Mural in Benalmadena Pueblo (cropped) – Foto: Terry Whalebone

In einem Kommentar zu meinem Eintrag „Der beste Kartoffelsalat der Welt“ erwähnte ich, dass dieses in der ganzen Familie beliebte Rezept inzwischen Konkurrenz bekommen hat. Und diese Bemerkung wiederum rief Videbitis auf den Plan. Wie wohl die meisten von uns, hat er seinen eigenen „besten Kartoffelsalat der Welt“, aber das Rezept für den spanischen Salat mit Thunfisch interessierte ihn nun doch. Also gut.

Die Konkurrenz erhielt der Salat aus Donald Ducks Kochbuch tatsächlich schon vor rund zwanzig Jahren – während eines Urlaubs in Benalmadena, meiner zeitweiligen spanischen Heimat – als mir auf einem Spaziergang durch den Ort meine Schwägerin ihr Rezept für eben diese Ensaladilla Russa verriet. Ich erinnere mich bis heute, wie ich hastig im Gehen die Liste der Zutaten und wichtigsten Anweisungen in meinen Taschenkalender krakelte, denn dieses Rezept, dass meine Schwägerin von ihrer Mutter übernommen hatte und diese wiederum von ihrer Mutter u.s.w. – das musste er nun sein, der authentische spanische Russische Salat.

Wie er zu seinem Namen kam, weiß offenbar niemand. Während bei den hierzulande bekannten Russischen Eiern wenigstens noch die Vermutung naheliegt, dass der zur Dekoration verwendete (meistens falsche) Kaviar für die Namensgebung verantwortlich ist, fehlt bei der Ensaladilla Russa jede etymologische Spur. Vermutungen, eine Russin, die es nach Spanien verschlagen hatte, habe den Salat erfunden, scheinen aus der Luft gegriffen. Und was den Kaviar angeht, so findet man zwar bei gezielter Suche unter den zahllosen Rezepten für Ensaladilla Russa, die im Internet kursieren, auch eines mit Kaviar, aber dabei scheint es sich um eine nachträgliche Legitimation des Namens durch nach Sternen strebende Küchenchefs zu handeln.

Dies ist nun eine der Gelegenheiten, bei denen ich bedaure, dass es mir (fast) nie in den Sinn kommt, Essen zu fotografieren. Und aus diesem Grund illustriert diesen Eintrag auch kein Bild des Salats, sondern das eines Fliesenbildes aus Benalmadena Pueblo. Freilich gibt es im Netz eine Unzahl von Ensaladilla-Russa-Bildern und – wie bereits erwähnt – eine ebenso große Zahl von Ensaladilla-Russa-Rezepten, aber ich halte mich an das Familienrezept, und dass ich damit nicht falsch liege, haben mir Tochter #1 und der dazugehörige Schwiegersohn gerade im letzten Sommer wieder bestätigt. Während eines Urlaubs in Andalusien haben sie keine Gelegenheit ausgelassen, die in vielen Restaurants angebotenen Tapas von Ensaladilla Russa zu probieren – mit dem Ergebnis: Unsere schmeckt ihnen besser. Kommen wir also zum praktischen Teil:

Zutaten;

1 kg festkochende Kartoffeln
2 Dosen Thunfisch in Olivenöl (à ca. 180 g)
4 hartgekochte Eier
300 g junge Erbsen (TK oder frische süße Erbsen)
3 mittelgroße Mohrrüben
300 g Mayonnaise (aus dem Glas oder selbstgemacht)
150 g Crème fraîche
etwas Zitronensaft
Salz
schwarzer Pfeffer
300 g kleine schwarze Oliven (entsteint)

Zubereitung:

Kartoffel mit der Schale 20 min. in Salwasser garen, kurz abkühlen lassen, pellen und in Würfel schneiden.

Mohrrüben schälen oder abschaben und in Würfel schneiden, dann in Salzwasser kochen, nach 5 min. die TK-Erbsen hinzufügen, beides zusammen weitere 5 min. köcheln lassen und zum Abtropfen in einen Durschlag geben.

Thunfisch gut abtropfen lassen und in Würfel schneiden

hartgekochte Eier pellen, halbieren, das Eigelb herauslösen und (mit Folie abgedeckt) beiseite stellen, das Eiweiß in Würfel schneiden

Zutaten in einer Schüssel behutsam vermischen

Die Mayonnaise mit der Crème fraîche und etwas Zitronensaft verrühren, leicht salzen und mit schwarzem Pfeffer würzen – danach über die Zutaten in der Schüssel geben und vorsichtig unterheben

Den Salat mindestens zwei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

Vor dem Servieren den Salat noch einmal durchmischen, abschließend mit dem zerbröselten Eigelb bestreuen und die schwarzen Oliven (trocken eingelegt oder gut abgetropft) gleichmäßig darauf verteilen.

Soweit das Familienrezept. Wem die Sache optisch nicht farbenfroh genug ist, der kann für die abschließende Dekoration noch Streifen von gebackener, marinierter roter Parika hinzufügen, ohne dass dies den Geschmack des Salats grundsätzlich verändert.