„Groß ist die Zahl seiner literarischen Fehlschläge, kühn und kurios sind seine politischen Verlautbarungen, seine beschwörenden Warnungen und düsteren Prophezeiungen. Was immer er schreibt und verkündet, wird, nun schon seit vielen Jahren, beanstandet und belächelt, gerügt und gegeißelt. Ignoriert wird es nicht“, schrieb Marcel Reich-Ranikcki anlässlich des Erscheinens von Günter Grass‘ Erzählung „Unkenrufe“ im SPIEGEL 19/1992. Dem ist auch nach über zwanzig Jahren weder viel hinzuzufügen, noch wäre etwas zu streichen. Reich-Ranikcki ist seit bald zwei Jahre tot, und heute starb nun auch Günter Grass.

Im Dezember 2008 hatte ich dem vielleicht bekanntesten der zeitgenössischen deutschen Schriftsteller und ehemaligem Präsidenten der Akademie der Künste eine kleine Referenz erwiesen. Er, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch Bildhauer, Maler und Grafiker war, hatte mit seiner „Unke“ ein Bild geschaffen, dass mir mehr als irgend ein anderes zu einem etwas schrägen aber durchaus ernst gemeinten Gedanken meiner Wenigkeit zu passen schien.

Günter Grass: Unke

Günter Grass: Unke

Ich frage mich,
ob Unken nicht lieber
in einem Irrturm wohnen würden.

Und vielleicht hätte mir Grass, wäre ihm das unter die Augen gekommen, sogar ein bisschen Recht gegeben. Möglich auch, dass er mich wegen Verletzung des Urheberrechts ins Armenhaus geklagt hätte.

Zu beklagen bleibt nun der Verlust einer Unke.

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