Abriss_1

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Während sie auf den Bus warten, vertreiben sich der Junge und sein Vater die Zeit damit, Zweige der Knallerbsensträucher durch das Zaungitter zu ziehen und die wenigen noch daran verbliebenen Knallerbsen abzureißen, um sich gegenseitig damit zu bewerfen. Die zu dem Mann und dem Jungen gehörende Frau und ich haben einen anderen Zeitvertreib gefunden. Wir beobachten einen Bagger, der jenseits von Zaun und Knallerbsensträuchern damit beschäftigt ist, ein altes Haus abzureißen. Die gewaltigen Eisenzähne tasten an der Dachrinne entlang, als müssten sie herausfinden, an welcher Stelle das Dach besonders lecker (oder locker) ist. Schließlich ein beherzter Biss, und mit einem kleinen Stückchen Dachpappe zwischen den Zähnen schwenkt der Baggerarm herum und lässt seine Beute über einem Kipplaster herunter segeln. – Der Bus fährt an die Haltestelle. Die Frau und ich lachen immer noch, als wir einsteigen. „Männer!“ sage ich. „Männer!“ stimmt sie mir zu. Ihr Mann und ihr Sohn wundern sich über unsere in ihren Augen grundlose Heiterkeit. Wie könnte ein Mann auch begreifen, was Frauen so lustig daran finden, wenn mit hohem technischem Aufwand so wenig bewirkt wird.

Heute bin ich wieder an dem Haus vorbeigekommen. Das Loch in Dach und Gemäuer ist immerhin ein bisschen größer geworden. Die Vorgehensweise bringt mich dennoch ins Grübeln. Will man dem Haus eine Chance geben – das Erscheinen eines Ritters in schimmernder Rüstung bzw. in Gestalt eines Denkmalsschützers, der den Abriss in letzter Sekunde verhindert? Denn andernfalls wäre die Sache mit einer Abrissbirne und Planierraupen schneller erledigt. Andererseits: Dies ist Krankenhausgelände, und vielleicht möchte man den Patienten den infernalischen Lärm, mit dem so ein Haus unter den Schlägen einer Abrissbirne zusammenbräche, ersparen. Was weiß ich denn schon? Ich habe doch keine Ahnung. Ich kann nur blöde kichern über das Erbeuten eines Stückchens Dachpappe nach minutenlangem Herumzirkeln mit schwerem Gerät. Männer dagegen … Männer sind, was sie (er-schaffen)… oder von mir aus auch abschaffen – egal ob sie eine Abrissbirne durch die Luft sausen lassen oder mit eisernen Zähnen an einer Dachrinne knabbern, als wäre es ein Pfefferkuchenhaus.

„The Man ’s the Work“, hat Edward Hopper gesagt, als man ihn nach seinem Leben und Denken befragen wollte, und so heißt auch das Hopper-Blog, mit dessen Überarbeitung ich noch immer so beschäftigt bin, dass ein regulärer Betrieb in meinem eigenen Blog zurzeit nicht möglich ist. Es kann sich nur noch um Wochen handeln. Mal sehen, was zuerst fertig ist – das Haus abgerissen oder Hopper unter Dach und Fach gebracht.

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