Cassandra Austen: Jane Austen (1775 - 1817)

Cassandra Austen: Jane Austen (1775 – 1817)

Ihre Romane zählen zu den Klassikern der Weltliteratur, und dennoch habe ich mich bis vor kurzem erfolgreich davor gedrückt, auch nur einen einzigen davon zu lesen. Gelesen habe ich, genau genommen, immer noch keinen – aber gehört.

Ich gebe es zu: Was der Befriedigung meines Nachholbedarfs auf die Sprünge geholfen hat, ist der Umstand, dass ich das Hörbuch auf dem „Grabbeltisch“ bei Hugendubel entdeckte -– zum Sonderpreis. Für 9,95 € zwei Wochen lang jeden Abend innerhalb von weniger als einer Stunde nach dem Zubettgehen einschlafen -– ohne Nebenwirkungen ist ein guter Deal, sagte ich mir und schritt mit meiner Entdeckung zur Kasse.

Jane Austen wurde 1775 in Steventon in Hampshire, als siebtes von acht Kindern (sechs Buben und zwei Mädchen) des Pfarrers William George Austen und seiner Frau Cassandra geboren. Ihrer älteren Schwester, welche nach der Mutter benannt worden war, stand Jane Austen besonders nahe. Sie war es auch, welche die beiden einzigen von der Schriftstellerin existierenden Porträts zeichnete. Andere Gemälde, welche angeblich Jane Austen darstellen, sind eher der Erinnerung oder Phantasie des jeweiligen Künstlers entsprungen. Es ist jedenfalls nicht belegt, dass Jane selbst Modell dafür gestanden hat. So fand ich es denn auch bezeichnend, dass ziemlich zu Beginn des Romans „„Emma““ davon berichtet wird, wie Harriet Smith nur von ihrer Freundin Emma Woodhouse porträtiert werden möchte, während der (noch) ledige Dorfpfarrer Mr. Elton den Sitzungen beiwohnt, und das Missverständnis, dass er dies aus Bewunderung für die Malerin und nicht für das Modell tut, das erste einer ganzen Reihe von Missverständnissen ist. Wer eine vollständige Inhaltsangabe lesen möchte, findet eine solche bei Wikipedia.

„“Emma““ zählt bereits zum „reifen“ Werk Jane Austens, die im Alter von zwölf Jahren ihre ersten Schreibversuche gemacht hatte und vom an Literatur interessierten Vater nach Kräften gefördert wurde. Bis sie in ihrem 42. Lebensjahr starb, hatte sie weder geheiratet noch Reisen unternommen aber sieben Romane und eine Vielzahl weiterer Werke verfasst, von denen keines unter ihrem Namen erschien. Statt der Nennung des Verfassers trugen sie nur den Hinweis „„by a Lady““. Jemand wie ich fragt sich zwangsläufig, woher sie unter solchen Umständen den Stoff nahm, aus dem sie ihre Geschichten webte. Ein Antwort auf diese Frage findet sich ebenfalls in „“Emma““. Es ist der „„innere Reichtum““, dessen die frischgebackene und recht unsympathische Mrs. Elton sich so gerne rühmt, wobei Austen das mögliche Vorhandensein inneren Reichtums nicht etwa in Abrede stellt -– nur eben bei dieser Frau.

Ich weiß nicht, ob meine Mutter jemals Jane Austens „„Emma““ gelesen hat. Ich bezweifle es eher. Doch wenn es so wäre, würde es vieles erklären –- wie zum Beispiel die Neigung zu endlosen Überlegungen zu jedem Wort, jeder Geste jedes Einzelnen während eines geselligen Beisammenseins. In meiner Familie verstand sich darauf nur meine Mutter, und jetzt begreife ich, was mich intuitiv von Jane Austens Romanen bisher ferngehalten hat. Solche Deuteleien und die sich daraus ergebenden Spekulationen sind nicht mein Ding.

Doch nach 17 Stunden, 2 Minuten und 47 Sekunden „Emma“ kann man so etwas nicht schreiben, ohne über die eigenen Gedanken geradezu bestürzt zu sein. Indem ich über meine Vorschädigung spreche, ja, über eine Schädigung überhaupt, statt vor allem den Gewinn an innerem Reichtum zu betrachten, werde ich weder Jane Austen noch meiner Mutter gerecht. Und so viel muss ich zugeben: So gut vorgelesen wie von Eva Mattes, hatte der Roman durchaus seinen Reiz. Zwar bin ich manchmal trotzdem mitten in einer CD eingeschlafen, doch habe ich dann am nächsten Abend geduldig den Track gesucht, von dem an ich sie weiter hören wollte, habe mir also nichts „„geschenkt““. Dennoch wird mein erster Jane-Austen-Roman wohl mein letzter bleiben. Interessieren würde mich nur noch, ob es unter den begeisterten Austen-Lesern auch viele Männer gibt, oder ob die meisten Männer nicht doch eher wie ich gestimmt sind und aus einer Art Vorahnung heraus erst gar nicht zu Lesern werden.

CD-Cover:

Jane Austen
„Emma“
gelesen von Eva Mattes
Argon Verlag (Ungekürzte Ausgabe, 14 CDs)

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