KOMME WAS WOLLE – Eine Geschichte mit unvorhersehbarem Ende

Was bisher geschah

Der Mann, der noch immer die Tasse mit dem darauf gemalten Pfauenauge in der Hand hielt, und Melli, die sich halb umgedreht und einen Schritt zur Seite gemacht hatte, um sowohl ihn als auch die so plötzlich hinzugekommene Helena Krüglein im Blick zu haben, antworteten gleichzeitig, und obwohl man dadurch kaum ein Wort verstand, wurde doch klar, dass beide jegliche Zusammengehörigkeit vehement bestritten.
„Also, Kastor?“ insistierte Helena, was wohl hieß, dass sie zuerst ihn und eine Antwort zumindest auf den ersten Teil ihrer Frage hören wollte, aber Kastor, der jetzt blinzelte, weil Helena nach dem Lichtschalter gegriffen hatte, und über ihm ein zwölfarmiger Kronleuchter aufgeflammt war, entgegnete stattdessen: „Ob es sich hier um dein Haus handelt, darüber ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen.“
Melli bewies wieder einmal, dass sie manchmal erstaunlich schnell von Begriff war, und noch bevor die Hausherrin (oder vielleicht doch nicht Hausherrin) ihr die volle Aufmerksamkeit zuwenden konnte, erklärte sie: „Da ich nur hereingekommen bin, weil mir das Licht einer Taschenlampe hinter dem Fenster aufgefallen war, und dachte, dass hier eingebrochen wurde, und außerdem die Haustür offenstand, alles aber offenbar mehr oder weniger seine Ordnung hat, werde ich jetzt gehen, damit Sie sich nach Herzenslust weiter streiten oder versöhnen können.“ Sie machte einen Schritt auf Helena Krüglein zu, doch diese dachte offenbar nicht daran, ihr den Weg durch die Tür freizugeben.
„Du stellst jetzt mal bitte ganz behutsam meine Tasse ab und setzt dich brav dort aufs Sofa“, sagte sie zu dem Mann, den Melli inzwischen (übrigens zu recht) für Helenas Bruder hielt, „und Sie, meine Dame, setzten sich bitte dazu, denn mich würde schon interessieren, woher Sie die Courage nehmen, allein und unbewaffnet ein Haus zu betreten, von dem Sie annehmen, dass hier gerade ein Einbruch stattfindet.“
In diesem Augenblick ließ eine Männerstimme hinter Helena Krüglein die drei bereits im Zimmer versammelten Personen aufschrecken.
„Unsere Mitarbeiterin ist keineswegs allein, Frau Krüglein, und ob sie tatsächlich unbewaffnet ist, das lassen wir mal dahingestellt. Ich wollte meinen Freunden hier, die eine kleine aber sehr effektive Wachschutzfirma betreiben, Ihr Haus zeigen – eigentlich nur von außen, als Objekt, um dessen Bewachung man sich bewerben könnte, denn wie sinnvoll das wäre, das sehen Sie ja gerade selbst. – Ich bin übrigens der Mann, der die Solaranlage auf ihrem Dach montiert hat.“

Melli hielt den Stein, der ihr vom Herzen hatte fallen wollen, als sie Svens Stimme erkannte, noch mit zitternden Händen fest, denn plumpsen sollte er erst, wenn sie und Sven hier heraus waren, bevor die Krüglein auf die Idee kam, die Polizei zu rufen.

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