So hartnäckig wie der Winter sind in diesem Jahr die Erkältungen, von denen zurzeit alle Welt geplagt zu werden scheint. Und wenn ich sage ‚alle Welt’, so bitte ich, dies wörtlich zu nehmen. Selbst jene Zunft, die nicht im Mindesten hüsteln oder schniefen darf, während sie uns stündlich über das aktuelle Geschehen weltweit informiert, bleibt nicht verschont. Gemeint sind natürlich die Nachrichtensprecher und -sprecherinnen. In den letzten Tagen hat meine Bewunderung für ihren heroischen Stimmeinsatz tatsächlich den Grad der Heldenverehrung erreicht. Ich lausche den Nachrichten mittlerweile, als handelte es sich um Arien. So wie der Opernliebhaber in Verzückung geraten mag über einen lyrischen Koloratursopran oder einen Heldentenor, folge ich atemlos dem (fast) lautlosen Kampf der Nachrichtensprecher mit ihrem Hustenreiz, ergötze mich an der unnachahmlichen Disziplin des Nichthustens, an der Kunstfertigkeit, mit der ein winziger Schluck Wasser genommen wird, ohne den Sprachrhythmus zu unterbrechen -– hörbar eben nur bei äußerster Konzentration des Rezipienten. Mitfühlend blinzele ich die eigenen Tränen (der Rührung) weg. Nicht die Zyprer oder Zyprioten sind es, mit denen ich leide. Nein, ich zittere mit meinen Helden, denen vielleicht in diesem Moment ihre Notizen vor den Augen verschwimmen. Und endlich die Erlösung, wenn es heißt: „„Das Wetter…“: …“

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