Jedes Jahr veröffentlicht das Namenkundliche Zentrum der Universität Leipzig eine
Vornamenstatistik, anhand derer werdende Eltern sich Anregungen holen und bereits gewordene Eltern sich vergewissern können, ob sie mit der Namenswahl für ihren Nachwuchs im Trend lagen. 2014 waren bei den Mädchen Sophie oder Sophia (wahlweise auch mit einem f in der Mitte geschrieben) sowie Marie und Maria die Favoriten. Auf der Beliebtheitsskala der Vornamen für Jungen standen Maximilian, Alexander und Paul ganz oben. Das bedeutet jedoch nicht, dass in fünf Jahren die Maries und Maximilians in den Schulklassen durchnummeriert werden müssen. Auf den deutschen Standesämtern wurden im vergangenen Jahr 21.152 unterschiedliche weibliche Vornamen und 20.362 verschiedene männliche Vornamen eingetragen. Die hundert häufigsten Namen verteilen sich auf gerade mal zwei Prozent aller Neugeborenen. 66 Prozent aller weiblichen und männlichen Vornamen wurden nur einmal eingetragen, und davon waren über 20 Prozent Doppelnamen mit Bindestrich.

Diese Diversität ist zum großen Teil der kulturellen Vielfalt zu danken aber auch einer zunehmend großzügigen Handhabung der amtlichen Vorgaben, welche der Freiheit von Eltern, den Namen ihres Kindes zu bestimmen, gewisse Grenzen setzen. Zu den eher ausgefallenen aber standesamtlich akzeptierten Vornamen des Jahres 2014 gehören z.B. Xantippe, Pepper-Ann, Fürchtegott, Jesus, Messi, Napoleon, Macdonald und Schnuckelpupine. Weniger überraschend ist da schon, dass die Fußballweltmeisterschaft mit Namen wie Lukas oder Mats zu Buche schlug. Erkennbar ist auch ein Trend zum Familienbezug. So sind Sabine, Nicole, René und Stefan wieder im Kommen, Namen, welche den Eltern, Onkeln und Tanten in den 1970er und 1980er Jahren gegeben wurden. Gestiegen ist der Anteil an Kindern, welche nur noch einen Vornamen haben (54,1 %), doch gleichzeitig stieg der Anteil der Bindestrichnamen.

Cover: Beiträge zur Namenforschung - Tiernamen - ZoonymeHaustierbesitzer werden mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen, dass nicht nur Menschennamen wissenschaftliches Interesse erwecken.

Im Universitätsverlag Winter zu Heidelberg ist im Februar dieses Jahres Band 1 der Beiträge zur Namensforschung : Tiernamen – Zoonyme erschienen, der sich mit Haustrieren befasst. Dass auch Nutztiere Namen haben, die von wissenschaftlichem Interesse sind, können wir daraus schließen, dass mit dem Erscheinen von Band II im August dieses Jahres zu rechnen ist. Die Landwirte unter den Lesern mögen sich bitte noch etwas gedulden.

Bello, Rex oder Hasso haben als typische Hundenamen jedenfalls ausgedient. 60 Prozent aller Haustiere tragen einen Personennamen, haben A. Dammel und D. Nübling herausgefunden, also einen Namen, dem man auch einem Neugeborenen geben könnte –- wobei, wie oben angedeutet, das ja fast auf jeden Namen zutrifft, außer auf Bello vielleicht (wessen ich jedoch nicht sicher bin). Als beliebteste Namen für Kaninchen werden Lilly oder Lilli, Luna und Paul genannt.

Es gab einmal eine Zeit, da trug ich mich mit dem Vorsatz: Sollte ich mir jemals einen Hund anschaffen, werde ich ihn Klaus-Dieter nennen. Das war nur deshalb witzig, weil zu jener Zeit wohl niemand seinen Hund, Klaus, Dieter oder gar Klaus-Dieter genannt hätte. Es ging mir jedoch gar nicht ums Witzige. Die Vorstellung, auf einsamen Waldspaziergängen notfalls laut nach Klaus-Dieter rufen zu können, erschien mir beruhigend. Ich hielt es dann allerdings doch für die noch bessere Idee, die einsamen Waldspaziergänge einzustellen.

Mein jüngstes Enkelkind heißt übrigens Klecks. Aber das ist nur der „Arbeitstitel“. Bis zum voraussichtlichen Erscheinungsdatum Ende August wird den lieben Eltern wohl etwas eingefallen sein, das in die Namenstatistik 2015 der Universität Leipzig zwar einfließen wird aber nicht besonders erwähnt werden muss.

Quellen:
Pressemitteilung des Namenkundlichen Zentrums der Universität Leipzig
Pressemitteilung der Johannes Gutenberg Universität Mainz

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