Als Eigenschreibung bezeichnet man bei Firmen- oder Markenamen die vom Namensinhaber festgelegte Schreibweise (Verwendung von Groß- oder Kleinbuchstaben, Bindestrichen, Getrennt- oder Zusammenschreibung, einschließlich der Abweichung von Regeln der gültigen Rechtschreibung). Bei Personennamen, die in der Muttersprache des Namenträgers in anderen als lateinischen Schriftzeichen geschrieben werden, ist die Eigenschreibung die von der Person selbst verwendete lateinische Schreibweise.

„Das Thema ist ein Dauerbrenner“, heißt es bei Wikipedia, und die Rede ist von der Eigenschreibung von Firmen- und Markennamen. Muss man, wenn man das Nachrichtenmagazin Spiegel erwähnt, korrekterweise DER SPIEGEL schreiben, was eine Hervorhebung im Text bewirkt, die vom Autor, der auch andere Quellen gleichberechtigt zitieren möchte, nicht beabsichtigt ist?

Vor einigen Jahren musste ich mich entscheiden, ob ich bei der Übersetzung von Künstlerbiographien auch die Namen der in der Biographie erwähnten Hochschulen und sonstigen Institutionen übersetzte oder übersetzen ließ. Da ich, auch wenn das obige Beispiel eher dagegen spricht, eine Befürworterin der Eigenschreibung bin, verbrachte ich in der Folgezeit so manche Stunde damit, herauszufinden, ob die jeweiligen Einrichtungen ihre Namen in von ihnen selbst editierten fremdsprachlichen Texten übersetzten oder –- als Eigennamen -– in der Landessprache beließen, und verfuhr entsprechend.

Nun entnahm ich heute der Hausmitteilung des Magazins DER SPIEGEL (!!!), man werde, beginnend mit der aktuellen Ausgabe, die Schreibweise arabischer, persischer, kurdischer und hebräischer Namen verändern. Galt bisher die eingedeutschte Schreibweise (z.B. Massud Barsani), so wird man künftig dem Prinzip der Eigenschreibung (Masoud Barzani) folgen. Kritiker dieser Entscheidung werden anmerken, dass diese „Eigenschreibung“ ganz zufällig auch der im englischen Sprachraum verwendeten Schreibweise entspricht. Fast könnte man es einen Anglizismus nennen. Und woher wissen wir, dass Herr Barzani sich tatsächlich so schreibt, wenn er sich keiner arabischen Schriftzeichen bedient?

Wie gesagt: Ich bin grundsätzlich für die Eigenschreibung, stimme aber auch Wikipedia zu, dass es sich bei der Frage um einen Dauerbrenner handelt. Völlig ungeklärt ist zum Beispiel, ob Sokrates weiter mit ‚k‘ geschrieben wird oder ob es nicht doch „Socrates“ heißen sollte.

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