Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er in die weite Welt,
dem will er seine Wunder weisen
in Berg und Wald und Strom und Feld.

Als Joseph von Eichendorff diese Zeilen schrieb (1822) und Friedrich Theodor Fröhlich elf Jahre später eine Melodie dazu komponierte, da waren die Menschen nicht nur frommer als heute, sie erwanderten sich „Gottes Wunder“ in der „weiten Welt“ auch noch eher, als dass sie sie erfuhren oder gar erflogen, denn obwohl den Brüdern Montgolfier bereits 1783 ein Flug in einem Heißluftballon gelungen war, können wir auch vierzig Jahre später davon ausgehen, dass Eichendorff hauptsächlich an den Wanderer „in Berg und Wald und Strom und Feld“ dachte.

Bis zum heutigen Tag ist weder Eichendorffs Gedicht, noch Fröhlichs Melodie in Vergessenheit geraten, und das Wandern erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit. Das war Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack von der Ostfalia Hochschule Anlass genug, in den vergangenen zwei Jahren 643 Personen zu befragen, was ihnen auf ihren Wanderwegen und in der durchwanderten Landschaft als besonders störend aufgefallen war. Der Hintergedanke bei dieser Befragung war, ob etwa die vermehrt sichtbaren Formen alternativer Energiegewinnung -– vor allem aber die Windkraftanlagen –- zu einer Beeinträchtigung des Wandergenusses führen.

Von den über 50-Jährigen fühlen sich fast die Hälfte durch Windkraftanlagen gestört, während es in der Altersgruppe bis zu 29 Jahren nur 23 Prozent waren. Abgesehen von diesem „Störfaktor“, waren den Wanderern vor allem Abfall in der Landschaft, Atom- und Kohlekraftwerke und Flug- und Verkehrslärm unangenehm aufgefallen, und viele hätten sich eine bessere Beschilderung der Wanderwege gewünscht.

Dies lesend, fragte ich mich plötzlich, wie es wohl den Wanderern in alter Zeit ergangen sein mag, als Windmühlen die Landschaft zu verunzieren begannen. Ja, verunzieren! – Man betrachte bitte dieses Bild:

Windmühlen auf dem Kinderdijk

Kinderdijk

Es heißt, die Mühlenlandschaft von Kinderdijk gehöre zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Niederlande, wobei das Wort „Mühlenlandschaft“ gut gewählt ist, denn ohne Mühlen –- das muss auch ich zugeben -– könnte man von Landschaft kaum sprechen. Da ist nichts. Das ist völlig plattes Land. -– Aber schön …… Also, schön sind diese Mühlen, bei denen es sich übrigens um Windpumpen handelt, trotzdem nicht, wenn man es mal objektiv betrachtet, und obwohl Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Mit demselben Fug und Recht kann man Windräder als schön bezeichnen. Und wer sagt denn, dass nicht auch der eine oder andere Windpark irgendwann in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen wird –- vorausgesetzt er steht lange genug, was man bei allem heutzutage Gebauten leider bezweifeln muss. Irgendwann wird allein der Umstand, dass etwas alt ist, ausreichen, es als Welterbe zu betrachten. Einigen wir uns darauf: Die Mühlen von Kinderdijk sind alt, und sie sind Welterbe, aber auch sie wurden einst aus rein praktischen Erwägungen heraus gebaut und mögen das Auge des einen oder anderen Betrachters erst einmal gestört haben, bevor es sich daran gewöhnte. Man erinnere sich nur an den armen Don Quijote, der sich von Riesen bedroht fühlte und im Kampf gegen Windmühlen einige böse Beulen davontrug. Hier ist noch anzumerken, dass die Windmühlen auf der iberischen Halbinsel ursprünglich von den Arabern eingeführt worden waren und sich mit dem Islam verbreitet hatten. Wir sollten die Chance ergreifen und uns mit Windparks revanchieren. Es wäre eine Überlegung wert, im Mittelmeer Offshore-Windparks so anzulegen, dass sie gleichzeitig als sichere Fluchtwege benutzt werden können. Vorab könnte man ja schon mal eine Befragung bei Yachtbesitzern durchführen.

Quelle:
Wandern und Windenergie – Ergebnisse einer Langzeitstudie

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