Filmplakat "Steve Jobs"Ich frage mich, ob es hilfreicher ist, sich mit der Lebensgeschichte eines außergewöhnlich erfolgreichen Menschen zu befassen oder mit der eines … Alles in mir sträubt sich, das Wort ‚Versager‘ hinzuschreiben oder – was auch nicht besser klingt – ‚Loser‘. a) widerstrebt es mir, jemanden in dieser Weise abzustempeln; niemand ist immer und auf ganzer Strecke ein Verlierer, und b) wäre jemand, der es doch ist, eine viel zu tragische Figur. Was ich meine, ist eher jemand wie Donald Duck, jemand, der im Grunde seines Herzens weiß, dass er seinen Mitmenschen als negatives Beispiel fehlen würde, wenn es ihn nicht gäbe, und der daraus ein Quäntchen Trost schöpft. Und damit habe ich nun auch schon verraten, welche Antwort ich mir auf die eingangs gestellte Frage gebe: Die Prämissen für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte sind … ja, außergewöhnlich halt und lassen sich selten und nur schwer künstlich erzeugen, um einem eigenen Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Also guckt man lieber, wie man es unter keinen irgendwie gearteten Umständen macht, um die schlimmsten Fehler zu vermeiden. – Nun, die Geschichte von Steve Jobs und Apple ist – unterm Strich und letztendlich – eine Erfolgsgeschichte. Wer sich trotzdem dafür interessiert, ist am besten beraten, wenn er sich „Steve Jobs – Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“ von Walter Isaacson beschafft. Die beiden Filme – „Jobs“ (USA, 2013) und „Steve Jobs“ (USA, 2015) – sind eben Filme, und man kann nicht darin vor- und zurückblättern. Wirklich lernen können daraus nur Filmproduzenten, nämlich, dass wenn ein Film eines bestimmten Inhalts nicht gerade ein Publikumsmagnet ist, dies die Erfolgschancen für einen Film mit demselben Thema und (fast) demselben Titel zwei Jahre später nicht unbedingt positiv beeinflusst. Will sagen: „Jobs“ unter der Regie von Joshua Michael Stern schaffte 2013 nicht einmal den Sprung von amerikanischen auf deutsche Kinoleinwände, und auch „Steve Jobs“ (Regie: Danny Boyle) enttäuschte die Einnahmeerwartungen seiner Produzenten (am ersten Wochenende in den USA nur sieben statt der erhofften 15 bis 19 Mio. Dollar), aber seit dem 12. November läuft der Film auch in deutschen Kinos. Meine Gründe, ihn mir unbedingt ansehen zu wollen, waren allerdings nicht Erfolg oder Misserfolg (weder der von Apple, noch der des Films), sondern Drehbuch und Kamera.

Aaron Sorkin erzählt in seinem Drehbuch Steve Jobs‘ Lebensgeschichte, indem er die Ereignisse und Gespräche (bei denen es sich oft um heftige Konfrontationen handelt), hinter der Bühne, unmittelbar vor drei Produktpräsentationen aufgreift: 1984 die des Macintosh, 1988 die von NeXT und 1998 die des iMac. 14 Jahre, in denen nicht nur die Computertechnik eine gewaltige Entwicklung durchmacht, sondern in denen Steve Jobs Tochter Lisa von einer Fünfjährigen zu einer Neunzehnjährigen heranreift. Dass Steve Jobs kein netter Mensch war, hatte Gründe aber auch Folgen, und beides sorgt für eine melodramatische Komponente, die sich schwer ignorieren lässt. Dass der Film dabei nicht in Gefühlskitsch abgleitet, ist seinem Tempo zu verdanken, welches beeindruckt, besonders in Anbetracht der wenigen Schauplätze. Keine rasanten Autofahrten oder dergleichen, nur die Hektik, die sicher auch im wahren Leben vor großen Präsentationen herrscht.

Die Zeitsprünge hat Kameramann Alwin H. Küchler dadurch fein unterstrichen, dass er für die drei Episoden unterschiedliches Filmmaterial verwendet hat: 16-mm-Film für die Szenen des Jahres 1984, 35-mm-Film für 1988, und der dritte und letzte Akt 1998 wurde mit Alexa-Digitalkameras gefilmt. Daraus ergeben sich keine augenfälligen sondern ganz feine Unterschiede, die ohne das Wissen um die Technik kaum ins Bewusstsein des Zuschauers drängen, das glaubhafte Vergehen von Zeit aber nicht ganz und gar Maske und Requisite überlassen.

Der Film mache klar, dass Steve Jobs „kein besonders interessanter Mann“ gewesen sei, hat Verena Lueken in der Online-Ausgabe der FAZ geschrieben. Nun, als Mann (aus der Sicht einer Frau), war er das vermutlich nicht. Dafür spricht auch die Freigabe ab 6 Jahren (FSK). Ich weiß allerdings nicht, warum Sechsjährige den Film sehen wollen sollten. Was mich betrifft, habe ich mich bei einem Film über ein Ekelpaket selten so gut unterhalten gefühlt. Mac User mögen mir bitte nachsehen, dass ich das alles hier auf einem PC schreibe.

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