Stolperstein für Meta Laserstein

Meta Laserstein (geb. Birnbaum) kam am 18. Mai 1867 in Preußisch Holland zur Welt. Über ihr Leben in der kleinen Stadt unweit von Königsberg wissen wir nur, dass sie die Ehefrau des Apothekers Hugo Laserstein wurde, dem sie zwei Töchter gebar: Lotte (1898) und Käthe (1900). Doch zwei Jahre nach der Geburt des zweiten Kindes starb Hugo Laserstein, und die junge Frau übersiedelte mit den beiden kleinen Kindern zu ihrer Mutter und deren Schwester nach Danzig.

Als die Mädchen zwölf und vierzehn Jahre alt waren, zog Meta Laserstein mit ihnen nach Berlin. Man lebte hier in einer Wohnung in Friedenau, beide Töchter machten das Abitur und studierten anschließend.

Lotte Laserstein schloss 1927 ihr Studium an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin – als eine der ersten Frauen mit Auszeichnung – ab. Dass ihre in den 1920er und 1930er Jahren in Deutschland entstandenen Bilder als der Höhepunkt ihres umfangreichen Schaffens gelten, ist der politischen Entwicklung in Deutschland zu schulden. 1930 zog sie aus der mit Mutter und Schwester geteilten Wohnung aus – in die Nachodstraße. Es steht zu vermuten, dass sich ihr hier bessere Arbeitsbedingungen boten.

Lotte Laserstein: Abend über Potsdam, 1930

Lotte Laserstein: Abend über Potsdam, 1930 – Nationalgalerie Berlin ©bpk/Nationalgalerie SMB. Foto: R. März

Für Meta Laserstein und ihre jüngere Tochter Käthe mag die Wohnung in Friedenau nach Lottes Auszug zu groß gewesen sein, denn 1931 bezogen die beiden Frauen die Wohnung am Immenweg in Steglitz, wo später der Stolperstein für Meta Laserstein verlegt werden sollte. Die inzwischen Achtundsechzigjährige galt mit der Einführung der Nürnberger Rassengesetze (1935) als „Mischling I. Grades“.

Immenweg 7

Die veränderten Verhältnisse veranlassten die Malerin Lotte Laserstein 1937 nach Schweden zu emigrieren. Hier -– nun ganz auf sich gestellt –- lebte die getaufte und assimilierte Jüdin überwiegend von Auftragsporträts. 1939 besuchte Meta Laserstein ihre Tochter in Schweden und kehrte am 3. September 1939,– zwei Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs,– nach Berlin zurück.

In der Folgezeit bemühte sich Lotte Laserstein vergeblich, ihrer Mutter, ihrer Schwester Käthe und Rose Ollendorf, die inzwischen Käthes Lebensgefährtin geworden war, die Flucht nach Schweden zu ermöglichen. Am 14. Juli 1942 tauchte Käthe stattdessen in Berlin unter. Später fanden sie und Rose Ollendorf bei Lilly Wust Unterschlupf. – Wer den Film „Aimée und Jaguar“ gesehen oder das Buch von Erica Fischer gelesen hat, wird sich erinnern: Nach der Verhaftung ihrer Freundin Felice Schragenheim hatte Lilly Wust drei weitere jüdische Frauen versteckt. 1981 wurde sie dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. –

Auf Käthes Verschwinden hin fand zwei Wochen Später am Immenweg eine Hausdurchsuchung statt, und als Meta Laserstein sich weigerte, den Aufenthaltsort ihrer Tochter zu verraten, wurde sie verhaftet und am 23. Dezember 1942 in das Frauengefängnis Ravensbrück deportiert, wo sie am 16. Januar 1943 starb.

Käthe Laserstein überlebte schwer traumatisiert in Berlin zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Rose Ollendorf. Nach Kriegsende zog sie vorübergehend zu ihrer Schwester nach Schweden, kehrte 1954 aber nach Berlin zurück und unterrichtete als Studienrätin an der Gertrauden-Schule in Dahlem. Lotte Laserstein verbrachte den Rest ihres Lebens in Schweden, wo sie am 21. Januar 1993 in Kalmar starb.

Quellen:
Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
Wikipedia: Lotte Laserstein
Archiv der Berliner Zeitung

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