Was tut eine alte Tante, wenn sie nachts nicht schlafen kann? Glaubt man Georg Kreisler, dann tanzt sie Tango –- vorausgesetzt sie hat eine zweite alte Tante zur Gesellschaft. Da es mir daran gebricht, höre ich im Fall des Falles Radio. Das ist soweit ganz in Ordnung, denn da ich (jedenfalls an Werktagen) tagsüber nicht zum Radiohören komme, macht es nichts, dass nachts fast ausschließlich Wiederholungen gesendet werden. Das Einzige, das garantiert nie wiederholt wird, sind die Verkehrsdurchsagen. Selbst wenn man manchmal den Eindruck haben könnte, so handelt es sich bei den Radfahrern auf der Autobahn um 03.05 Uhr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um dieselben, die da schon um 17.05 unterwegs waren. Auch die Gegenstände auf der Fahrbahn sind vermutlich andere. Ich finde es ja immer schade, dass diese „Gegenstände“ nicht näher bezeichnet werden. Matthias Egersdörfer hat dazu auch schon einmal kritisch angemerkt, dass es schließlich einen Unterschied macht, ob es sich bei diesen Gegenständen um Serviettenringe oder eine Schrankwand handelt. Man könnte zwar meinen, es bleibt somit der Phantasie überlassen, und ein bisschen Beschäftigung für die Phantasie kann auf einer langen Autobahnfahrt sogar hilfreich sein, aber ich persönlich finde einen Gartenstuhl oder einen Teppich anregender als einfach nur Gegenstände. Meine Bitte an diejenigen, die Radiosender mit den entsprechenden Warnmeldungen versorgen, wäre also, etwas genauer hinzuschauen, was sich da auf der Fahrbahn befindet, und an die Radiosender, diese Meldung dann auch ausführlich wiederzugeben.

Eine Verkehrsdurchsage bringt der Deutschlandfunk übrigens sogar im Voraus, nämlich wenn es sich nicht um den Verkehr auf Auto- sondern auf Himmelsbahnen handelt. So hörte ich letzte Nacht um 02.05 Uhr bereits, was Schlafmützen erst um 16.35 Uhr erfahren werden, nämlich dass man zurzeit die Raumstation ISS, die immerhin die Größe eines Fußballfeldes hat, über den nächtlichen Himmel ziehen sehen kann. Sie tut dies recht flott und leuchtet, da sie von der Sonne angestrahlt wird, heller als jeder Stern. Wer also am Nachthimmel etwas entdeckt, dass sich relativ schnell bewegt, ohne wie ein Flugzeug zu brummen oder zu blinken, kann ziemlich sicher sein, dass es sich um die Raumstation handelt. Da die ISS die Erde innerhalb von 24 Stunden wohl 18-mal umkreist, sind die Chancen auf eine Sichtung nicht schlecht. Ich jedenfalls hatte prompt Glück. Um 02.17 tauchte sie hinter den Bäumen auf, die mir einen Teil der Sicht auf den Himmel vor meinem Fenster verstellen. Ich nutzte die Gelegenheit, um von meinem Bett aus den Astronauten zuzuwinken. Das Vergnügen hat man wahrlich nicht jeden Tag bzw. jede Nacht.

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