Unter Desinformation versteht man – bei Wikipedia nachzulesen – die absichtliche Verbreitung falscher Informationen bzw. Unterdrückung von Informationen. Die klassische Desinformation, die es sicher schon zu allen Zeiten gegeben hat, verfolgt also einen Zweck.

Was aber ist Desinformation in der Informationsgesellschaft? Hier haben wir wieder so einen Begriff, bei dem sich verschiedene Lager um die Deutungshoheit streiten, aber sagen wir der Einfachheit halber: Die Rede ist von einer Gesellschaft in einem (relativ) freien Land, in dem (fast) jedem die modernen Medien und Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen. Eine Gesellschaft also, in der zum Beispiel jemand wie ich und Du/Sie bloggen und im Internet surfen können. Wir können uns also nicht nur informieren (lassen), sondern auch (andere) informieren. Wir könnten uns auch eine „richtige“ Webseite einrichten oder haben sie sogar, könnten dem Ganzen einen sehr seriösen Anstrich verpassen und uns internetpräsent über alle möglichen Themen verbreiten, ohne eine besondere Kompetenz oder gar Berechtigung nachweisen zu müssen. Gerade darin besteht ja die Informationsfreiheit. Und genau hier kommt die unfreiwillige Desinformation ins Spiel. In der Minderzahl der Fälle wird es so sein, dass der Autor eines Blogs oder einer Webseite absichtlich falsche Informationen verbreitet. Eher wird es sich um einen Mangel an Sorgfalt handeln, meistens um pure Gutgläubigkeit. Es wird weiterverbreitet, was man irgendwo gelesen und für richtig gehalten hat, die Weiterverbreitung wird zum Multiplikator der Desinformation.

Und nun komme bitte niemand mit dem Hinweis, man müsse der Zuverlässigkeit der Quellen eben kritisch gegenüberstehen (natürlich muss man das!) und im Zweifelsfall bei Wikipedia … -– Wer so argumentiert, dem empfehle ich, einmal zu einem etwas komplexeren Sachverhalt ausschließlich bei Wikipedia zu recherchieren. Er/sie wird sich Hände und Füße daran wärmen können, wie viele verschiedene Daten, Fakten, Zahlen er am Ende beisammen hat –- nicht etwa nur einander ergänzend, sondern leider auch einander widersprechend. – „„Ja, hat denn bei denen keiner die oberste Kontrolle und das Sagen und schmeißt den ganzen falschen Mist raus?““ flucht man schließlich und weiß im selben Moment, dass dies bei der Vielzahl der Beitragenden und der Vielzahl der Artikel a) unverzüglich gar nicht machbar ist und b) in einem unguten Verhältnis zur Informationsfreiheit stünde. Wer sollte denn diese Oberhoheit haben? Zwerg Allwissend? Es sind die User die einander kontrollieren und korrigieren und eben nicht allwissend sind.

Sollte man sich also doch wieder eine Encyclopedia Britannica ins Bücherregal stellen und nur ihr vertrauen -– obwohl sie zwangsläufig veraltet?

Ich bin im Moment an dem Punkt, wo ich keinen eine „Tatsache“ behauptenden Satz auf den Bildschirm bringe ohne nagende Zweifel im Herzen, ob ich damit unfreiwillig einen Beitrag zur um sich greifenden Desinformation leiste.

Im Grunde würde ich am liebsten ein Schweigegelübde ablegen.

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