Du liebe Güte! Peter Ustinov ist nun auch schon seit neun Jahren tot. Und sein Roman „Der Alte Mann und Mr. Smith“ erschien in der englischen Originalausgabe (The Old Man and Mr. Smith) 1990, also schon vor 23 Jahren. Ob es an den ewigen Gestalten liegt, Gott und der Teufel, die sich auf der Erde verabredet haben, um sich vom Treiben der Menschen ein Bild zu machen, dass der Inhalt nichts an Aktualität eingebüßt hat?

Mr. Smith reagierte energisch. „Es stimmt. Dank meiner Erkundigungen hier und dort, dank Leitartikeln in verschmutzten Zeitungen und zufällig mitangehörten Bemerkungen weiß ich, daß in diesem Land jedes Vergehen, und sei es noch so harmlos, jede winzige Gesetzesübertretung, jede private Ansichten als unkonventionell ausweisende Abweichung, in einem mit einem Gedächtnis ausgestatteten Computer gespeichert werden … und wenn jemand in Schwierigkeiten gerät, wartet man erneut mit den miesen Details auf, als wären sie von gestern. Das unterstreicht gleiche Bedingungen für alle –ö alle beginnen mit einer Benachteiligung.“
„Ein Computer?“ fragte der Alte Mann vorsichtig.
„Ein von Menschen erdachter Nachbau des menschlichen Geistes.“
„Es ist ihnen also gelungen?“ erkundigte sich der Alte Mann mit plötzlich banger Erwartung.
„Es gibt zwei zentrale Unterschiede. Er hat keine Phantasie und kann auch keine haben, einfach aus dem Grunde, weil er, sollte er sich je Phantasie aneignen, um es den Menschen gleichzutun – dann genauso ineffizient werden würde, wie sie es schon sind, und für sie folglich nur von begrenztem Nutzen wäre. Der zweite Unterschied besteht darin, daß Menschen mit der Zeit vergeßlich werden, ein Computer aber nie. In den von mir beschriebenen Fällen entspricht das einer Waschmaschine, die statt zu reinigen, Jahrzehnt über Jahrzehnt dieselbe dreckige Wäsche hervorbringt, wobei das Verstreichen der Zeit den Schmutz nur noch schlimmer aussehen lässt, als er ursprünglich war.“

Peter Ustinov
Der Alte Mann und Mr. Smith
Ullstein, Berlin 2004
ISBN 978-3-548-60058-1