Kommode [frz.], niedriges Schrankmöbel mit Schubladen, seit etwa 1700 in Gebrauch. So lautet lapidar die Eintragung im Lexikon.

Wikipedia weiß auch nicht viel mehr zu sagen, geht aber zumindest auf die Bedeutung des Wortes ein:

Eine Kommode (frz. commode, „bequem“) ist ein mit Schubladen ausgestattetes Schrankmöbel. Entwickelt wurde sie aus der Truhe, die vergleichsweise umständlich von oben befüllt wurde oder dem Kabinettschrank. Im Vergleich zur Truhe wurde sie als praktischer, als kommod empfunden. Kommoden sind seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Gebrauch.

Über den Erfinder der Kommode scheint nichts bekannt zu sein. Es lässt sich nur vermuten, dass es jemand war, der die Erfahrung gemacht hatte: Was auch immer man gerade sucht, liegt in der Truhe immer ganz unten. Wie praktisch wäre es also, mit dem Suchen gleich unten beginnen zu können. Der erste Versuch, dem Problem abzuhelfen, dürfte also der Einbau einer Klappe dicht über dem Boden der Truhe gewesen sein. Das Ergebnis ist vorstellbar. Alles was oben lag rutschte nach, und die Klappe ließ sich nie wieder ordentlich schließen. Aber da ein Mensch mit Erfindergeist so schnell nicht aufgibt, kam es schließlich zum Bau der ersten „Schichttruhe“. „Jetzt kannst du bequem nach allem suchen“, sagte der stolze Erfinder zu seiner Frau, die über das Phänomen „das, was man sucht, liegt in der Truhe immer ganz unten“ noch viel öfter geklagt hatte als er. Allerdings stellten beide nun fest, dass das, was man gerade sucht, immer in der Schublade liegt, die man zuletzt öffnet. Es handelt sich dabei nämlich um eine Art Naturgesetz. Das Suchen ist für die Evolution wichtiger als das Finden. Der Suchtrieb ist uns angeboren. Schon das Neugeborene sucht die Mutterbrust, und später öffnen wir auch dann die falsche Schublade zuerst, wenn wir genau wissen, in welcher Schublade etwas nicht nur liegen sollte, sondern dies auch wirklich tut. Nicht zu zählen, wie oft ich Schubladen deswegen schon umgeräumt habe – mit traumwandlerischer Sicherheit immer genau dann, wenn ich mir die „richtige“ Schublade nun endlich gemerkt hatte und sie blind hätte öffnen können. Dank der Reorganisationsmaßnahme ging das Spiel „falsche Schublade zuerst“ jedes Mal von vorne los.

Das alles konnte den stolzen Besitzer der ersten „Schichttruhe“ und seine Frau nicht davon abhalten, in der ganzen Nachbarschaft zu erzählen, wie kommod das neue Möbel doch sei, und die Kommode trat ihren Siegeszug in die Welt an.

Ich gebe zu, es wäre in der Tat bequem, eine Kommode zu haben, vorausgesetzt, sie wäre leer. Kündigt sich plötzlich Besuch an, könnte man in den Schubladen alles verstauen, was unordentlich herumliegt, weil wir noch nicht dazu gekommen sind, es an den ihm zugedachten Platz zu räumen, oder weil wir uns über den richtigen Platz noch nicht im Klaren sind, oder weil es sich um etwas wie unerledigte Post oder abgerissene Knöpfe handelt, um die wir uns demnächst kümmern wollten. Ab damit in die leeren Schubladen! Nachdem der Besuch sich verabschiedet hat, könnten wir uns dem wirklichen Aufräumen und Erledigen dann mit Ruhe widmen. Hier aber erweist sich die Kommode abermals als jenes Möbelstück, das unserem Gedächtnis gerne Streiche spielt. Was in den Schubladen einer Kommode verschwindet, gerät dadurch nicht nur aus den Augen, sondern leicht auch aus dem Sinn. Erst wenn der nächste Besuch ins Haus steht und wir abermals schnell Ordnung schaffen und alles in die leere Kommode packen wollen, stellen wir fest, dass sie bereits halb voll ist. Nach dem dritten Besuch beginnen die Schubladen zu klemmen. Inzwischen denke ich über die Anschaffung von Truhen nach – mit dem festen Vorsatz, niemals etwas darin zu suchen.

Nachbemerkung:

In diesem Zusammenhang habe ich mir auch ein paar Gedanken über den immer wieder verwendeten Begriff „Schubladendenken“ gemacht. Würde ich das Schubladendenken beherrschen, hätte ich ja keine Probleme mit meinen Kommoden. Es verhält sich aber so, dass ich mich erst nicht entscheiden kann, in welche Schublade etwas gehört, und dann mir nicht merken kann, zu welcher Entscheidung ich gekommen bin. So kann man über Menschen mit Schubladendenken sagen, was man will – auf jeden Fall müssen sie über einen ausgeprägten Ordnungssinn verfügen.

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