Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=aEGhnoox1QE

Die Handlung spielt im England des Jahres 1947. Vor dreißig Jahren hat sich der inzwischen dreiundneunzigjährige Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Ian McKellen) in Sussex zur Ruhe gesetzt – in einem Alter also, in dem die meisten von uns noch auf ihre Rente hin arbeiten müssen. Warum? (Die Frage bezieht sich hier auf Holmes‘ retirement, nicht auf die Heraufsetzung des Rentenalters in Deutschland.) Inzwischen allerdings wird Holmes von seinem Gedächtnis langsam aber sicher (eigentlich eher sicher als langsam) im Stich gelassen, und so erinnert er sich auch nicht mehr an die Gründe für seinen Rückzug, ist sich jedoch sicher, dass es eine Art Selbstbestrafung gewesen sein muss. Einen schrecklichen Fehler muss er begangen haben bei seinem letzten Fall.

Dr. Watson, die Haushälterin Mrs. Hudson und auch Holmes‘ Bruder Mycroft haben inzwischen das Zeitliche gesegnet. Mit seiner neuen Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney) und deren elfjährigem Sohn (Milo Parker) als einzige Gesellschaft – sieht man von gelegentlichen Besuchen eines Arztes ab – versucht Holmes seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, den letzten Fall zu rekonstruieren und damit die Frage seiner Schuld zu klären. Dass es am Ende dann doch noch einen aktuellen Fall zu lösen gibt, kann einen echten Holmsianer nicht voll entschädigen. Und das ist für mich der Punkt …

Ich habe aus meinem Faible für Krimi-Klassiker (Arthur Conan Doyle, Agatha Christie, George Simenon usw.) nie ein Hehl gemacht, ja in letzter Zeit habe ich mich regelrecht unter die Holmsianer begeben. Allerdings bin ich in diesem Punkt etwas eigen. Wenn mich auch die alten Filme mit Basil Rathbone in der Rolle des Meisterdetektivs oder die von Sheldon Reynolds produzierte amerikanische TV-Serie „Sherlock Holmes“ (1954 – 1955) unterhalten und amüsieren, so bin ich im Grund doch eine Puristin d.h. dem Kanon, bestehend aus den von Sir Arthur Conan Doyle selbst seiner Hauptfigur Sherlock Holmes gewidmeten vier Romanen und 56 Kurzgeschichten verhaftet. Daran ändert auch nichts, dass ich dem Zitat aus dem eingangs beschriebenen Film zustimmen muss, nämlich dass es sich dabei im Grunde um Schundromane, verfasst in einer gehobenen Sprache, handelt. Übrigens befinden wir Holmsianer uns da in bester Gesellschaft. Die Lieblingslektüre des Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) waren amerikanische Pulp-Magazine und Schund-Krimiheftchen, sein Lieblingsautor dabei Norbert Davis, der sich 1949 mit Autoabgasen das Leben nahm. Wittgenstein: „Wenn die Philosophie irgendetwas mit Weisheit zu tun hat, so gibt es sicherlich nicht ein Körnchen davon in MIND [Anm. d. Red.: philosophische Fachzeitschrift] aber sehr oft in den Detektivgeschichten.“

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