Andrea Camilleri, 1925 in Porto Empedocle (Sizilien) geboren, ist italienischer Drehbuchautor, Theater- und Fernsehregisseur und Schriftsteller. International bekannt wurde er vor allem durch seine erfolgreichste Romanfigur, den sizilianischen Commissario Montalbano.

„Die Form des Wassers“ (1994), „Der Hund aus Terracotta“ und „Der Dieb der süßen Dinge“ (beide 1996), „Die Stimme der Violine“ (1997), „Das Paradies der kleinen Sünder“ und „Die Nacht des einsamen Träumers“ (Kurzgeschichten, beide 1998), „Das Spiel des Patriarchen“ (2000), „Der Kavalier der späten Stunde“ (2001), „Die Rache des schönen Geschlechts“ (Kurzgeschichten, 2002), „Das kalte Lächeln des Meeres“ (2003), „Die Passion des stillen Rächers“ (2004), „Die dunkle Wahrheit des Mondes“ (2005), „Die schwarze Seele des Sommers“ (2006) – in Klammern ist jeweils das Erscheinungsjahr des italienischen Originals angegebenen – diese alle habe ich gelesen, und wenn sich nichts davon hier im Blog niedergeschlagen hat, dann aus dem Grund, dass ich zu der Zeit eben noch nicht bloggte. Zwischen 2006 und 2017 schrieb Camilleri weitere Commissario-Montalbani-Krimis, von denen noch nicht alle übersetzt sind, ich aber keinen mehr gelesen habe. Man kann nicht alles lesen, und ich entdeckte andere Krimi-Autoren für mich. Kürzlich aber kam mir „Das Labyrinth der Spiegel“ (2011) in einer hübschen bibliophilen Ausgabe der Büchergilde Gutenberg unter, und nachdem ich die vorgenannten Titel als Taschenbücher schon vor geraumer Zeit an eine meiner Töchter weitergegeben hatte, beschloss ich, mir diesen einen noch zuzulegen. Ein kleines Denkmal für Commissario Salvo Montalbano in meinem Bücherregal. Und natürlich habe ich das Buch auch gelesen.

Auch Montalbano, den man zu Beginn der Serie als Mann in den Vierzigern kennengelernt hat, wird älter. Doch davon abgesehen, fühlte ich mich auch nach Jahren des Nichtlesens sofort wieder zu Hause – als hätte ich die meisten Urlaube meines Lebens auf Sizilien verbracht, während ich doch kein einziges Mal dort war. Montalbanos Häuschen am Strand von Marinella, das Komissariat in Vigàta, Enzos Trattoria sind so vertraut wie das Personal der Montalbano-Romane. Trotz ständiger Streitereien am Telefon, hat der Commissario sich nicht von seiner in Genua lebenden Dauerverlobten Livia getrennt, während Montalbanos Haushälterin, die alte Adelina, die ihn liebevoll bekocht, eben diese Verlobte mit ungebrochener Entschiedenheit nicht ausstehen kann und nichts unversucht lässt, die Beziehung zu hintertreiben. Montalbanos Stellvertreter Mimì Augello ist – auch nach seiner Eheschließung mit Beba – der unverbesserliche Schürzenjäger geblieben, und der bemitleidenswert (vielleicht aber auch beneidenswert) schlichte Polizist Catarella gerät noch immer ins Stottern, wenn er Montalbano ausrichten muss, dass der Signore Questore den Commissario zu sprechen wünscht.

„Das Labyrinth der Spiegel“ beginnt mit scheinbar banalen Vorkommnissen, die nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Der neuen Nachbarin des Kommissars, einer sehr attraktiven Frau, deren Ehemann offenbar mehr auf Geschäftsreisen als zu Hause ist (und es hat sich natürlich auch nichts daran geändert, das Montalbano – dauerverlobt oder nicht – für die Reize des weiblichen Geschlechts sehr empfänglich ist), hat jemand den Motor ihres Autos mit einem Hammer demoliert. Außerdem ist in Vigàta ein in einem Pappkarton versteckter Sprengsatz hochgegangen – eine nicht ungewöhnliche Warnung der Mafia an diejenigen, die kein Schutzgeld zahlen wollen. Der Schaden beschränkt sich in diesem Fall darauf, dass das Tor eines ungenutzten Lagerraums leicht lädiert wurde. Dann aber komplizieren sich die Dinge und werden immer mehr Verflechtungen offenbar.

In seinem Nachwort schreibt Andrea Camilleri:

Dieser Roman verdankt seine Entstehung nicht einer Verbrechensmeldung wie so viele andere aus der Serie Montalbano. Er ist frei erfunden. Umso mehr kann ich behaupten, dass die Namen der Personen, die Situationen und Ereignisse nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Gewiss, all das hätte auch geschehen können. Und es ist tatsächlich geschehen, im Sommer 2010, nachdem ich den Roman beendet hatte. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Andrea Camilleri
Das Labyrinth der Spiegel – Commissario Montalbanos achtzehnter Fall
Taschenbuch Bastei Lübbe, 2018
ISBN: 978-3-404-17640-3

Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg
Frankfurt am Main, Zürich, Wien, 2016
ISBN: 978-3-7632-6871-9