Mit Büchern scheint es sich ähnlich zu verhalten wie mit Erlebnissen, denn auch das Lesen zum Beispiel eines Romans, einer Biographie oder eines Reisberichts ist ja ein gedankliches „Erleben“. Und so kann es sowohl beim Leben als auch beim Lesen vorkommen, dass das, was nicht in Vergessenheit geraten ist, in der Erinnerung in einem besseren Licht erscheint. Mit Walter Moers’‘ „“Das Labyrinth der Träumenden Bücher““ jedenfalls ist es mir so ergangen. Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich das Buch gekauft, mir beim Lesen einige Notizen gemacht, dann aber nichts hier im Blog darüber geschrieben, weil …… Ja, warum eigentlich nicht? – Ein gewisser Unmut scheint in mir rumort zu haben. Ein Unmut, der sich bei mir stets rührt, wenn etwas nach Hype riecht. Seis’s drum, denn …

„Schreiben ist der verzweifelte Versuch, der Einsamkeit etwas Würde abzuringen – und etwas Geld!“

Walter Moers (*1957) in Die Stadt der Träumenden Bücher

Zu der Zeit, als ich meine Gedanken zu Papier brachte, hatte ich gerade Vladimir Jabotinskys „“Die Fünf““, einen wunderbaren Roman über das alte Odessa, gelesen, und „“Mein Marseille““ von Jean-Claude Izzo harrte meiner. Und so begannen meine Notizen dann: „Wenn man so will, ist das auch ein Buch, in dem es vorrangig um eine Stadt geht. Allerdings ist Buchhaim eine Fantasy-Stadt. Dennoch ist deren Beschreibung das, was mir an Walter Moers‘ Roman am besten gefällt.

Über den Inhalt kann man bei Wkipedia nachlesen:

Wie bereits in früheren Zamonien-Büchern gibt Moers vor, lediglich als deutscher Übersetzer eines Werkes des zamonischen poeta laureatus Hildegunst von Mythenmetz zu fungieren. Laut Moers’ Konstruktion ist der Roman ein Ausschnitt aus Mythenmetz’ 25-bändiger, über 10.000-seitiger Autobiografie „Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers“.

Der vorliegende Roman berichtet von Mythenmetz’ Rückkehr nach Buchhaim und ist in diesem Sinne eine Fortsetzung von Die Stadt der Träumenden Bücher. Allerdings erzählt Das Labyrinth der Träumenden Bücher keine abgeschlossene Geschichte, sondern endet mit einem Cliffhanger. Im Nachwort erklärt Moers, dass der Roman nicht fristgerecht fertig geworden sei und daher in zwei Teilen erscheine. Der zweite Band mit dem Titel Das Schloss der Träumenden Bücher soll im Herbst 2014 erscheinen.

Über 200 Jahre sind vergangen, seitdem Hildegunst von Mythenmetz nach Buchhaim gereist ist und dort die Abenteuer erlebt hat, die in Die Stadt der Träumenden Bücher beschrieben werden. Inzwischen lebt er als berühmter Schriftsteller auf der Lindwurmfeste. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, jeden Morgen einige Briefe seiner umfangreichen Verehrerpost zu lesen. An dem Morgen, an dem die Geschichte beginnt, findet er in einem der Briefe ein Manuskript, das sich um den Horror Vacui, die Angst des Schriftstellers vor mangelnden Einfällen, dreht. Im Gegensatz zu einem ganz ähnlichen Text, der ihn vor zweihundert Jahren dazu veranlasste, nach Buchhaim zu reisen, ist dieser jedoch von bestürzend schlechter literarischer Qualität. Entsetzt stellt Mythenmetz fest, dass der Stil eine perfekte Kopie seines eigenen ist, ja sogar die Handschrift ist von seiner eigenen nicht zu unterscheiden. Der Brief endet mit dem Hinweis, dass der Schattenkönig zurückgekehrt sei. Als Absender ist Hildegunst von Mythenmetz, wohnhaft in der Ledernen Grotte in den unteren Katakomben von Buchhaim angegeben. Mythenmetz macht sich umgehend auf nach Buchhaim, wo er wenige Tage später eintrifft. Es folgt eine kurze Beschreibung der Veränderungen in der Stadt nach dem großen Brand, der von Homunkoloss verursacht wurde, sowie ein Abriss der Stadtgeschichte der letzten 200 Jahre durch einen Fremdenführer.

Danach begibt sich Mythenmetz in ein sogenanntes Qualmoir, um dort zu rauchen, was auf der Straße verboten ist.

Wer mehr über den Inhalt wissen möchte, möge dem Link über dem Zitat folgen. Das Rauchverbot auf der Straße ist jedenfalls nur eine von zahlreichen Verdrehungen oder Übertreibungen der bei uns herrschenden Verhältnisse und ähnlich amüsant wie die Feststellung, dass die in Buchhaim verehrten Dichter wunderbare Namen tragen wie Ojahnn Golgo van Fontheweg, Dölerich Hirnfidler, Eiderich Fischnertz oder Akud Ödreimer, bei denen es sich allem Anschein nach um Vor- oder Wiedergänger von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Friedrich Nietzsche und Eduard Mörike handelt. Eine Schreckse namens Beula Smecket hat ein Stück geschrieben in dem es darum geht, dass zwei Schrecksen unter einem kahlen Baum auf eine dritte Schreckse warten, die aber dann nicht kommt.

Es ist eine komplexe Welt voller satirischer Querverweise, und ich erinnere mich, dass mir dies stellenweise als zu viel und zu dicht erschien. Nichtsdestotrotz zeigt sich darin die enorme und deshalb vielleicht manchmal überschäumende Freude des Autors an Sprache, Literatur und Geschichte. Man kann sich nur wünschen, dass dies eine mitreißende Wirkung besonders auf junge Leser hat. Immer wieder blitzen Fragmente naturwissenschaftlicher Kenntnisse auf – eine Hommage an das, was fiktive Prosa sein kann: unterhaltsame Vermittlung von Wissen. Leuchtquallen gibt es tatsächlich, so wie auch Schwarzalgen, die in Aquarien offenbar eine Plage darstellen, wie ich herausgefunden habe. Ob sie allerdings einen Lakritzgeruch verbreiten, konnte ich nicht verifizieren.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch die graphische Gestaltung des Buches Spaß macht, indem sie mit verschiedenen Schriftgrößen und Schriftarten spielt, zum Beispiel blass wird, wenn ein Kranker mit geschwächter Stimme spricht.

Moers_Das_Labyrinth_der_Traeumenden_Buecher
Walter Moers
Das Labyrinth der Träumenden Bücher
Albrecht Knaus Verlag, 2011
ISBN-10: 3813503933
ISBN-13: 978-3813503937

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