Vor einigen Tagen durchkramte ich mein Fotoarchiv nach einem Bild, mit dem ich meinen Blog-Lesern – möglichst ohne viel Worte – frohe Ostern wünschen könnte. Was ich fand, war dies:

gefärbtes Ei im Eierbecher, mit Salzstreuer und Gabel

Ein Foto, das beim familiären Oster-Brunch vor vier Jahren entstand – als Resultat einer Spielerei mit der Kamera, die man sich zu Zeiten, als man noch Filme kaufen, entwickeln lassen und Abzüge bezahlen musste, eher nicht geleistet hätte. Ein JPEG, dessen Überleben nur meiner Nachlässigkeit beim Aufräumen des Archivs zu danken ist. Aber doch wenigstens ein Ei und noch dazu ein bemaltes! -– Nur: Was dazu schreiben? Einfach: Frohe Ostern? Oder doch mit dem Zusatz, dass man Eier nicht mit der Gabel isst?

Die Sache blieb unentschieden bis gestern Vormittag, als ich – häuslich beschäftigt – zwischen Stube und Küche hin und her lief und, die Küche betretend, aus dem Radio den Satz hörte: „“Er isst die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.““ [Deutschlandfunk, DAS FEATURE, 18.04.2014] Spontan versuchte ich, diesen Satz einer Person, einer Situation zuzuordnen. Und während ich noch überlegte, ob ihn die Köchin zum neuen Dienstmädchen sagen könnte, das eben im Begriff ist, Salz- und Pfefferstreuer auf das Frühstückstablett zu stellen, das sie dem gnädigen Herrn ans Bett tragen wird – oder in den Wintergarten, wo er (im Morgenrock) bereits die Zeitung liest… Während sich also Bilder in meinem Kopf zu eine kleinen Film reihten, hielt der Sprecher im Radio nicht inne, sondern zerstörte meine Illusion, indem er mir klarmachte, das es sich, bei besagter Mitteilung, um einen der 40 (endgültigen) Sätze Georg Wenkers handelt, sorgfältig entwickelt und als Fragebogen an Lehrer in Deutschland verschickt, um die räumliche Ausbreitung der deutschen Dialekte genau zu ermitteln. Nach Abschluss der Erhebungen in Deutschland 1887 lagen insgesamt 44.251 Fragebögen aus 40.736 Schulorten vor. Das Ergebnis dieser mühsamen Arbeit, die den als Bibliothekar tätigen Georg Wenker seine ganze Freizeit gekostet haben muss, ist der Deutsche Sprachatlas, der in seiner digitalen Form bis heute von Wissenschaftlern und Kriminologen genutzt wird. Auch Ansichten der Original-Fragebögen finden sich dort.

Ach, ich wollte es doch „„ohne viel Worte““. Ein weiterer Satz von Wenker lautet: „“Du hast heute am meisten gelernt und bist artig gewesen, du darfst früher nach Hause gehen als die anderen.““

Frohe Ostern!

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