Eine Zeitung kauft man morgens (und hat sie bis zum Mittag ausgelesen). Ich kannte wirklich mal jemanden, der diese Ansicht vehement verfocht und jeden mit Spott überschüttete, den er nachmittags oder abends noch die Zeitung lesend antraf. Heute wäre mir das egal gewesen. (Nein, ich glaube, es war mir auch damals schon egal, aber heute ganz gewiss.) Die Zeitung steckte so im Ständer, dass das Bild halb verdeckt war. Außerdem streifte mein Blick es zunächst nur flüchtig, als ich nach der Arbeit auf dem Heimweg am Kiosk vorbeiging. Trotzdem wusste ich sofort, was dieses Foto darstellte. Ich stoppte, zog die Zeitig aus dem Ständer und kaufte sie. Alles in mir jubelte. Das ist zu schön. Das ist vielleicht zu „gestellt“, um bei der nächsten World Press Photo eine Chance zu haben, aber für mich ist es definitiv das beste Pressefoto des Jahres, wenn nicht was weiß ich von wie vielen Jahren. Diese drei Taikonauten, die in die Sonne blinzeln und salutieren. Sitzend salutieren. Die Sitze scheinen auf komplizierte Art mit ihren Raumanzügen verbunden zu sein. Ich vermute, man hat sie mit den Sitzen aus der Kugel geholt. Aber zu der Kugel komme ich später. Noch faszinieren mich diese drei Figuren, denen man lange, hellblaue, seidig glänzende Schals umgelegt und jeweils einen Blumenstrauß in den Arm gegeben hat. Anturien, Rosen, Lilien und ein Kraut mit kleinen weißen Blüten, in rosa Papier gewickelt. Ich versuche mir vorzustellen, wie diese Menschen in der Kugel angeordnet waren. Wie Drillinge im Mutterleib? – Also, gut. Komme ich zur Kugel, deren Außerhaut man die Strapaze des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre ansieht. Diese Kugel hat etwas Archaisches. Jules Verne könnte sie erfunden haben, und die Taikonauten könnten seit hundertfünfzig Jahre darin durchs All geflogen sein, was ihre Leistung unzweifelhaft noch größer macht.

Ich schaue das Bild an und erkenne neidlos: China hat eine große Zukunft.

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