Seit Freitag suche ich nach einem wissenschaftlich fundierten Artikel über die „angeborene Sternenkarte“ der Wildgänse –- seit ich in den Nachrichten immer wieder hörte, dass in der nebligen Nacht von Donnerstag auf Freitag unzählige Wildgänse in Brandenburg notgelandet waren, viele davon auf Autobahnen, deren Lichter in der dicken Suppe die einzige Orientierung waren, die ihnen noch blieb. Inzwischen weiß man, dass über 100 von ihnen dabei ums Leben kamen, zahllose andere wurden verletzt oder verletzten sich bei der Landung selbst.

Die Nachricht schlug mir mehr aufs Gemüt als die beunruhigenden Meldungen aus dem Nahen Osten. Es war einer von den Tagen, an denen die Luftfeuchtigkeit die arthrosebedingte Entzündung in meinen Hüften zu Höchstform auflaufen lässt, einer der Tage, an denen ich ausgesprochen ungnädig werde und schon die Erwähnung von Waffen genügt, mich denken zu lassen: Bringt euch doch alle um, ihr Idioten! Die Wildgänse dagegen …… Eine echte Tragödie, die nichts mit Dummheit, Geldgier und Machthunger, nichts mit religiösem Fanatismus oder sonstiger Rechthaberei zu tun hatte.

Es gibt kaum einen Anblick in der Natur, bei dem mir das Herz weiter aufgeht, als bei einem Zug von Wildgänsen. Auf der Seite des NABU Schleswig-Holstein schreibt Uwe Helbing: „Wer den Keil der Gänse am Himmel sieht oder ihre Rufe hört, der fühlt, dass sie noch einen weiten Weg vor sich haben und einen ebenso langen hinter sich.“ Vielleicht ist es ja das, was mich so berührt – die hohe symbolische Kraft dieses Bildes.

Der Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg, Matthias Freude, gab am Freitag ein Interview im Deutschlandfunk und sagte, er habe schon am Vorabend, als er in der Uckermark unterwegs war, über sich in der Luft das aufgeregte Schnattern der Gänse gehört, die versuchten, untereinander Kontakt zu halten. Gefragt von der Moderatorin, ob die Gänse sich nicht am Erdmagnetfeld orientierten, der Nebel ihnen also nichts ausmachen dürfte, erklärte er, dass sie sich tagsüber hauptsächlich an Landmarken und dem Sonnenstand orientierten, nachts an einer „angeborenen Sternenkarte“. Und seither wüsste ich eben gerne mehr über diese angeborene Sternenkarte. Wie lange braucht es, bis ein Verhalten genetisch wird?

Ich könnte die Frage auch anders stellen: Über wie viele Jahrtausende müsste der Mensch seinen festen Willen in den Frieden setzen und danach handeln, um genetisch friedfertig zu werden?

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