Streuobstwiese

Streuobstwiese in Baden-Württemberg – Foto: Ulrich Tichy

Die Streuobstwiese, regional auch Obstwiese, Obstgarten, Bitz, Bongert oder Bungert genannt, ist eine traditionelle Form des Obstbaus, in Unterscheidung zum Niederstamm-Obstbau in Plantagen. Auf Streuobstwiesen stehen hochstämmige Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten. Streuobstwiesen sind meist charakterisiert durch eine Bewirtschaftung ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel. Traditionell üblich ist die landwirtschaftliche Mehrfachnutzung der Flächen: Sie dienen sowohl der Obsterzeugung und früher der zusätzlichen Blattstreugewinnung („Obernutzung“) als auch – da die Bäume locker stehen – der „Unternutzung“. Diese kann als Grünlandnutzung (Mähwiese zur Heugewinnung) oder direkt als Viehweide erfolgen. Die Imkerei spielt zur Bestäubung eine wichtige Rolle. Eine in Deutschland noch in Franken, Südbaden, Sachsen-Anhalt und dem südlichen Brandenburg verbreitete Sonderform (bis weit ins 20. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa weit verbreitet) stellen Streuobstäcker dar. Darüber hinaus gehören auch Obstalleen und Einzelbäume zum Streuobstbau.

Quelle
Wikipedia: Streuobstwiese

Nachwort
Selbst wenn man in seinem ganzen Leben noch keine Streuobstwiese gesehen hat (oder vielleicht doch gesehen hat, ohne zu wissen, dass es sich um eine Streuobstwiese handelt, und deswegen kein mit °Streuobstwiese“ zu untertitelndes Bild im Gedächtnis geblieben ist), kann man ja das Wort Streuobstwiese nicht hören, ohne sich dabei etwas vorzustellen. Die erste Vorstellung, die sich mir geradezu aufdrängte, jedes Mal wenn von Streuobstwiesen die Rede war, war die einer Wiese, auf der Obst verstreut wird – in der Hoffnung (oder gar berechtigten Annahme), dass hier oder dort der eine oder andere Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Pflaumenbaum daraus wüchse. Zur Zeit der „Obststreu“ sieht das dann aus wie eine Inszenierung für fotorealistisches Geschenkpapier. Mit derselben Regelmäßigkeit, mit der ich Geschenkpapier vor meinem geistigen Auge sah, korrigierte ich das Bild bzw. ersetzte es durch das der den Apfelbaum schüttelnden Goldmarie, denn wenn auch wohl nirgends der Obstanbau „locker aus dem Handgelenk“ erfolgt, gab es mitten auf Wiesen stehende Obstbäume bestimmt. Wie sonst hätte die Goldmarie beim Überqueren der Wiese an jenem Apfelbaum vorbeikommen sollen, der von ihr geschüttelt werden wollte, um die schwere Last seiner Äpfel… na, eben auf die Wiese zu streuen! Und ohne fleißige Goldmarien gäbe es nur Fallobst, von den verbrannten Broten mal ganz abgesehen.

Und heute konnte ich mich nun vergewissern, dass letztere Vorstellung von einer Streuobstwiese so falsch gar nicht war, denn heute habe ich nachgeschaut, als ich hörte, dass der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) den Grünspecht zum Vogel des Jahres 2014 gekürt haben, und dass der Grünspecht nur deshalb nicht vom Aussterben bedroht ist, weil er sich nicht gescheut hat, städtische Grünflächen zu besiedeln. Sein angestammter, bevorzugter Aufenthalt, die (Achtung!) Streuobstwiesen sind nämlich im Verschwinden begriffen. Vielleicht sollte man ja dazu übergehen, die städtischen Grünanlagen als Streuobstwiesen anzulegen. Damit könnten Parks (neben dem Internet) wieder zu den geeignetsten Plätzen für die Partnersuche werden. Wie leicht ließen sich die Goldmarien und -bärchen von den Pechmarien und -tropfen unterscheiden, und wie viele herrliche Möglichkeiten zum Anbandeln ergäben sich da!

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