Rosenbach legte den Telefonhörer so behutsam auf, als handle es sich um eine Zeitbombe, deren eingebaute Uhr abgelaufen, die aber bisher nicht explodiert war. Dann stand er auf, trat ans Fenster und dachte über Claude nach. Er war es nicht gewohnt, über sie nachzudenken. Claude war einfach Claude, und mit diesem Namen verbanden sich seit vielen Jahren die angenehmsten Empfindungen. Claude war Rosenbachs beste Freundin. So würde er sie bezeichnen, wenn er ihre Beziehung benennen sollte. Er weigerte sich, sie eine Geliebte zu nennen, obwohl ihre Treffen üblicherweise im Bett endeten. Oder nein, sie endeten eben nicht dort. Ihre Begegnungen kehrten stets an den Punkt zurück, an dem sie ihren Ausgang nahmen, zum geistvoll heiteren Gespräch, zur gemeinsamen Mahlzeit, zur entspannenden Gewissheit, einander auch schweigend zu verstehen. Zwischen ihnen gab es beiden selbstverständliche Spielregeln. Rosenbach war es, der Claude anrief, der sie einlud, ein Restaurant oder ein Ausflugsziel vorschlug und die Rechnungen bezahlte. Dabei lag ihm nichts daran, ihr seinen Willen aufzuzwingen. Er fragte, ob sie Lust und Zeit hätte, ob ihr dieses oder jenes Restaurant lieber wäre, und wenn sie nach dem Essen darum gebeten hätte, nach Hause gebracht zu werden, hätte er ihr dies nicht verübelt, so wenig wie sie ihm verübelte, wenn er sich drei oder vier Wochen lang überhaupt nicht bei ihr meldete. Und nun das!

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