abc etüden


Ich folge Christianes Schreibeinladung. Wortspenderin der Textwoche 16.18 ist diesmal Anna-Lena, und die Wörter, die in maximal zehn Sätzen untergebracht werden müssen, lauten: Milchmädchenrechnung, dingfest, untertreiben. Ein Klick auf die von Ludwig Zeidler beigesteuerte Graphik führt zur Einladung.

50 FARBEN GRAU – theoriegrau

„Übrigens habe ich gestern den Verkauf meines alten Wagens bei Auto-Meyer für glatte fünftausend dingfest gemacht“, sagte Ines, während sie Honig auf eine gebutterte Brötchenhälfte träufelte.
„Einen Verkauf kann man nicht dingfest machen, sondern nur Menschen“, entgegnete Rüdiger, ohne von seiner Zeitung aufzublicken.
„Wieso kann man einen Verkauf nicht dingfest machen, sondern nur den Käufer?“ fragte sie irritiert.
„Auch einen Käufer kann man nur dingfest machen, wenn er eine Straftat begangen hat, denn ‚dingfest machen‘ bedeutet ‚verhaften‘ – im Gegensatz zu ‚dingflüchtig‘, einem heute nicht mehr gebräuchlichen Ausdruck, wenn jemand sich der Gerichtsbarkeit entzogen hat, und das Ganze geht auf den alten Begriff ‚Thing‘ zurück – eine Gerichtsversammlung freier Männer nach germanischem Recht.“
Ines runzelte die Stirn und dachte, dies wäre nun wieder ganz typisch, dass Rüdiger sich nicht die Bohne für ihren Autoverkauf interessierte und mit Wortklaubereien vom Thema ablenkte, dann aber zeigte sich, dass ihrem Mann der eigentliche Sinn ihrer Ankündigung doch nicht entgangen war, denn er setzte hinzu: „Fahr mal schön vorsichtig, bis Dein Autoverkauf über die Hebebühne gegangen ist, denn sonst sind Deine ‚dingfesten‘ Fünftausend eine Milchmädchenrechnung.“
„Keine Sorge, mein Schatz, ich fahre mit dem Bus, und mein Auto habe ich in die Garage gestellt. Es macht Dir hoffentlich nichts aus, dass ich Deinen Wagen zu dem Zweck umgeparkt habe und er jetzt hundertfünfzig Meter weiter die Kometenstraße runter steht.“

Am Abend desselben Tages vermeldeten die 20-Uhr-Nachrichten, dass ein größerer Metallkörper, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein nicht verglühtes Fragment einer ehemaligen chinesichen Raumstation handelte, ein Garagendach in der Kometenstraße durchschlagen und das dort abgestellte Auto beschädigt hatte, Personen aber nicht zu Schaden gekommen wären. – Was den Zustand des Autos in der Garage betraf, hatten die Nachrichten ausnahmsweise untertrieben.

 

 

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Ich folge Christianes Schreibeinladung. Wortspenderin der Textwoche 16.18 ist diesmal Christiane selbst (Irgendwas ist immer), und die Wörter, die in maximal zehn Sätzen untergebracht werden müssen, lauten: Notenblatt, schwanger, trainieren. Ein Klick auf die von Ludwig Zeidler beigesteuerte Graphik führt zur Einladung.

50 FARBEN GRAU – taubengrau

Marcel schleppte die beiden vollen Einkaufskörbe die letzte Treppenflucht zum ausgebauten Dachgeschoss des hundertjährigen Mietshauses hinauf. Hier oben übertönte das Gurren der Tauben unter der Traufe das Knarren der Stufen. Zwischen den Wasserflaschen steckte der zusammengeknüllte Einkaufszettel. Er würde Marie bitten, dafür künftig kein Notenblatt zu benutzen. Es gab noch einiges mehr, worum er sie bitten wollte, aber als er das einzige Zimmer betrat, aus dem die Wohnung bestand – sah man einmal von der kleinen Küche und dem winzigen Bad ab, verschlug es ihm erst einmal die Sprache. Marie hatte sich seine Weihnachsmannwampe aus Studentenjobzeiten umgeschnallt und spazierte im Zimmer auf und ab – etwas breitbeinig, eine Hand ins Hohlkreuz gestützt.
„Was treibst du da?“ fragte Marcel und dachte: Bitte nicht, und wenn überhaupt je, dann nicht schon jetzt.
„Ich trainiere, schwanger zu sein“, antwortete Marie unbekümmert. Dann bemerkte sie seinen bestürzten Gesichtsausdruck, flog ihm an den Hals, dass er die Einkaufskörbe gerade noch abstellen konnte, bevor es Scherben gab, und quetschte die Weihnachtsmannwampe an seinem Bauch platt, während sie ihm einen Kuss aufdrückte.
„Blödmann, ich hab‘ die Zusage für die Komparsenrolle bekommen – als schwangere Nachbarin in der Fernsehserie.“

KOMME WAS WOLLE – Eine Geschichte mit unvorhersehbarem Ende

Die Eindringlinge erstarrten – die drei Männer mit hochgezogenen Schultern, als könnten sie sich dadurch klein oder besser noch unsichtbar machen, Melli mit lauschend zurückgewandtem Gesicht.
„Tut mir leid, ist jemand über den Karton mit den leeren Kunstschnee-Sprühdosen gestolpert?“ ließ sich Helena Krügleins Stimme vernehmen, doch kein Geräusch kündigte an, dass sie im Begriff war, selbst nach dem Rechten zu sehen.
Mit einem schnellen Blick zu den Männern wies Melli überdeutlich auf einen Karton, der zwei Schritte von der Haustür entfernt an der Wand stand und eine beachtliche Menge großer Spraydosen enthielt, von denen einige umgekippt waren, wohl weil der Karton bereits früher angerempelt worden war, und gleichzeitig rief sie in Richtung der offenen Zimmertür: „Es ist nichts passiert!“ und wedelte ihre Begleiter eilig nach draußen.

Nachdem sie das Grundstück verlassen und die beiden Autos erreicht hatten, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite jetzt hintereinander parkten, getrauten sie sich endlich, miteinander zu sprechen.
„Wie kommst DU eigentlich hierher?“ fragte Sven Melli dummdreist, doch sie wurde einer Antwort enthoben, weil sich im selben Moment ein denkwürdiger Dialog entspann.
„Sag mal, wer hortet denn 20 leere Schneespray-Dosen, und was sollten wir da eigentlich klauen – Porzellan ohne Porzellankiste?“ fragte der lange Lupo.
„Die Frau wollte eben garantiert weiße Weihnachten im ganzen Garten“, sagte Mecki und fügte aufgeregt hinzu: „aber viel wichtiger ist doch Svens Idee, denn das können wir doch wirklich machen, das mit dem Wachdienst, weil, die Konzession kriegt man leicht, das weiß ich, und wir sind ja nicht vorbestraft, und man kann damit richtig Kohle verdienen.“
„Was du nicht alles weißt!“ zischte Sven ihn an, zuckte aber gleich darauf zusammen, weil Melli allen dreien mit der flachen Hand – patsch, patsch, patsch – auf die Stirn klatschte.
„Was soll das hier sein, Frühlingserwachen?“ fauchte sie, und schon saß sie hinter dem Lenkrad ihres Autos und hatte die Wagentür wütend zugeschlagen.

Die Fahrt nach Hause würde über eine Stunde dauern, und soviel Zeit brauchte sie auch, um sich zu überlegen, wie weitere Katastrophen dieser Art zu verhindern wären – durch Drohung mit dem Scheidungsanwalt, oder indem sie sich und ihr Organisationstalent in künftige Unternehmungen des Trios beziehungsweise Quartetts einbrachte.

ENDE

für die a.b.c. etüden – Textwoche 15.18 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Ohne die Wortspenden aller anderen Mitstreiter bei den a.b.c. etüden hinanstellen zu wollen (was sie definitiv nicht verdient hätten), war es mir doch eine kleine Extrafreude, ausgerechnet mit Ludwig Zeidlers Wortwahl den Abschluss für „KOMME WAS WOLLE“ gefunden zu haben, denn schließlich ist er der Autor aller Grafiken, die dieses Schreibprojekt begleiten. Wer meinen kleinen Fortsetzungsroman nicht verfolgt oder über die Wochen den Faden verloren hat, kann hier die ganze Geschichte lesen, ohne die einzelnen Beiträge aufsuchen zu müssen.

Demnächst geht es weiter – nicht mehr mit Fortsetzungen aber doch unter einer gemeinsamen Überschrift für die Text-Miniaturen: 50 FARBEN GRAU.

KOMME WAS WOLLE – Eine Geschichte mit unvorhersehbarem Ende

Was bisher geschah

Während sie überlegte, wie der Rückzug am schnellsten zu bewerkstelligen war, ohne sich noch verdächtiger zu machen als ohnehin schon, wanderte Mellis Blick durch den Raum, über Tische aus Mahagon mit Buchsbaumintarsien und mit Porzellan gefüllte Vitrinen.
„Dass sie hier unbedingt einen Wachschutz brauchen, finde ich auch“, sagte sie. um Zeit zu gewinnen, und dann blieb ihr Blick hängen, und als unterbräche sie ihre eigenen Gedanken rief sie aus: „Oh, ist das nicht ein Sederteller?“
Mit dieser Frage überraschte sie sowohl Sven, der einigermaßen irritiert zu sein schien, als auch Helena Krüglein. der weniges so sehr schmeichelte, als wenn jemand ernsthaftes Interesse an ihrer Sammlug zeigte und noch dazu etwas davon zu verstehen schien, doch schon im nächsten Moment wurde die Aufmerksamkeit der Hausherrin durch ihren Bruder abgelenkt.

Bereits im Begriff, sich wie aufgefordert aufs Sofa zu setzen, war er bei Svens Auftauchen dann doch stehengeblieben, und jetzt schien er gelangweilt mit der Fußspitze die mäandernden Ranken des Teppichmusters nachzuzeichnen, tatsächlich aber bemühte er sich, möglichst unauffällig – nur eben doch nicht unauffällig genug – eine auf dem Boden stehende Holzkiste mit dem Absatz hinter den Kaminschirm zu bugsieren.
Mit zwei schnellen Schritten war Helena bei ihm, schob ihn beisiete, bückte sich, fuhr mit den Fingern durch die in der Kiste enthaltene Holzwolle, und stieß die Kiste dann mit Schwung in den Kamin, bevor sie ein schnell entzündetes Streichholz in die Holzwolle fallen ließ und sagte: „Mit so einem Feuerchen haben wir es doch gleich viel gemütlicher.“

Dann wandte sie sich wieder an Melli. „Ja, der Sederteller, ein außergewöhnlich schönes Stück, das ich bei Sotheby’s in London ersteigert habe“, sagte sie, und Melli hatte den Eindruck, dass diese Erklärung ihr wichtig war.
„Wir sind aber nicht hier, um uns mit Frau Krüglein über ihre Sammlung zu unterhalten, Frau Schmitt“, mischte sich nun wieder Sven ein und fuhr fort: „Da es sich hier offenbar um eine Familienangelengeheit handelt, sollten wir nicht länger stören, denn die Frage des Wachschutzes klären wir besser im Laufe der nächsten Tage und zu einer passenden Uhrzeit.“ Er packte Melli nicht unsanft aber entschlossen am Arm und nickte seinen beiden Begleitern zu, die im Dämmerlicht der Diele gewartet und noch kein Wort gesagt hatte.
Sie verstanden, und dem Rückzug der Gangster plus unfreiwilliger Gangsterbraut hätte nichts mehr im Wege gestanden, wäre Mecki mit der Tasche, welche er mitschleppte, nicht gegen die halboffene Haustür gestoßen, woraufhin ein metallisches Klirren deren Inhalt vermuten ließ: Werkzeug, um nicht zu sagen, Einbruchwerkzeug.

für die a.b.c. etüden – Textwoche 14.18 | Wortspende von faedenrisse.wordpress.com

KOMME WAS WOLLE – Eine Geschichte mit unvorhersehbarem Ende

Was bisher geschah

Der Mann, der noch immer die Tasse mit dem darauf gemalten Pfauenauge in der Hand hielt, und Melli, die sich halb umgedreht und einen Schritt zur Seite gemacht hatte, um sowohl ihn als auch die so plötzlich hinzugekommene Helena Krüglein im Blick zu haben, antworteten gleichzeitig, und obwohl man dadurch kaum ein Wort verstand, wurde doch klar, dass beide jegliche Zusammengehörigkeit vehement bestritten.
„Also, Kastor?“ insistierte Helena, was wohl hieß, dass sie zuerst ihn und eine Antwort zumindest auf den ersten Teil ihrer Frage hören wollte, aber Kastor, der jetzt blinzelte, weil Helena nach dem Lichtschalter gegriffen hatte, und über ihm ein zwölfarmiger Kronleuchter aufgeflammt war, entgegnete stattdessen: „Ob es sich hier um dein Haus handelt, darüber ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen.“
Melli bewies wieder einmal, dass sie manchmal erstaunlich schnell von Begriff war, und noch bevor die Hausherrin (oder vielleicht doch nicht Hausherrin) ihr die volle Aufmerksamkeit zuwenden konnte, erklärte sie: „Da ich nur hereingekommen bin, weil mir das Licht einer Taschenlampe hinter dem Fenster aufgefallen war, und dachte, dass hier eingebrochen wurde, und außerdem die Haustür offenstand, alles aber offenbar mehr oder weniger seine Ordnung hat, werde ich jetzt gehen, damit Sie sich nach Herzenslust weiter streiten oder versöhnen können.“ Sie machte einen Schritt auf Helena Krüglein zu, doch diese dachte offenbar nicht daran, ihr den Weg durch die Tür freizugeben.
„Du stellst jetzt mal bitte ganz behutsam meine Tasse ab und setzt dich brav dort aufs Sofa“, sagte sie zu dem Mann, den Melli inzwischen (übrigens zu recht) für Helenas Bruder hielt, „und Sie, meine Dame, setzten sich bitte dazu, denn mich würde schon interessieren, woher Sie die Courage nehmen, allein und unbewaffnet ein Haus zu betreten, von dem Sie annehmen, dass hier gerade ein Einbruch stattfindet.“
In diesem Augenblick ließ eine Männerstimme hinter Helena Krüglein die drei bereits im Zimmer versammelten Personen aufschrecken.
„Unsere Mitarbeiterin ist keineswegs allein, Frau Krüglein, und ob sie tatsächlich unbewaffnet ist, das lassen wir mal dahingestellt. Ich wollte meinen Freunden hier, die eine kleine aber sehr effektive Wachschutzfirma betreiben, Ihr Haus zeigen – eigentlich nur von außen, als Objekt, um dessen Bewachung man sich bewerben könnte, denn wie sinnvoll das wäre, das sehen Sie ja gerade selbst. – Ich bin übrigens der Mann, der die Solaranlage auf ihrem Dach montiert hat.“

Melli hielt den Stein, der ihr vom Herzen hatte fallen wollen, als sie Svens Stimme erkannte, noch mit zitternden Händen fest, denn plumpsen sollte er erst, wenn sie und Sven hier heraus waren, bevor die Krüglein auf die Idee kam, die Polizei zu rufen.

für die a.b.c. etüden – Textwoche 13.18 | Wortspende von gerdakazakou.com

KOMME WAS WOLLE – Eine Geschichte mit unvorhersehbarem Ende

Was bisher geschah

Helena Krüglein erwachte von einem Albdruck. Der Kater, der nur Kater hieß, weil er ihr eigentlich nicht gehörte, und der, als sie vor dem Zubettgehen das Fenster schließen wollte, vom Dach auf die Balkonbrüstung gesprungen war und Einlass begehrt hatte, um sich dann – ekstatisch schnurrend – am Fußende des Bettes zusammenzurollen, lag jetzt quer über ihrer Brust. Als Helena ihn wegschob, ließ er es geschehen, sprang vom Bett und auf den Sessel vor dem Frisiertische, und Helena setzte sich auf und atmete durch.

Was hatte sie geträumt? Sie hielt den Studenten im voll besetzten Hörsaal einen Vortrag über Frühjahrsmüdigkeit und deren Ursachen, und während sie sprach, waren alle – wirklich alle! – eingeschlafen. Einige schnarchten sogar. Und plötzlich waren da Stimmen vor der Tür, als dränge eine Menschenmenge die Treppe herauf und würde gleich hereinstürmen und sie hier mit all diesen schlafenden – von ihr eingeschläferten! – Studenten erwischen. Die Stimmen vernahm sie immer noch und glaubte zunächst, sie gehörten zu ihrer Traumerinnerung, dann wurde ihr klar, dass tatsächlich im Haus gesprochen wurde. Die männliche Stimme kannte sie. Aber was machte, der hier mitten in der Nacht, und wer war bei ihm?

Mit einem Gefühl der Empörung schwang Helena die Beine aus dem Bett, griff nach ihrem Morgenmantel, und während sie ihn überzog, lief sie schon die dunkle Treppe hinunter.
Die beiden Personen im Wohnzimmer zuckten zusammen, als sie die Tür aufstieß.
„Warum, zum Teufel schleichst du nachts mit einer Taschenlampe durch mein Haus, Kastor, und wer ist die Dame in deiner Begleitung?“ fragte sie streng.

für die a.b.c. etüden – Textwoche 12.18 | Wortspende von vrojongliert

KOMME WAS WOLLE – Eine Geschichte mit unvorhersehbarem Ende

Was bisher geschah

So ein Riesenrindvieh! War ihm nicht in den Sinn gekommen, dass man in einem Raum, dessen Fenster an der Gebäudefront lagen, nicht mit einer Taschenlampe herumschleichen konnte? Sollte jemand auf der Straße vorbei schlendern, weil er zum Beispiel vor dem Zubettgehen noch einmal seinen Hund Gassi führte, würde der tanzende und herumirrende, Heimlichkeit verratende Lichtschein Verdacht erregen, während ein normal erleuchtetes Fenster eben etwas ganz Normales war.

Mit angehaltenem Atem tippte Melli den Code in das Tastenfeld neben der Haustür und hoffte, dass es überhaupt der Code war, und dass die Tür sich lautlos oder zumindest leise öffnete. Sekundenlang passierte scheinbar nichts, so dass sie schon glaubte, den Zettel falsch interpretiert zu haben, oder der Zettel und die Adresse hatten nichts miteinander zu tun, und die Tür bliebe geschlossen wie versiegelt, und die Eingabe des falschen Codes löste womöglich auf einem nahen Polizeirevier oder bei einem Sicherheitsdienst einen Alarm aus, und sie sollte besser machen, dass sie hier wegkam.
Dann aber dachte sie wieder an das Taschenlampenlicht, und als im selben Moment ein leises Schnappgeräusch verkündete, dass die Tür sich geöffnet hatte, fürchtete Melli schon, dass es Sven wäre, der gleich mit einem Sack voller Diebesgut vor ihr stünde.
Zu spät, zu spät, zu spät …, ihn vor dieser Riesendummheit zu bewahren.
Aber es war tatsächlich nur das Schloss, dass sich automatisch entriegelt hatte, und nachdem sie die Haustür weit genug aufgedrückt hatte, um hindurch zu schlüpfen, tat sie es auf Zehenspitzen, gewahrte auch sogleich eine nur angelehnte Zimmertür, hinter welcher ein schwacher Lichtschimmer erkennbar war, und öffnete diese Tür ebenso leise.

Die dunkle Gestalt, die Melli den Rücken zuwandte war kaum zu erkennen, dafür aber umso deutlicher ein kunstvoll auf eine Tasse gemaltes Pfauenauge, auf welches der Strahl der Taschenlampe sich aus nächste Nähe richtete, doch für Bewunderung war dies nicht der richtige Moment.
„Du bist ein solcher Hornochse!“ zischte Melli, was natürlich zur Folge hatte, dass die Gestalt herumfuhr, dabei die Tasse beinahe hätte fallen lassen, und Melli schwankte für den Bruchteil einer Sekunde zwischen Erleichterung und heftigem Erschrecken, als ihr klar wurde, dass es nicht Sven war.

Für die a.b.c.etüden 08.18 – 3wort spende by fundevogelnest.wordpress.com

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