Gestern erwähnte ich meine Bestellung in einer Buchhandlung, und … Nein, so eine schnelle Leserin bin ich nicht, dass ich heute bereits über die Bücher schreiben wollte. Es geht um etwas ganz anderes.

An der fraglichen Buchhandlung  komme ich oft vorbei, wenn ich mit meinem Enkelkind spazieren gehe, und hin und wieder nutze ich die Gelegenheit, ein Buch zu bestellen oder abzuholen. Diesmal aber wollte ich telefonisch bestellen, brauchte also die Telefonnummer, … Und wo hätte ich sie schneller gefunden als im Internet?  Neben dem Google-Link wurde – wie oft bei Geschäftsadressen – eine Kurzinformation angezeigt, ein paar Bilder auch, eines davon ein Link zu Street View (Von außen ansehen). Ich klickte darauf. Eigentlich völlig überflüssigerweise, denn die Telefonnummer hatte ich schon abgeschrieben. Virtuell stand ich nun vor der S-Bahnunterführung und schaute über die Straße zur Buchhandlung hinüber, und dann konnte ich der Versuchung nicht widerstehen: Ich wollte (virtuell) den gleichen Weg gehen, den ich schon so oft den Kinderwagen vor mir her geschoben hatte. Fast überrascht entdeckte ich mit Baugerüsten eingerüstete Häuser, die ich nur ohne Baugerüst kenne, und erst da wurde mir bewusst, dass mich dieser virtuelle Spaziergang ins Jahr 2009 zurückversetzte – vor Enkelkind, vor der Hochzeit meiner Tochter und somit auch vor meiner Vertrautheit mit dieser Gegend. Das hatte einen unglaublichen Reiz! Ich verfolgte mir heute wohlbekannte Wege und achtete auf jede Veränderung. Es waren keine großen Überraschungen oder Offenbarungen darunter. Acht Jahre sind nur ein kleiner Sprung in die Vergangenheit. Dann aber stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn Google schon vor 50 oder sechzig Jahren alle Straßen gefilmt hätte, wenn ich virtuell durch die Straßen meiner Kindheit laufen und sie so sehen könnte, wie sie damals waren. Plötzlich wünschte ich mir, Google würde noch viel regelmäßiger und absolut Flächendeckend durch jede Straße fahren, dass es außer einem hochaktuellen Street View auch ein Time View gäbe, und ich stellte mir vor, dass meine Enkel in 50 Jahren nach Belieben jeden Ort an dem sie je gewohnt oder den sie je besucht hatten „rückblickend“ würde aufsuchen können, um ihren Enkeln zu zeigen: Guck mal, und das war die Eisdiele, in der meine Oma mir immer eine Kugel Eis spendiert hat.

Was für ein hinreißender Gedanke!
Und gleichzeitig: Was für ein beängstigender Gedanke…

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