Zu keinem Zeitpunkt meines Lebens war ich alt genug, um ein Fan von Roy Black zu sein, auch wenn der nur fünf Jahre älter war als ich und ich heute 18 Jahre älter bin als Roy Black bei seinem Tod. Dennoch kam es mir vor, als hörte ich ihn leise „„Du bist nicht allein, …““ singen, als ich in der Süddeutschen Zeitung (13. März 2015) den Bericht über die (zu dem Zeitpunkt noch unentschiedene) Olympia-Bewerbung Berlins las. Der Verfasser, Holger Gertz, hatte im Vorfeld unter anderem ein Interview mit Judith Demba geführt, einst Mitbegründerin der Grünen in der DDR, heute in der Linken und vehemente Gegnerin Olympischer Spiele in Berlin und des IOC generell. Ich war auch mal bei den Grünen (wenn auch nicht in der DDR), bin allerdings von dort weder zur Linken noch zu einer anderen Partei gewechselt. Meine Gemeinsamkeit mit Demba beschränkt sich auf die Vorbehalte gegen das IOC und eine mögliche Lösung des Problems.

Damit nun niemand denkt, ich gehöre zu den Mitverantwortlichen für die schmähliche 55%-Zustimmung zu Olympia in der Hauptstatt, verglichen mit überzeugenden 64 Prozent in Hamburg, möchte ich kund und zu wissen tun, dass ich erstens gar nicht gefragt wurde und zweitens, wäre ich gefragt worden, mir vorgenommen hatte, mich für eine Olympia-Bewerbung Berlins auszusprechen. Nicht aus Begeisterung sondern einfach, weil man nicht immer alles miesmachen sollte, nur weil man Menschengedränge verabscheut, und einer Stadt, die anlässlich einer Fußball-WM viel Sympathie geweckt hat, sollte man Olympische Spiele schon zutrauen. Aber so, wie es gelaufen ist, ist mir nach der Entscheidung am Montagabend doch ein Stein vom Herzen gefallen. Man stelle sich vor, Berlin wäre zum Kandidaten gekürt worden und bei der Volksbefragung im Herbst wäre dann doch keine Mehrheit zustande gekommen. Peinlichkeit ohne Ende und die Hamburger um ihre Chance geprellt. Es ist gut, wie es ist. Häkchen dran!

Ich würde auf das Thema auch nicht mehr zu sprechen kommen, wären da nicht die letzten zwei Absätze auf Seite Drei der Süddeutschen vom Freitag. Da kommt Holger Gertz noch mal auf das Interview mit Judith Demba zurück:

Judith Demba sagt: „Wenn man die Veranstaltung beibehalten will, wäre es eine gute Idee, permanent nach Griechenland zurückzugehen. Dann fände das immer am selben Ort statt, man braucht kein IOC mehr, die Länder sparen unendlich viel Geld, der ganze Bewerbungsstress fällt weg. Dann könnten sich ja alle finanziell daran beteiligen, dass die Anlagen instand gehalten werden. Und wenn es denn stimmt, dass Olympia wirtschaftlich so lukrativ ist – dann würde man den Griechen in ihrer Not ja sogar noch ‘n Gefallen tun damit.“

Sie kann sehr doppelbödig lächeln, man weiß nicht, ob sie das ernst meint, was sie sagt. Aber bei dieser Lösung würde sich ein Werbeproblem wie das von Air Berlin nicht stellen, es gäbe ausnahmsweise klare Ansagen. Die griechische Fluggesellschaft heißt Olympic, immer schon. Die Vorgaben des OlympSchG blieben unberührt.

Ich lächle gerade auch doppelbödig. Die Idee, den Griechen die Olympischen Spiele als ihr rechtmäßiges Eigentum zurückzugeben, hatte ich nämlich schon vor fast fünf Jahren -– siehe „Heureka!“ – Nur an die griechischen Flieger hatte ich damals nicht gedacht. Beim Thema Griechenland und Fliegen fielen mir immer nur Dädalus und Ikarus ein. – Griechenland, auch du bist nicht allein, wenn du nicht zu hoch fliegst.

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