Wenn ich die Menschen in meinem Berliner Umfeld frage, ob sie Rosenheim kennen, oder was sie über die Stadt wissen, fällt den meisten nur „Out of Rosenheim“ ein, und jeder, der den Film gesehen hat, weiß, dass Rosenheim darin gar nicht vorkommt. Es wird allerdings durch die in Starnberg gebürtige Marianne Sägebrecht (Lodenkostüm, Trachtenhut) durchaus würdig repräsentiert – was in der Wüste Kaliforniens etwas heißen will. Mich zieht es in die immerhin drittgrößte Stadt Oberbayerns mindestens ein Mal pro Jahr, weil dort meine Urenkelchen Paul und Anton mit ihren lieben Eltern wohnen, und so war ich auch in der vergangenen Woche dort. Weltbewegendes zu berichten gibt es nicht. Urenkel im Alter von Paul und Anton (3 + 1) sind auch in meinem für Urgroßmütter gar nicht so hohen Alter ein bisschen anstrengend, und man fragt sich verwundert, wie man das damals mit kleinen Kindern so relativ mühelos und jedenfalls selbstverständlich alles geschafft hat. Es unterblieb also auch diesmal ein Besuch des Holztechnischen Museums, weil er mit Kindern dieses Alters denn doch für alle Beteiligten – und wahrscheinlich auch noch für ein paar Unbeteiligte – eine kleine Nervenzerreißprobe dargestellt hätte. Auf der Fahrt zurück hat mich dann die Klimaanlage im ICE kalt erwischt. Anzumerken wäre auch, dass die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Ingolstadt und Nürnberg nicht eben zu meinen liebsten zählt, denn bei 280 km/h baut sich in den Tunneln – und da kommen mehrere – ein Luftdruck auf, der einem auf die Ohren schlägt, und ich habe dann eben doch das Gefühl, nicht mehr in einem schnell fahrenden, sondern in einem rasenden Zug zu sitzen. Unangenehm!

Einen Kurzurlaub um den Preis einer Erkältung, die länger dauert als der Urlaub, fand ich recht unverhältnismäßig. Um das Unpassende dann aber doch noch irgendwie passend zu machen, habe ich im Bett halb dösend (und deshalb mehrmals) Jörg Maurers Alpenkrimi „Föhnlage“ (gelesen vom Autor) gehört – abwechselnd hustend und lachend. Der Roman ist der erste aus Maurers Kommissar-Jennerwein-Serie, von der – wenn ich mich nicht täusche – gerade das sechste Buch erschienen ist. Da Jörg Maurer Musik-Kabarettist ist, liest er seinen Text unglaublich lebendig, und ich bin sicher, dass mir in diesem Fall die Hörversion mehr Spaß gebracht hat, als das Buch es gekonnt hätte – von meinen erkältungsbedingt verschwiemelten Augen ganz abgesehen.

Die Handlung ist wunderbar skurril. Während eines Klavierkonzerts in einem voralpenländischen Kurort (mit Doppelnamen!) fällt der Obertürschließer der Konzerthalle vom akustischen Himmel und stürzt dabei nicht nur selbst zu Tode, sondern erschlägt auch einen Konzertbesucher. Ob es sich um einen Unfall, einen Mord oder einen Selbstmord handelt und ob die Inhaber des ortsansässigen Bestattungsinstituts etwas damit zu tun haben, ist für Kommissar Jennerwein und sein Team nicht leicht aufzuklären. Maurer spart nicht mit Situationskomik und Wortwitz, und natürlich erhebt er keinen Anspruch, ein Abbild authentischer Polizeiarbeit zu geben. Dennoch enthält der Roman Wissenswertes und unterfordert intelligente Leser keineswegs. Für mich steht jedenfalls fest, dass ich mir die anderen Jennerwein-Romane, wenn möglich, auch als Hörbücher beschaffen werde.

Cover:
Jörg Maurer
Föhnlage
(4 CDs)

Tipp: In verschiedenen Rossmann-Filialen habe ich das Hörbuch kürzlich noch im CD-Regal gesehen.