Vielleicht war dies ein Grund, vielleicht sogar der ausschlaggebende, warum ich mich damals für diese Wohnung entschied. Und wenn ein Buch „Das Buch vom Süden“ heißt, ist dies für mich auch schon Grund genug, es unbedingt haben zu wollen. Jedenfalls kaufte ich André Hellers ersten Roman gleich nachdem ich im Juni 2016 die Literaturkritik im Deutschlandradio Kultur gehört hatte – und dies, obwohl eben jene Kritik sehr wohl anklingen ließ, dass sich an Hellers Roman die Geister scheiden, und die Kritikerstimmen von hohem Lob bis zu absolutem Verriss reichten. Edelgard Abenstein jedenfalls hielt das Buch für einen „altmodischen Bildungsroman, der vor Beschaulichkeit strotzt“, und ich hatte weder gegen einen Bildungsroman noch gegen wohltuende Beschaulichkeit in unserer hektischen Zeit etwas einzuwenden – schon beim ersten Lesen vor fast zwei Jahren nicht und jetzt – beim zweiten Durchgang eher noch weniger. Auf mich wirkt Hellers Roman ähnlich heilsam wie die Rilke-Gedichte, die der Hausarzt statt eines Medikaments auf seinen Rezeptblog schreibt (mehrmals lesen, am besten auswendig lernen).

Das Kalenderblatt, an welches ich das Buch zwecks Foto gelehnt habe, zeigt natürlich auch den Süden – genauer: die Atlantikküste in Maspalomas (Gran Canaria), vor einem Jahr von meinem Schwiegersohn fotografiert. Ein bisschen mehr Süden geht halt immer noch – jedenfalls bis man den Südpol erreicht hat.

André Heller: Das Buch vom Süden
Zsolnay Verlag, Wien 2016
336 Seiten
ISBN: 978-3-552-05775-3