Am letzten Montag hatte ich mir nach längerer Zeit mal wieder den SPIEGEL gekauft, und beim Lesen war mir aufgefallen, dass am Ende diverser Beiträge wie ein Siegel eine Verzierung prangt mit dem Hinweis: „“Für Smartphone-Benutzer Bildcode scannen, etwa mit dem App …“ …“

„Scannen kann man mit einem Smartphone also auch?“ wunderte ich mich und machte mir im Hinterkopf eine Notiz, mich für so ein App gelegentlich zu interessieren, und sei es nur, um zu bestaunen, was es alles gibt.

Gestern dann stand plötzlich mein Chef neben meinem Schreibtisch. Selbst ein Verweigerer der immer totaleren (Ja, ich weiß, dass „total“ keinen Komparativ duldet, aber einen gefühlten Komparativ gibt es da schon.) Erreichbarkeit, ist ihm dennoch nicht entgangen, dass ich seit kurzem so ein Handy besitze, auf dem man mich nicht nur per Anruf oder SMS kontaktieren kann, sondern das auch jedes Mal dezent gongt, wenn ich eine E-Mail erhalte, und mich darüber hinaus über die korrekte Uhrzeit, die Außentemperatur, die Abfahrzeiten der in der Nähe befindlichen öffentlichen Verkehrsmittel und was weiß ich noch auf dem Laufenden hält. „“Sagen Sie mal, können Sie mit Ihrem Handy so was einscannen?““ fragte er mich, hielt mir ein Buch vor die Nase und deutete auf so einen Bildcode, zwar nicht quadratisch wie die im SPIEGEL, sondern hübsch rund, aber mit den scheinbar wahllos darauf verteilten, winzigen Quadraten doch demselben Prinzip folgend. „„Hm“…“, sagte ich, „“so ein Scanner-App habe ich noch nicht.““ Dann aber fiel mir ein, dass mein Handy mit einer verwirrenden Menge vorinstallierter Apps aufwartet, von denen ich mindestens die Hälfte demnächst zu löschen gedenke, nachdem ich mich von deren Sinnlosigkeit (für mich) überzeugt habe. Mal gucken.

Es ist ja erstaunlich, wie Auge und Hirn des modernen Menschen schon darauf trainiert sind, alle möglichen Symbole (Icons) zu erkennen -– und oft sogar richtig zu deuten. Und so entdeckte ich schnell unter der Ansammlung winziger Bildchen auf dem Desktop ein kleines Quadrat, das aussah wie ein Puzzlespiel und von mir bis dato auch dafür gehalten worden war. Kaum hatte ich darauf getippt, verwandelte sich das Handy in eine Kamera, und während ich noch versuchte, das Objektiv über dem Bildcode im Buch ordentlich (gerade, zentriert…) zu positionieren, erschien (swutsch!) auf dem Display eine Webseite, auf der man ein Video anschauen konnte. Toll!

Mein Chef war höchst zufrieden mit dem Ergebnis der Aktion. Dann sagte er: „“Sehen Sie, deswegen mag ich diese Dinger nicht. Das mit der Gesichtserkennung, das kommt! Da können Sie sicher sein.“ Und dann erzählte er, dass er kürzlich zu einem Empfang eingeladen war, und als er seinen Mantel von der Garderobe abholte, bot man ihm an, ihm eine Liste mit Namen und Kontaktdaten aller Personen zu geben, mit denen er sich im Laufe des Abends unterhalten hatte – zwecks weiterer Pflege dieser Kontakte. Das hatte zwar mit Gesichtserkennung und Smartphones nichts zu tun, sondern „nur“ mit totaler Videoüberwachung, aber ziemlich gruselig fand er es schon. Ich auch! Und manchmal wird mir mein Handy nun unheimlich.

Andererseits… Neulich erzählte mir einer unserer ITs von einem App, das Sternbilder erkennt. Man richtet das Auge der Handy-Kamera einfach gegen den nächtlichen Sternenhimmel und erfährt, welches Sternbild, welcher Planet… dort gerade zu sehen ist. Und das ist doch schön, oder?

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