Dass die Blumenuhr in mein vor sich hin veraltendes Lexikon keinen Eingang gefunden hat, mag daran liegen, dass mit dem Begriff unterschiedlich „funktionierende“ Uhren bezeichnet werden, denen allerdings Zweierlei gemeinsam ist: Dass es sich um Uhren handelt, und dass sie etwas mit Blumen zu tun haben.

Da wäre zunächst das dekorative Gartenbauelement, für welches die Blumenuhr mit Uhrwerk an der Zittauer Fleischerbastei (hier mit Sommerbepflanzung) ein schönes Beispiel bildet.

Blumenuhr, Zittau

Viel Interessanter aber noch ist die Blumenuhr, welche Carl von Linné im Botanischen Garten von Uppsala anlegte. Auch sie verfügte über ein Blumenbeet in Gestalt eines Zifferblatts, kam jedoch ohne Uhrwerk und ohne Zeiger aus. Die Uhrzeit konnte der aufmerksame Beobachter ablesen, indem er darauf achtete, welche Pflanzen ihre Blüten gerade gänzlich geöffnet hatten. –– Die Idee zu dieser Uhr war dem aufmerksamen Naturbeobachter von Linné fast von selbst gekommen, nachdem er vermerkt hatte, dass unterschiedliche Pflanzen ihre Blüten zu unterschiedlichen Tageszeiten (und auch Nachzeiten) ganz öffneten. Wer sich mit diesem der Chronobiologie zuzurechnenden Phänomen näher beschäftigen möchte, könnte zum Beispiel „Blumenuhren, Zeitgedächtnis und Zeitvergessen“ von Wolfgang Engelmann, Institut für Botanik der Universität Tübingen, lesen. Hinter dem Link verbirgt sich der komplette Text als PDF. – Von Carl von Linné heißt es, ein Blick aus dem Fenster auf seine Blumenuhr habe ihm genügt, um die Uhrzeit auf fünf Minuten genau abzulesen.

Quelle:

Wikipedia: Blumenuhr

Nachwort:

Bevor der letzte Satz des obigen Texten aus dem Gedächtnis verschwindet: Ich halte das für ein bisschen übertrieben. Als aufmerksamer Beobachter dürfte der schwedische Naturforscher auch das Wandern der Schatten in seinem Garten zu einer bestimmten Jahreszeit gut genug gekannt haben, um sie (zum genaueren Zeitabgleich) wie eine Sonnenuhr zu deuten. Doch das Phänomen bleibt unbestritten, und ich wurde darauf aufmerksam durch den jungen englischen Schriftsteller Ned Beauman, der seine Themen zunächst aus der uns alle umgebenden Luft zu greifen scheint, um sie dann mit Versatzstücken aus seiner (oft bei Wikipedia aufgestöberten) Skurrilitätensammlung auf unterhaltsame Weise zu verfremden. Beauman also hatte in seinem neuesten Roman „“Glow““ eine linnésche Blumenuhr verwendet, was ihm wiederum eine Erwähnung in einem Artikel über Blumenuhren der New York Times am letzten Januar-Wochenende einbrachte. – Und warum schreibt man in New York über Blumenuhren, während die Stadt gerade einem Blizzard entronnen ist? Nun, wohl aus dem gleichen Grunde, aus dem sich hier die Schaufenster mit Frühjahrsmode und Gartenutensilien füllen, und aus dem ich jetzt über Blumenuhren schreibe. Das Herbeireden, Herbeischreiben und Herbeidekorieren schein ein wirksamer Zauber zu sein –– im Gegensatz zu den Silvesterkrachern, die leider keine bösen Geister vertreiben.

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