KOMME WAS WOLLE – Eine Geschichte mit unvorhersehbarem Ende

Was bisher geschah

Helena Krüglein erwachte von einem Albdruck. Der Kater, der nur Kater hieß, weil er ihr eigentlich nicht gehörte, und der, als sie vor dem Zubettgehen das Fenster schließen wollte, vom Dach auf die Balkonbrüstung gesprungen war und Einlass begehrt hatte, um sich dann – ekstatisch schnurrend – am Fußende des Bettes zusammenzurollen, lag jetzt quer über ihrer Brust. Als Helena ihn wegschob, ließ er es geschehen, sprang vom Bett und auf den Sessel vor dem Frisiertische, und Helena setzte sich auf und atmete durch.

Was hatte sie geträumt? Sie hielt den Studenten im voll besetzten Hörsaal einen Vortrag über Frühjahrsmüdigkeit und deren Ursachen, und während sie sprach, waren alle – wirklich alle! – eingeschlafen. Einige schnarchten sogar. Und plötzlich waren da Stimmen vor der Tür, als dränge eine Menschenmenge die Treppe herauf und würde gleich hereinstürmen und sie hier mit all diesen schlafenden – von ihr eingeschläferten! – Studenten erwischen. Die Stimmen vernahm sie immer noch und glaubte zunächst, sie gehörten zu ihrer Traumerinnerung, dann wurde ihr klar, dass tatsächlich im Haus gesprochen wurde. Die männliche Stimme kannte sie. Aber was machte, der hier mitten in der Nacht, und wer war bei ihm?

Mit einem Gefühl der Empörung schwang Helena die Beine aus dem Bett, griff nach ihrem Morgenmantel, und während sie ihn überzog, lief sie schon die dunkle Treppe hinunter.
Die beiden Personen im Wohnzimmer zuckten zusammen, als sie die Tür aufstieß.
„Warum, zum Teufel schleichst du nachts mit einer Taschenlampe durch mein Haus, Kastor, und wer ist die Dame in deiner Begleitung?“ fragte sie streng.

für die a.b.c. etüden – Textwoche 12.18 | Wortspende von vrojongliert