Zu den plattesten Witzen auf Kosten der Männer gehört: Als Gott den Mann schuf, übte SIE noch. Ich will jetzt nicht ernsthaft in die Philosophie einsteigen und darlegen, warum meiner Ansicht nach die Vorstellung, Gott sei eine Frau genauso blöd ist, wie sich vorzustellen, es handle sich um einen alten Mann mit Bart. Etwas anderes ist –– bei aller Plattheit –– interessant an dem Satz. Reduzieren wir ihn mal auf: …… Gott …… übte.

Die Menschen, die einem im Laufe des Lebens begegnen, erteilen einem ja hin und wieder kleine Lektionen. Kürzlich las ich sogar in einem Blog: Wir sind alle Lehrer. – Dabei muss man nicht gleich an einen erhobenen Zeigefinger oder an ständiges Belehrtwerden denken. Es ist grundsätzlich schön, wenn Menschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Seltsam dagegen ist, dass uns oft Lehren, mit denen wir wenig bis nichts anfangen können, besonders lange im Gedächtnis bleiben. So erinnere ich mich zum Beispiel gut jenes über vierzig Jahre zurückliegenden Tages, an dem ein Kollege –– seines Zeichens Tischler –– das Büro betrat und kopfschüttelnd meinte, gewisse Dinge könnten eben nur Anfängern gelingen. Das damals aktuelle Beispiel, das ihn zu seinem Kopfschütteln veranlasste, war, dass jemand eine Sperrholzleiste fast am äußersten Ende angenagelt hatte. „Dabei kann es einem Fachmann durchaus passieren“, fuhr er fort, „dass er die mindestens zehn Zentimeter Abstand zum Ende der Leiste einhält, und das Holz sich trotzdem spaltet. Anfängerglück!“ Der abschließende Ausruf bezog sich natürlich auf die Tat des Laien. Der Begriff Könnerpech hat noch keinen Eingang in den Duden gefunden.

Ich merkte mir also damals im Stillen, dass, sollte ich jemals eine Sperrholzleiste irgendwo annageln müssen, ich nun ja wüsste, dass man die äußersten Nägel mit mindestens zehn Zentimeter Abstand zum Ende der Leiste einschlägt. Andererseits, so überlegte ich – auch damals schon, wäre ich ja eine Anfängerin und entweder durch das sprichwörtliche Anfängerglück vor einem Misslingen gefeit, oder eine vorgetäuschte Sachkunde könnte erst recht dazu führen, dass …… Um es kurz zu machen: Ich habe in meinem ganzen Leben keine Sperrholzleiste angenagelt, das Wissen um das Wie trage ich also seit Jahrzehnten quasi als Ballast mit mir herum. Nun, viel wiegt es ja nicht. Eher gleicht sein spezifisches Gewicht dem eines Korkens. Daher kommt es wohl, dass es bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit aus meiner Erinnerung auftaucht, so zum Beispiel kürzlich wieder, als ich einen launigen Text las, dessen Autor an der Vollkommenheit der göttlichen Schöpfung Zweifel hegte. – Vielleicht, dachte ich, hat, wer auch immer Gott sein mag, nur Anfängerglück gehabt, und das, was wir heute den Urknall nennen, war eine mehr schlecht als recht kontrollierte Sprengung von irgendwas, als deren Resultat nun zwischen vielen anderen Sachen ein kleiner blauer Planet um eine Sonne kreist, in zufällig genau der richtigen Entfernung, damit sich auf diesem Planeten nach und nach organisches Leben entwickeln konnte. Der Rest der Geschichte ist mehr oder weniger bekannt –– jedenfalls aus Sicht der Bewohner des kleinen blauen Planeten. Jene organische Lebensform, die sich mittlerweile selbst als intelligent bezeichnet, verhält sich allerdings so, als wüsste sie genau, dass Gott damals nur geübt hatte, und dass es irgendwo ein weitaus besser funktionierendes Spätwerk gäbe, das man schon irgendwann entdecken würde, und auf das man dann ausweichen könnte, wenn man den kleinen blauen Planeten ruiniert hätte.

Das sog. Intelligente Leben vergisst dabei, dass es Anfänger gibt wie mich, also solche, die gar nicht erst anfangen, und Anfänger, wie den gedachten Gott, die beharrlich weiter machen, dazwischen aber auch Anfänger, die es bei einem Versuch belassen. Wie es in diesem Fall ist, weiß man halt nicht. Sicherheitshalber sollte man sich also vielleicht doch so verhalten, als gäbe es kein verbessertes Nachfolgermodell unserer Erde.

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