal“ des Nürnberger Goldschmieds Christoph Jamnitzer, der zum Schatz der Sachsen gehört und im Bayerischen Nationalmuseum in München ausgestellt ist. Mohrenkopf heißt auch ein Berg in den Allgäuer Alpen, und dieser Mohrenkopf hat sogar seine eigene Webcam. Häufig Mohrenkopf genannt wird ein Schmetterling, dessen korrekte Bezeichnung Großer Sackträger (Canephora hirsuta) ist, während es sich beim Altdeutschen Mohrenkopf um eine Haustaubenrasse handelt. Der Mohrenkopf-Milchling (Was für ein widersprüchlicher Name!) ist ein geschätzter Speisepilz mit schwarzbraunem Hut und ebensolchem Stiel. Damit nicht genug.

In Korsika trifft man überall auf den schwarzen Mohren- oder Maurenkopf mit dem weißen Band im krausen Haar. Er gilt als Freiheitssymbol, seine Herkunft ist allerdings nicht eindeutig geklärt. Auf einer frühen Darstellung des Kopfes ist das Stirnband kein Stirnband sondern eine Augenbinde, die darauf hinweist, dass ihr Träger ein Sklave ist. Die ins Haar hinauf geschobene Binde signalisiert also die Befreiung.

Das mittelfränkische Städtchen Pappenheim führt einen Mohrenkopf im Stadtwappen. Unmittelbar zurückgeführt wird dies auf die Helmzierde der Pappenheimer Marschälle. Heraldiker, die sich darüber wunderten, weil Ritter üblicherweise Adler, Löwen oder andere stolze Symbole bevorzugten, fanden im Vergleich mit alten Münzen heraus, dass es sich ursprünglich um das edle Haupt Hieron II. von Syrakus gehandelt haben muss, bis historisch ungebildete Siegelstecher daraus einen „gewöhnlichen“ Mohrenkopf und schließlich sogar den Kopf einer Mohrin mit Zöpfen machten, bevor daraus schließlich der heute verwendete Mohrenkopf wurde. In keinem Zusammenhang steht diese auf die Antike zurückgreifende Hudelei mit dem Ausspruch: „Ich kenne meine Pappenheimer.“ Dieses Zitat hat zwar auch ein ärgerliches Schicksal erlitten, verdient aber eine eigene Ehrenrettung, wird es doch heute, wenn überhaupt noch, eher abwertend benutzt, während Schillers Wallenstein die Worte „„Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer““ in Anerkennung der Treue der Genannten ausspricht.

Dass ich als Kind nie einen Mohrenkopf zu essen bekam, bedeutet nicht, dass ich keinen Begriff davon hatte. Zu den Büchern, welche meine Altvorderen für angemessene Literatur für mich hielten, gehörten Else Urys Nesthäkchen-Romane. Und in Kapitel 11 von „“Nesthäkchen und ihre Puppen““ schildert Else Ury, wie einmal der Besuch von Tante Albertinchen erwartet wurde und Annemie (das Nesthäkchen) sich als so versessen auf den Mohrenkopf in der Kuchenschüssel erwies, dass sie am Ende zur Strafe nicht einmal die von ihrer Mutter für sie reservierte Marzipankartoffel bekam. Für mich als geborene Naschkatze war dieses Mohrenkopf-Debakel beeindruckend genug, um mir bis heute in Erinnerung zu bleiben. Für eine besondere Affinität zum Mohrenkopf spricht auch, dass man allenthalben danach benannte Cafés findet, u.a. in Ingolstadt, Trier und Zürich, nicht zu vergessen das „Café Mohrenkopf“ genannte Zelt auf dem Münchner Oktoberfest, mit welchem seit 60 Jahren die Tradition des Gründers Paul Wiemes fortgeführt wird.

Bringt die sogenannte politische Korrektheit den in vielen Fällen nach wie vor diskriminierten Menschen wirklich zunehmend Respekt ein? Oder ist es nur so, dass man sich heute zwar korrekter ausdrückt, wes Geistes Kind der Sprecher ist aber dessen dunkles Geheimnis bleibt? Es bestand ja einst (und besteht vielleicht noch) die Hoffnung, eine achtsame (Achtung zum Ausdruck bringende) Sprache würde sich quasi erzieherisch auf das Denken auswirken. Sprache verändert das Denken –- sowohl zum Besseren als auch zum Schlimmeren, habe auch ich einst geglaubt, bin davon aber durchaus nicht mehr rundum überzeugt. So wünschte ich mir, als ich ein kleines Mädchen war, ein Negerbaby (als Puppe), bis mir der Wunsch endlich erfüllt wurde. Nicht für den Hauch einer Sekunde verband sich mit dem Wort Neger etwas Herabwürdigendes in meinem kindlichen Sinn. Wie auch? Es wurde bei uns zu Hause nie herabwürdigend über Menschen von anderer Hautfarbe gesprochen, und als ich die Puppe hatte, liebte ich sie ebenso innig wie meine anderen Puppen. Wer dagegen verfolgt hat, wie aus „schwer erziehbaren“ Kindern „verhaltensgestörte“ wurden, bis man auch „gestört“ als störend empfand und dazu überging, von „verhaltensauffälligen“ Kindern zu sprechen und schließlich –- weil ja auch Auffälligkeit ausgrenzt –- von „verhaltensoriginell“, der muss schon ein außerordentlich gefestigter Charakter sein, um nicht laut zu lachen und den Eindruck von Lächerlichkeit dann genau auf jene Gruppe zu übertragen, die man nicht durch unbedachte Worte stigmatisieren wollte.

Eher als dass eine bereinigte Sprache uns zu besseren Menschen macht, gilt wohl die Devise des englischen Hosenbandordens: Honni soit qui mal y pense (Schämen soll sich, wer Schlechtes dabei denkt).

Für das „Titelbild“ meinen sehr herzlichen Dank an Spill, langjährigen treuen Leser und Kommentator dieses Blogs.

Man hat sich in den vergangenen Jahren viel Mühe gegeben, den Karneval ins preußische Berlin zu holen, aber ein bisschen Karneval war sowieso schon immer da – jedenfalls ging schon ich als Kind mit meiner Großmutter hier zum rosenmontäglichen Karnevalsumzug, und viel mehr Karneval wird es wohl nie werden. Wer aus dem Rheinland zugezogen ist und den Karneval als Bestandteil seines Lebensgefühls betrachtet, ist sicher gut beraten, zu dieser Zeit in die alte Heimat zu reisen.

Daran, dass heute Weiberfastnacht ist, musste das Radio mich erinnern. Dabei gab es in meinem Leben sehr wohl eine Zeit, in der ich die Rheinländerinnen genau um diesen Tag beneidete. Männern die Krawatte abschneiden! Inzwischen sieht man Krawattenträger so selten auf der Straße, dass selbst in Berlin ein Krawattenträger am heutigen Tag Gefahr liefe, dass sich mehrere zugereiste Kölnerinnen und Düsseldorferinnen gleichzeitig auf ihn stürzten, und ernste Verletzungen wären nicht auszuschließen.

Mein persönliches Karnevalsvergnügen wird darin bestehen, dass ich mir am Rosenmontag einen Pfannkuchen (Berliner!) kaufen und genüsslich verzehren werde. Doch auch als Karnevalsmuffel wünsche ich allen Rheinländern und ganz besonders Freund Videbitis vergnügliche Tage (auch in Berlin).

Da nach dem Karneval die Fastenzeit beginnt, hier noch ein Gedicht, dass zum Genuss einer Fastenspeise anregen soll. Und dabei mache ich wirklich gerne mit.

Abschiedworte an Pellka
von Joachim Ringelnatz

Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,
Du Gipfel meines Entzückens
Mit der Gabel! – – Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Musst nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?

Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein so rührend junges Blut. –
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, dass du eine Edelknolle
Warst und dass dich ein Kenner verschlingt.

Abgetippselt aus:
Joachim Ringelnatz
Ich bin so knallvergnügt erwacht. Die besten Gedichte
marixverlag, Wiesbaden 2013
ISBN: 978-3-86539-274-9

Brautpaare für Hochzeitstorten

In der Confiserie Reichert in der Steglitzer Schloßstraße kann man Hochzeitstorten bestellen, besser gesagt, DIE HOCHZEITSTORTE denn meistens benötigt man ja nur eine – für den einen,– jedenfalls zum Zeitpunkt der Hochzeitstortenbestellung als einmalig vorgesehenen –Anlass. Man kann dort aber auch einfach nur frühstücken und dabei die Zeitung lesen oder nach einem Einkaufsbummel in einen Sessel sinken, sich mit Kaffee und Torte stärken und, wieder zu Kräften gekommen, die freundliche Bedienung fragen, ob man die ausgestellten Hochzeitstortenbrautpaare fotografieren dürfe.

„Gemüseeintopf“ stand auf der Menü-Tafel.
Gemüseeintopf habe ich bestellt.
Und was habe ich bekommen?

Teller mit Gemüseeintopf und "Dekoration" aus Balsamico Creme

Ein signiertes „Küchenwerk“!

Ich hoffe, dieses Herumgeschmaddere mit Balsamico Creme kommt bald wieder aus der Mode.

Klappe

Es soll doch niemand glauben, ich hätte es aufgegeben, nachdem die Birnentorte, die ich nach Jena mitgenommen hatte, nicht gerade zu meinen erfolgreicheren Versuchen gezählt hatte.

Diese hier wurde heute gelobt… und dies, bitte schön, von unserer Vizepräsidentin persönlich, die meinte, ich könnte das Experimentieren einstellen und dabei bleiben.
Nur hat sie leider so wenig gemein mit der Torte, die ich anstrebe, weshalb sie auch den Spezialnamen Birnentorte „Helene“ bekommen hat. Kein Landkuchenteig, sondern Schokoladentortenteig.

Birnentorte

Naja, so als Alternative…

Nachtrag:

Ich könnte sie natürlich auch Birnentorte „Obama“ nennen. Oder wäre das politisch nicht korrekt?

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