Hat der alte Knabe (Jahrgang 1931) doch tatsächlich noch einen Spionagethriller vorgelegt – gut, vielleicht diesmal etwas weniger „thrilling“, womöglich ein bisschen altersmilde (nicht was die politischen Ansichten betrifft, aber was den etwas barmherzigeren Umgang mit dem Schicksal seiner Protagonisten anbelangt) – aber keineswegs angestaubt, thematisch so auf der Höhe unserer Zeit wie nur möglich. Der schlechteste Präsident, den die USA jemals hatten, und die scheinbar geistig umnachtete britische Nation im freien Brexit-Fall bekommen ihr Fett weg.

Ich gestehe, das ich zu Beginn der Lektüre ein wenig zusammenzuckte. Ausgangssituation der Handlung ist eine Verabredung der einen Hauptfigur, von der man (da es sich um das erzählende „Ich“ handelt, schon weiß, dass sie eine Hauptfigur sein muss, und der (wie sich herausstellt) zweiten Hauptfigur zu einem Badminton-Match. Und das erinnerte mich spontan so sehr an den Auftakt – um nicht zu sagen, Aufschlag – in „Verräter wie wir“, dass mein innerer Leser lamentierte: Ach Herrje, dem le Carré fällt auch nichts Neues mehr ein! Mehr Parallelen gab es aber dann doch nicht. weder zum erwähnten noch zu einem anderen seiner Romane. 

Was für mich einen Spionageroman im Vergleich zum Krimi besonders spannend macht, ist, dass man bei Verbrechen immer weiß, dass sie böse und falsch sind, und meistens vom Autor für diese recht banale Erkenntnis damit belohnt wird, dass sich das jeweilige Verbrechen letztendlich auch nicht lohnt und geahndet wird. Beim Spionageroman ist die Gefühlsgemengelage etwas komplizierter. Da tut sich irgendwann die Frage auch, ob, unter welchen Umständen und bis zu welchem Punkt der Zweck die Mittel heiligt. – Was mich betrifft, folgt dann immer der Schluss, dass der Zweck, der jedes Mittel rechtfertigt, nicht existiert. Geradezu eine Katharsis!

John le Carré
Federball
Ullstein, Berlin 2019
ISBN 978-3-550-20054-0