Stolpersteine für Martin und Else Magnus

Martin Magnus wurde am 20. April 1884 als Sohn des Kaufmanns Bernhard Magnus in Tuchel im damaligen Westpreußen geboren. Nach dem Abitur studierte er Medizin in Berlin, Freiburg im Breisgau, München und Königsberg, und ab 1912 ließ er sich als Praktischer Arzt (Allgemeinmediziner) in der Viktoriastraße 5/7 in Berlin-Lankwitz nieder. Dabei blieb es bis 1928 -– mit einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg, während dessen Dr. Magnus als Kriegsassistenzarzt diente, wofür er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde.

Im Dezember 1919 heiratete er die aus Danzig stammende, neun Jahre jüngere Else Berent, und am 8. September 1922 kam ihr gemeinsamer Sohn Gerd zur Welt. Die Praxis lief gut, und 1929 zogen Praxis und Familie um in größere Räumlichkeiten in der Viktoriastr. 19, die 1937 in Leonorenstraße umbenannt wurde. Auch die Nummerierung der Grundstücke hatte sich geändert, so dass die Anschrift nun Leonorenstr. 79 lautete. Doch schon im Jahr darauf musste Dr. Magnus seine Praxis schließen, und die Familie wurde in die Bozener Straße 9 in Schöneberg, eine Sammelstelle für jüdische Bürger, zwangseingewiesen.

Eingang des Hauses Leonorenstraße 79

Martin Magnus hatte stets die Ansicht vertreten, dass Pogrome nur in „unzivilisierten Ländern wie Russland und Polen“ möglich seien. Eine Auswanderung aus Deutschland hatte er nie in Erwägung gezogen. Erst jetzt entschloss er sich, seinen inzwischen sechzehnjährigen Sohn –- ausgestattet mit nur 10 Mark -– mit einem Kindertransport nach England zu schicken, wo der junge Mann, bevor er sich zum Dienst in der British Army meldete, den Namen George Marlow annahm.

Dr. Martin Magnus und seine Frau Else wurden am 6. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Was in dem jungen Gerd/George vorgegangen sein muss, darüber können wir nur Vermutungen anstellen. Zu jung, um gut mit der Trennung von den Eltern klarzukommen, sich deshalb vielleicht „weggeschickt“ und im Stich gelassen fühlend, andererseits alt genug, um dem Vater politische Kurzsichtigkeit und Sturheit vorzuwerfen. – Erst 1973 erhielt der Sohn vom National Museum Auschwitz die Information, dass seine Mutter, nach deren Verbleib er geforscht hatte, mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer der Gaskammern von Auschwitz umgebracht worden war.

Seit dem 10. Juni 2009 erinnern zwei Stolpersteine vor dem Haus Leonorenstraße 79 an Dr. Martin und Else Magnus. Die Verlegung hatte George Marlow noch initiiert, konnte sie aber nicht mehr miterleben, da er wenige Monate zuvor in London verstarb.

Quellen:
Seite der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
JEWIKI – Martin Magnus

Weiterführende Literatur:
Rebecca Schwoch: Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus, Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2009

Advertisements