Fans des Actionkinos sind hier vermutlich „im falschen Film“. Umso mehr dürften Menschen, die sich tendenzielle eher für Bücher als für Filme begeistern, auf ihre Kosten kommen. Leise erzählt „Genius“ die Geschichte der Freundschaft zwischen dem amerikanischen Schriftsteller Thomas Wolfe („Schau heimwärts, Engel“) und seinem Lektor Max Perkins, der auch F. Scott Fitzgerald („Der große Gatsby“) und Ernest Hemingway betreute – selbst dann noch, wenn die beteiligten Personen hin und wieder laut werden. Keine grellen Farben, keine schwindelerregenden Kamerafahrten, dafür eine sehr gut gewählte Besetzung mit Colin Firth in der Rolle des Max Perkins (Er hatte mir schon als Bill Haydon in der John le Carré-Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ ausnehmend gut gefallen, überzeugt aber auch als grundanständiger Mensch.), Jude Law als Thomas Wolfe und Nicole Kidman als Wolfes fordernde und verzweifelt liebende Lebensgefährtin Aline Bernstein.

Was die Storyline angeht, möge der geneigte Leser sich anhand einer Kurzbiographie von Thomas Wolfe und/oder Maxwell Perkins eine Vorstellung verschaffen, denn es schadet nicht, ein bisschen mehr zu wissen, als der Film verrät. Wie kaum anders zu erwarten, fällt in „Genius“ einiges zu Gunsten einer zuträglichen Verweildauer im Kino und eines klaren Handlungsstranges unter den Tisch, so zum Beispiel, dass Thomas Wolfe insgesamt sechs Reisen nach Europa unternommen hat, unter anderem zu den Olympischen Spielen 1936 nach Berlin. Auf den hier gesammelten Eindrücken basiert sein Roman „Es führt kein Weg zurück“, und da ich dieses Werk noch nicht kenne, habe ich mir das Buch im Antiquariat bestellt. Gelobt seien Filme, die zum Lesen anregen!

 

Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft
Drama/Biographie | 105 Minuten | Großbritannien USA 2016
Regie: Michael Grandage
Kinostart in Deutschland: 11. August 2016

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