Ausstellungen


Ausstellung "modellSCHAU", Botanisches Museum, Berlin

Früher hielt der Professor eine Vorlesung, heute gleicht, was immer noch „Vorlesung“ heißt –- besonders in den Naturwissenschaften –- eher einer Multimediashow, doch trotz der phantastischen Möglichkeiten, selbst mit bloßem Auge nicht erkennbare Dinge für ein großes Auditorium sichtbar zu machen, lernen die Studenten genauso langsam und mühevoll wie in der bildlosen Zeit. Die Bilder rauschen vorüber und hinterlassen bestenfalls einen flüchtigen Eindruck im Kurzzeitgedächtnis. Offenbar bedarf es des im wahrsten Sinne des Wortes Begreifbaren, um auch im übertragenen Sinne zu begreifen. Unser Auge gibt uns ein dreidimensionales Bild von unserer Umwelt, weil unser Gehirn nach der dritten Dimension verlangt. Und so werden noch heute botanische Modelle gebaut, nicht nur um die Vitrinen in den einschlägigen Museen und in den Fluren der Lehranstalten zu schmücken, sondern weil sie tatsächlich im Unterricht Anwendung finden.

Eine große und wirklich beeindruckende Vielfalt solcher Modelle zeigt sie derzeitige Ausstellung „“modellSCHAU““ im Botanischen Museum in Berlin, und bei einem Rundgang wird einem schnell klar: Auch das Künstliche kann Kunst sein, auch die liebevolle, bis ins kleinste Detail die Realität wiedergebende Nachbildung der Natur ist Kunstwerk. Es ist –- möchte ich sagen – eine sich unterordnende und gerade deshalb hoch zu schätzende Kunst, eine Hommage an all das, was die Kunst aller schöpferischen Künstler noch übertrifft. Nur die Fülle an Pflanzen und Früchten, deren wir uns erfreuen, bietet den Grund, warum nicht z.B. für einen Apfel zweistellige Millionenbeträge auf einer Auktion erzielt werden, oder für einen Tannenzapfen, ein Ahornblatt, …

Hier einige Eindrücke von der Ausstellung:

Keramische Duftobjekte von Bärbel Rothhaar

Um die Duftwahrnehmung der Honigbienen verständlicher zu machen, entwickelte Bärbel Rothhaar keramische Duft-Objekte, die an verschiedene Formen von Pollen erinnern. Die Düfte sind aber nicht nur für Bienen attraktiv, sondern waren auch etwas für meine Nase. Beugt man sich über die kleinen Öffnungen in den Keramiken, nimmt man die verschiedenen Düfte ganz intensiv wahr. Um die Schnuppertour nochmals von vorne zu beginnen, hätte ich – wie in guten Parfümerien üblich – meine Nase erst einmal in Döschen voller frischgerösteter Kaffeebohnen stecken müssen. Kaffeebohnen gibt es zwar auch in der Ausstellung, aber leider nur hinter Glas und ohne Geruchsprobe.

Vitrine mit Arbeiten von Karl Blossfeldt

Kaum eine Name verbindet die Begriffe „Kunst“ und „Pflanze“ wie der des Fotografen und Bildhauers Karl Blossfeldt (1865-1932). Die ihm gewidmete Vitrine enthält verschiedene Bronzen sowie Stängel der schlitzblättrigen Karde mit getrockneten Blättern in einem Aufstellkasten (wie von Blossfeldt fotografiert). Das Bild im Hintergrund zeigt Studenten in einem Blossfeldt-Seminar.

Pflanzenmodelle kannten schon die alten Ägypter.

Altägyptische Pflanzenmodelle Altägyptische Pflanzenmodelle

Altägyptischer Blumenkragen

Sehr schön ist auch die Rekonstruktion eines Blumenkragens, den ein Würdenträger bei den Begräbnisfeierlichkeiten des Pharaos Tutenchamun getragen hat. Er bestand aus Beeren der Whitania somnifera (Schlafbeere), Fayenceperlen, Blättern und Blütenständen des Sellerie Apium graveolens, Olivenbaumblättern Olea europaee und Blättern des Mimosops laurifolia.

Wachsmodelle von Äpfeln und Birnen

Außer den Wachsmodellen verschiedener Apfel- und Birnensorten hier im Bild, werden auch Modelle von Obst und Gemüse gezeigt, die wir als botanisches Modell eher nicht wahrnehmen, weil sie z.B. zur Dekoration in Schaufenstern dienen oder in der Lebensmittelwerbung Verwendung finden.

Vitrine mit Tabakblättern und Tabakerzeugnissen

Gleich neben den oben erwähnten Kaffeebohnen gibt es auch einen „Raucherecke“.

Große Vitrine mit Pilzmodellen

Von den Pilzen würde meine Freundin Villa vermutlich jeden sofort erkennen. Aber auch unser aller täglicher Umgang mit Pilzen wird hier thematisiert.

Tafel: "Wie kommen Pilze in die Waschmaschine?"

Modell eines Flusskrebses

An den Begründer der Zeitschrift Nature, den Zoologen Thomas Henry Huxley (1825-1895) erinnert die Vitrine mit dem Modell eines Flusskrebses und Huxleys 1880 darüber veröffentlichtem Werk, das zu seinen bekanntesten gehört.

Vitrine mit großen und kleinen Pflanzenmodellen

Schaukästen mit kleinen Pflanzenmodellen Click macht groß.

Für die Blütezeit des Modellbaus steht diese Vitrine. Die kleinen Modelle in den Kästen unten entsprechen der Originalgröße und sind in ihrer Zierlichkeit regelrechte Pretiosen.

Beispiele für die klassischen Methoden der Modellherstellung

Dieses seltsam anmutende Ensemble repräsentiert die klassischen Methoden der Modellherstellung: Abguss und Moulage. Im Hintergrund sieht man Skelett und Halbdermoplastik vom Igel (aus der Zoolog. Lehrsammlung, Institut für Biologie, Humboldt-Universität, Berlin); links den Gipsabguss eines Schimpansenkopfes (Totenmaske) aus der Sammlung Karl Blossfeldt, Berlin; in der Mitte, unter der Glasglocke den Bleiausguss des Innenohres eines Seehundes (Zoolog. Lehrsammlung, Institut für Biologie, Humboldt-Universität, Berlin); davor das Blatt des Ackerkrauts (Odermennig Agrimonia eupatoria) als Bronzeabguss von der natürlichen Pflanze (Giovanni Nisini für Moritz Meurer 1891-1892, Sammlung Karl Blossfeldt, Berlin); und ganz rechts ein Blatt des Amberbaums (Herbarbeleg und Flusswachs in Aufstellrahmen aus kaschierter Pappe hinter Glas, ringsum verschlossen mit Gewebeband), vor 1911, aus der Sammlung Karl Blossfeldt, Berlin).

Botanisiertrommel

Dass eine Botanisiertrommel (diese stammt aus der Zeit um 1900) kein Musikinstrument war, kann man den Kindern bei der Gelegenheit auch mal erklären. Und apropos Kinder …

Raum für Modellbaukurse (hier Origami)

Stündlich werden Modellbaukurse für die Kleinen mit Legosteinen angeboten, und in Eigenregie können nach Vorlagen Modelle aus Origamipapier gefaltet werden. Doch wie das Foto zeigt: Da faltete niemand. Auch hielt ich mich in den meisten Ausstellungsräumen alleine auf. Gut, es war Mittwoch, es war später Vormittag, eine Zeit, zu der anständige Menschen ihrem Broterwerb nachgehen, lernen, die Fensterputzen, das Auto durch die Waschstraße fahren, … Und ich liebe es, durch ein menschenleeres Museum zu schlendern. Aber ein paar mehr Bummelanten hätten es auch an einem Mittwochmittag sein dürfen. Also, hin da!!! Der Eintritt kostet nur 2,50, und man genießt es länger als einen Cappuccino. Und für diejenigen, denen das alles zu didaktisch ist: Da gibt es sogar einen 3D-Scan des Schädels von Eisbär Knut!

Sogar Einrichtungsideen kann man sich holen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich Rollbilder mag? Und was spricht eigentlich dagegen, die Wanddekoration für seine Wohnung aus einem Lehrmittelverlag zu beziehen?

Lehrmittel: Rollbild "Erbse"

Ausstellung: modellSCHAU
22.05.2015 bis 28.02.2016
täglich 10:00-18:00 Uhr
Botanisches Museum Berlin
Königin-Luise-Straße 6-8
14195 Berlin-Steglitz
Bus X83

Advertisements

Werner Henkel: Paare, 2011
Werner Henkel
Paare, 2011
Pestwurz geschnitten auf Karton

Im Botanischen Museum, das in diesem Jahr mit seiner großen Ausstellung „modellSCHAU“ aufwartet (Bericht folgt), ist im obersten Stockwerk noch bis zum kommenden Sonntag, 7. Juni eine kleine aber feine Kunstausstellung zu besichtigen, in der Arbeiten von Anja Schindler, Bärbel Rothhaar und Werner Henkel gezeigt werden.

Rauminstallation von Anja Schindler
Rauminstallation von Anja Schindler

Und während es bei Anja Schindler kein einzelnes Objekt war, das mir besonders gefiel, sondern der gesamte Raum als Installation, das leuchtend helle Blau, das mich spontan an einen Besuch in Sidi Bou Said erinnerte, und zugleich die häusliche Geborgenheit, die gut gefüllte Regale mit „Eingemachtem“ vermitteln, habe ich am längsten doch vor Werner Henkels Zyklus „Paare“ gestanden, und mich gefragt: Warum gerade Pestwurz? Aber während ich mir die an Scherenschnitte erinnernden Arbeiten ansah, war das plötzlich egal, und entscheidend waren meine eigenen Erinnerungen an die Fragilität zwischen Buchseiten getrockneter Blätter und die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen.

Für Werner Henkel, 1956 in Hamburg geboren und seit 1984 als freischaffender Künstler tätig, steht die „Auseinandersetzung mit ästhetischen Phänomenen in der Natur“ im Zentrum seines Werkes. Es geht ihm um „das Beziehungsgefüge, das Stoffwechselfeld Mensch-Natur“. Zum Ausdruck kommen sollen die „Schönheit und Vergänglichkeit der Natur, sowie die Verletzlichkeit der Mensch-Natur-Beziehung“.

Wer sich mit meinen unscharfen, in der Ausstellung geknipsten Bildern nicht zufriedengeben möchte, sollte sich auf den Webseiten der Künstler (Links oben im Text) bessere Abbildungen anschauen. Wunderbar heiter ist auch das Homo Portans-Video über eine Performance von Anja Schindler in Dresden. Ebenso wie die jetzige Ausstellung im Botanischen Museum, zeigt dies die gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Kunst und Wissenschaft (auch eine Paarung), die durchaus im Trend liegt und – hinsichtlich eines umfassenderen Weltbildes – zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.

Modell einer Schwertlilie
Modell einer Blüte der Schwertlilie Iris germanica,
3:1 Papiermaché und Holzfuss, Osterloh Nr. 127, 1. Hälfte 19. Jahrhundert
© C. Radke, Museum für Naturkunde Berlin

Das Botanischen Museum Berlin ist sozusagen Bestandteil des Botanischen Gartens, weshalb man eine Eintrittskarte für beides in Kombination erwerben kann (6 €, ermäßigt 3 €), die für das Museum auch an einem anderen Tag noch gilt, wenn nach einem ausgiebigen Spaziergang und Besuch der großen Gewächshäuser die Besichtigungskräfte erschöpft sind. Ich erwähne das schon deshalb, weil dies üblicherweise auf mich zutrifft. Leider trifft auch zu, dass ich viel zu selten mit der angebrauchten Karte zurückkehre, um dem Museum einen Besuch abzustatten – und das, obwohl ich jedes Mal, wenn ich es tue, denke: Ich sollte öfter herkommen. Es hat etwas – wie soll ich sagen? – Kontemplatives und zugleich Bezauberndes. Vielleicht liegt es am Größenverhältnis, das man meint mit den Augen eines Kindes zu schauen. Alice im Wunderland, die sich an den Naturkundeunterricht ihrer Grundschulzeit erinnert.

Sei es, wie es sei – ich gehe zu selten hin und andere Leute offenbar auch, denn ich kenne das Botanische Museum nur menschenleer – oder doch fast menschenleer. Und ich gebe zu, dass mir das gefällt. Ich verstehe aber auch, dass es der Museumsleitung nicht gefallen kann.

Nachdem vor einigen Jahren beunruhigende Meldungen durch die Presse gingen, denen zufolge die Freie Universität nach einer Mittelkürzung durch den Berliner Senat mit der Schließung des Botanischen Gartens und des Museums drohte, hat man sich inzwischen einen Ruck gegeben oder auch mehre Rucke. Das große Palmenhaus wurde aufwändig renoviert. Die Dahlemer Winternächte finden jetzt mit Live-Musik statt, was (wieder zu meinem Missvergnügen) die Besucherzahlen gewaltig in die Höhe getrieben hat, für den Garten ist eine Neuordnung bzw. bessere Ausschilderung der Wege geplant, und demnächst wird das Botanische Museum für ein dreiviertel Jahr mit der Ausstellung „modellSCHAU“ aufwarten, die vom 22. Mai 2015 bis zum 28. Februar 2016 gezeigt wird. Dazu wird die Berliner Sammlung von Pflanzenmodellen um viele Kostbarkeiten ergänzt.

Die Exponate spannen den Bogen von altägyptischen Pflanzenmodellen bis hin zu zeitgenössischen „Computerpflanzen“. Die Ende des 18. Jahrhunderts populären Obstmodellserien aus Wachs oder Porzellanmasse fehlen ebenso wenig wie die kostbaren Glasmodelle von Leopold und Rudolf Blaschka oder eine exquisite Auswahl der im frühen 20. Jahrhundert sehr populären, zerlegbaren Blütenmodelle der Hersteller Osterloh, Meusel oder Brendel. Zu den Höhepunkten gehören auch Bronzemodelle von Pflanzen, die Karl Blossfeldt und Moritz Meurer um 1890 für den Reformunterricht an Kunstgewerbeschulen herstellten. Die Ausstellung beschäftigt sich jedoch nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der digitalen Zukunft von botanischen Modellen. So können Besucherinnen und Besucher mit Hilfe einer speziellen 3D-Brille in einem virtuellen Arboretum den größten Bäumen der Welt begegnen oder digitale Blüten als Videokunstinstallation erleben.

Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft

Mal sehen, wie sich das auf meine Besuchsfrequenz des Museums auswirken wird. Es folgt ein weiterer Bericht nach Inaugenscheinnahme der Ausstellung.

Mein Urenkel Anton (10 Monate alt) hatte kürzlich hohes Fieber, und als ich mit meiner Enkeltochter telefonierte, erzählte sie, dass sie für Antons Bruder Paul (knapp drei Jahre alt) das Buch „Hast du Fieber, kleiner Biber?“ gekauft hat, denn Paul hat immer sehr interessiert zugeschaut, wenn bei Anton Fieber gemessen wurde, und in diesem Buch kann er selbst bei allen möglichen Tieren Fieber messen, es gehört nämlich ein Thermometer dazu, mit dem man feststellen kann, ob ein Tier wirklich krank ist, oder nur vom Herumtoben erhitzt, oder ob es schwitzt, weil es zu warm angezogen ist. Tolle Sache! Paul hat auch Bücher die Geräusche machen, z.B. eines mit den Stimmen der Tiere auf einem Bauernhof, und eines mit den Geräuschen von Fahrzeugen und Flugzeugen, und, und, und … Es ist schon beeindruckend, was Bücher heute alles können. Jedes Mal, wenn ich in eine Buchhandlung gehe, verbringe ich einige Zeit mit dem Bewundern dieser raffinierten Kinderbücher, und das eine oder andere habe ich auch schon gekauft, denn lange war ich durchaus davon überzeugt, dass sie dazu geeignet sind, kleine Kinder frühzeitig an ein Leben mit Büchern zu gewöhnen. Doch dann kam der 25. April – ein Samstag, an dem in Amsterdam bei der Jahresveranstaltung zur Ausstellung des 58. World Press Photo Wettbewerbs neben den besten Pressefotos auch eine „klangvolle Innovation“ Premiere hatte.

Das Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz hat einen großformatigen Bildband zum World Press Photo Wettbewerb mit gedruckter Elektronik ausgestattet und für jedes Siegerfoto ein eigenes Klangumfeld geschaffen. Öffnet man dieses T-book – das „T“ steht für Ton – und blättert eine Seite um, dann beginnt diese Seite durch einen unsichtbar im Inneren des Blatt Papiers befindlichen Lautsprecher zu tönen. „Das T-book ist ein Meilenstein in der Entwicklung gedruckter Informationen“, meint Prof. Dr. Arved C. Hübler und ist sich sicher, dass das von seinem Team am Institut für Print- und Medientechnik entwickelte T-book die Tür zu vielen weiteren Entwicklungen öffnet: „Die Tablets der Zukunft werden auf Papier gedruckt, und das T-book gibt einen ersten Ausblick, was alles möglich sein wird.“

Man darf beeindruckt sein. Man darf sich aber auch seine eigenen Gedanken machen. Dass das Tablet der Zukunft auf Papier gedruckt sein wird, halte ich für wenig wünschenswert, denn man möchte seine vom Croissant leicht fettigen Fingerabdrücke, die beim Lesen der Online-Zeitung während des Frühstücks entstanden sind, ja vielleicht doch gerne mit einem feuchten Reinigungstuch abwischen können, oder? Lassen wir also die Zukunftsmusik, und bleiben wir bei den Tönen der Gegenwart. Beim Lesen der Pressemittelung fragte ich mich, wie ich mir dieses Klangumfeld vorzustellen habe. Schaut man sich die Preisträgerfotos 2015 an, möchte man vielleicht nicht zu allen die passende Geräuschkulisse hören. Außerdem: So wie beim Lesen das „Kopfkino“ seinen Betrieb aufnimmt, geschieht es beim Betrachten von Bildern mit dem „Kopfradio“. Jedenfalls mir geht es so. Verfilmte Literatur enttäuscht uns deshalb so oft, weil die Verfilmung mit unserem „Kopfkino“ nicht übereinstimmt. Ebenso wenig möchte ich, dass fremde Töne mein „Kopfradio“ stören. Eine Vorstellung davon, wie das Buch aussieht und wie es sich anhört, gibt das Video.

Soll die Ausstattung von Büchern mit Technik zum Überleben der Bücher in der Mediengesellschaft beitragen? Als immer deutlicher wurde, dass Bücher gegen das E-Book einen schweren Stand haben würden, dachte ich, dass die Verlage dies als Chance begreifen müssen: weg vom billigen Paperback, hin zur liebevoll gestalteten, bibliophilen Ausgabe. An eine Aufholjagd durch die Technisierung von Büchern dachte ich nie, denn dieses Rennen können die Bücher nur verlieren. Eine Fußnote ist auch dann kein Link, wenn sie eine Webadresse enthält. Eine „CD zum Buch“ ist eine „Beigabe“, die – hat man sich einmal die Mühe gemacht, den Computer hochzufahren und die CD einzulegen – das Buch vielleicht in Vergessenheit geraten lässt. Bücher – ob es sich um Belletristik oder Sachbücher handelt – fordern unsere Konzentration ein, während Multimedia uns zerstreuen. Es ist Ignoranz, den Zusammenhang zwischen der abnehmenden Fähigkeit von Schülern, sich auf etwas zu konzentrieren, und dem zunehmenden Umgang mit modernen Medien nicht zu sehen. Ich bin davon überzeugt: Bücher (ganz normale Bücher) sind unverzichtbar, wenn wir, die Bildung weiter Teile der Bevölkerung betreffend, nicht auf ein Niveau vor Erfindung des Buchdrucks sinken wollen. Es könnte dann z.B. passieren, dass nur noch einer Minderheit der „Fehler“ im Titel dieses Eintrags auffällt.

Sind Bilderbücher, die „mehr können“ ein Schritt in die falsche Richtung? Als meine Enkeltochter mir von dem kleinen Biber mit Fieber erzählte, meldete ich meine Bedenken an, ob es wirklich richtig ist, kleinen Kindern Bücher zu schenken, die „etwas Besonders können“. Werden „normale“ Bilder- und Kinderbücher dadurch nicht als langweilig empfunden, und die Hoffnung, das Kind werde früh Interesse an Büchern und damit auch am Lesen entwickeln, erfüllt sich eher nicht? Meine Enkeltochter beruhigte mich. Pauls Lieblingsbücher sind solche, wie sie seinem Alter von jeher angemessen waren, Bücher mit einer Kombination aus Text und Bildern. Er schaut die Bilder an, und Mama oder Papa sollen vorlesen – wieder und wieder. Dann ist es ja gut, denn Mama und Papa lesen wieder und wieder vor – ohne dass es langweilig wird. Vom Fiebermessen lässt sich das auf Dauer nicht behaupten.

Vom 5. Bis zum 28. Juni wird die World Press Photo im Willy-Brandt-Haus in Berlin ausgestellt, und, wie immer, werde ich mir die Ausstellung ansehen. Mit Interesse werde ich auf dem Büchertisch auch nach dem T-buch aus Chemnitz schauen. Auch ich bin empfänglich für die Faszination des technisch Machbaren. Kaufen werde ich das Buch aber wohl nicht.

Quelle: Pressemitteilung

201003211442

Frida Kahlo
Selbstbildnis mit Dornenhalsband, 1940
Nickolas Muray Collection, Harry Ransom Center,
The University of Texas at Austin

Vom 30. April bis zum 9 August wird im Berliner Martin-Gropius-Bau eine Retrospektive der mexikanischen Malerin Frida Kahlo gezeigt.

Mehr zur Ausstellung erfährt man hier. Leider funktioniert die auf der Seite angebotene Fotostrecke (zumindest bei mir) nicht, und ich hoffe, daran ändert sich demnächst etwas.

Zur Künsterin hatte ich etwas in der Vorstellung von Dieter Wunderlichs Buch „EigenSinnige Frauen“ geschrieben.

Mit einem besonders lieben Gruße an Villa:
Da wird sich von Mai bis August doch vielleicht ein Terminchen finden?