Wie ich denn jetzt ausgerechnet auf den Fahrstuhl komme, fragt sich der Leser, der gerade keine Lust hat, ein geneigter zu sein. Und noch etwas unwilliger: Warum ich denn besonders auf den Umstand hinweise, dass dieser Fahrstuhl keinen Führer hat, wo doch heute kaum noch ein Fahrstuhl einen Führer hat, schon gar nicht ein so kleiner wie der hier beschriebene. – Ja, dann muss der Leser sich eben doch ein bisschen neigen. Schließlich ist es nicht meine Schuld, wenn er mein Blog nicht von Anfang an bis hierhin gelesen hat. Hätte er, dann wüsste er, dass ich am 22. April 2015 einen Eintrag mit dem Titel „Auf Seite 1: Ein Fahrstuhlführer“ geschrieben habe. Darin ging es um Martin Walsers Roman „Ehen in Philippsburg“. Und diesmal geht es um Wolf Haas‘ Roman „Verteidigung der Missionarsstellung“. Ob der eine Roman etwas mit dem anderen zu tun gat, weiß ich – eherlich gesagt – nicht. Das müsste ich mir jetzt aus den Fingrn saugen. Wer will das schon? Aber wenn der mittleiweile vielleicht doch, wenn auch widerwillig, geneigte Leser mich ein wenig kennte, so wüsste er, dass die Erwähnung von Büchern in diesem Blog selten etwas wie eine Rezension vorstellt. Zum Rezensieren fühle ich mich auch gar nicht berechtigt, wohl aber zum Lesen und damit auch zum Erwähnen des Gelesenen.

Wäre der Leser diesem Blog noch länger als seit knapp drei Jahren, nämlich schon seit dem 27. September 2010 treulich gefolgt, erinnerte er sich vielleicht, dass ich schon einmal einen Roman von Wolf Haas erwähnte: „Das Wetter vor 15 Jahren“ – ein Spontankauf, kurz bevor meine S-Bahn kam. Ein Glücksfall, denn ich gehöre zu denen, die Wolf Haas‘ Art zu schreiben mögen. Man täte diesem Schriftsteller Unrecht, würde man ihn so in Bausch und Bogen, in sämtliche Himmels- und Höllenrichtungen einfach jedem empfehlen.

Ein bisschen ans Herz legen möchte ich ihn aber doch – diesen Roman hier, also „Verteidigung der Missionarsstellung“ (warum der so heißt, kann ich auch nur vermuten: wird als möglicher Titel ein Mal erwähnt / verkauft sich gut / wenn man sich wahnsinnig verliebt hat, kommt füs erste Mal was anderes als die Missionarsstellung eigentlich überhaupt nicht in Frage – behaupte ich) – nämlich denjenigen, die … Nein! Nicht denjenigen, die an meiner These zweifeln oder vielleicht gar nicht wissen, was die Missionarsstellung ist (gibt’s das?). Ein bisschen ans Herz legen möchte ich ihn den Graphiktreibenden/-interessierten unter meinen Lesern, weil mich die Textgestaltung in diesem Buch sehr wohl amüsiert hat (siehe Foto, und wo zum Beispiel vom Querlesen die Rede ist, gibt es was zum Querlesen). Ein bisschen ans Herz legen auch den Sprachspielern, nebenberuflichen Sprachforschern und generell etymologisch Interessierten, weil da an einer Stelle sehr anschaulich der Wandel temporaler und kausaler Konjunktionen erklärt wird, und warum der Satz Weil der Hund bellt, frisst der Wolf das Schaf nicht nur grammatikalisch, sondern auch inhaltlich korrekt ist – oder jedenfalls mal war.

Und wer nun immer noch unentschlossen ist, ob dieser Haas’sche Roman eine geeignete Lektüre für ihn wäre, der kann ja noch mal awogfli’s Eintrag „Sprachakrobatik und Beziehungen“ im Blog Feiner reiner Buchstoff nachlesen, denn diese Rezension (!) hat mich selbst auf die Spur gesetzt.

Mein Exemplar stammt aus der Stadtbücherei…

Wolf Haas
Verteidigung der Missionarsstellung
1. Auflage 2012
Hoffmann und Campe Verlag Hamburg
ISBN 978-3.455-40418-0

Ich denke, ich werde mir das Buch kaufen, um es meiner heimischen Bibliothek einzuverleiben. Und wenn das eine Empfehlung ist, na dann …