Vielleicht kann man sich daran gewöhnen, überrascht zu sein, wenn man etwas dort findet, wo man es zu sehen gewohnt war, oder – anders herum – an einem bestimmten Ort das vorzufinden, was man dort erwartete, statt sich über die ständigen Veränderungen zu wundern oder gar zu ärgern. Ich werde dazu übergehen, mein Erstaunen für das Unveränderte aufzusparen.

Über lange Zeit hatte zum Beispiel die Buchhandlung im Bahnhof Friedrichstraße einen Tisch mit Remittenden aus dem Diogenes Verlag, auf dem ich manchen erfreulichen Fund machte. Dann war dieser Tisch plötzlich verschwunden, … dann gab es ihn wieder und ich erstand Balzacs Roman „Cousin Pons“, und als ich den Laden gestern ansteuerte auf der Suche nach einem mir lesenswert erscheinenden Exemplar, das die Bezeichnung Taschenbuch verdient (also beim Herumtragen etwas ramponiert werden darf – der Balzac hat wirklich gelitten, weil ich mit ihm in den Regen kam), fand ich an Stelle der ausgemusterten Diogenes-Bücher eine Reihe preiswerter Hardcovers aus dem Marix Verlag  – darunter eine Auswahl von „Pater Brown Geschichten“ von Gilbert Keith Chesterton, auf die spontan meine Wahl fiel. Nicht nur sind mir die Klassiker unter den Kriminalromanen noch immer die liebsten, auch ist Gilbert Keith Chesterton ein mehr als bemerkenswerter Literat, der nicht nur die Figur des Pater Brown erschaffen, sondern auch Texte wie „Eugenik und andere Übel“ verfasst hat.

Die überarbeitete Übersetzung der Pater Brown-Geschichten von Hedwig Maria von Lama aus dem Jahr 1920 dürfte kaum zu übertreffen sein. Ich genieße das Lesen, als ließe ich eine hochwertige Praline auf der Zunge zergehen.

Gilbert Keith Chesterton
Pater Brown Geschichten
Marix Verlag – Aufl. 2015
EAN: 978-3-7374-0954-4