Was den Zeitpunkt dieser kleinen Blogmaßnahme angeht, kann man nur sagen: Voll daneben!
Die Online-Ausgabe von „Leben mit Martin“ bzw. das lebenmitmartinblog ausgerechnet an einem 2. Januar wieder öffentlich zu machen, erweckt den Eindruck, es handle es sich um einen Vorsatz für 2018. Ich schwöre, das ist nicht der Fall. Es hat sich einfach so ergeben. Dass es nicht so geplant war – und damit wären wir beim zweiten Indiz für schlechtes Timing – sieht man auch daran, dass die Handlung an einem 24. Dezember endet. Bei der Erstveröffentlichung hatte ich es auch so eingerichtet, das letzte Kapitel zu Weihnachten zu präsentieren. Im Grund bedaure ich, es nicht auch diesmal getan zu haben. Nur, wie gesagt: Mit Planung oder Vorsatz hat das Ganze nichts zu tun. – Wenn die Muse pennt, was sie in letzter Zeit immer häufiger tut, weil offenbar auch Musen altern, neue Einfälle also auf sich warten lassen, beschäftige ich mich (mal vor, mal hinter den Kulissen) mit rein sachlichen Recherchen oder ollen Kamellen, die vielleicht mal abgestaubt werden könnten. Zu letzteren gehört zweifellos „Leben mit Martin“. So weiß ich z.B. nicht einmal, ob das veritable Taschenbuch im Buchhandel noch bestellbar ist. Ein paar Jahre lang hatte der Winterwork-Verlag noch bei mir angefragt, ob ich bereit sei, den Vertrag mit ihnen zu verlängern, und jeweils meine Zustimmung erhalten. Gekümmert habe ich mich nicht darum. Die Druckversion war auf Drängen einiger Freunde (und letztendlich auch zu meinem Vergnügen) entstanden. Inzwischen bedürfte sie einer Überarbeitung.

Als nach dem Ende von blog.de zusammen mit meinen anderen Blogs auch die Blog-Fassung von „Leben mit Martin hierher umgezogen war, musste ich zu meinem Missvergbügen feststellen, dass sie durch die neue Formatierung, alle Anführungszeichen und Gedankenstriche eingebüßt hatte, und ich hatte zum fraglichen Zeitpunkt nicht die geringste Lust, das alles wieder zurecht zu fummeln. Erst jetzt habe ich – zwecks Überbrückung kreative Leerlaufs – mich daran gesetzt, eine hübsche Anzahl Fehler gefunden, eine ebenso hübsche Anzahl Fehler sicher auch übersehen, mich hier und da nicht enthalten können, eine Formulierung zu korrigieren, … Im Großen und Ganzen ist es aber beim Einfügen der verschwundenen Satz- und Sonderzeichen geblieben. Würde ich den Text ernsthaft überarbeiten, würde ich heute die neue Rechtschreibung verwenden (die ja auch damals schon in Kraft war), weil der stumme Protest gegen die Reform für jüngere Leser kaum noch nachvollziehbar ist.

Beim – wie gesagt, recht flüchtigen – Überarbeiten des Textes, fiel mir auf, wie sehr er in den zehn Jahren, seit ich mit der Niederschrift angefangen habe ( über sieben Jahre seit der Veröffentlichung) schon zu einer Art Zeitdokument geworden ist. Einige der damals sorgfältig recherchierten Details (z.B. das Gebrauchtwarenhaus der Berliner Stadtreinigung) gibt es heute schon nicht mehr. Ich sehe darin aber keinen Nachteil – vielleicht sogar das Gegenteil. Das heißt, das mit dem Gebrauchtwarenhaus ist schon irgendwie schade. So hatte ich das jetzt nicht gemeint.

Ein Roman wird nicht dadurch zeitlos, dass sein Autor bewusst auf alles verzichtet, was die Handlung in ein klar abgegrenztes Zeitfenster verlegt. Zeitlos wird er, weil er menschliche Konflikte behandelt, die seit Jahrtausenden menschliche Schicksale bestimmen und es auch in Zukunft tun werden. Die alten Griechen haben es gewusst, Shakespeare hat es gewusst, … Autoren von heute müssen es einfach nur beherzigen.

Ein Click auf das Buch-Cover am rechten Seitenrand*) führt jetzt auf das lebenmitmartinblog. Vielleicht findet es ja noch den einen oder anderen Leser. Wenn dem so ist, wünsche ich gute Unterhaltung.


*) Es geht mir schon lange auf den Keks, dass hier die Widgets (also auch das Buch-Cover) nur in der Blog-Ansicht, nicht aber in der Archiv-Ansicht der einzelnen Beiträge angezeigt werden.  Wer also am rechten Seitenrand kein Buch-Cover sieht, ist vielleicht nur (in) der falschen Ansicht.

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