Offenbarungen werden wenigen Menschen zuteil, die sich von da an trotzdem nur als Propheten bezeichnen dürfen, wenn sie ihre Offenbarungen kund und zu wissen tun. Was indessen sprichwörtlich jeder weiß, ist, dass Propheten im eigenen Lande nichts gelten. Da ich bodenständiger bin, als ich gerne zugebe, hoffe ich nicht auf Offenbarungen, die ja doch nur mir selbst etwas nützen würden –- wenn man überhaupt von Nutzen sprechen kann. So ein Wissensdruck könnte bei angezogener Verkündigungsbremse doch leicht Depressionen auslösen, und ignoriert man das Sprichwort und verkündigt drauf los, ist der Burnout praktisch vorprogrammiert. Es glaubt einem ja niemand!

Ein nützlicher Nebeneffekt längerer Bahnfahrten ist das gründliche Lesen einer Zeitung. Wenn man lange genug aus dem Fenster geschaut hat, um die Bedeutung des Wortes Landschaft richtig zu erfassen –- die Endung –schaft bezeichnet nämlich immer eine Gesamtheit (Gesellschaft, Mannschaft, Frauenschaft, …). Wenn man also, im Zug sitzend, das Gefühl bekommt, man hätte nun genug Felder, Wiesen, Wälder, Dörfer, Städte, Berge und Flüsse -– DIE LANDSCHAFT eben – gesehen, kann man sich einer Lektüre widmen. Und wenn man, wie ich, die inzwischen schweineteuren Zeitungen meistens nur zu zehn Prozent liest, so dass man sich wie ein Verschwender natürlicher Ressourcen vorkommt, weil man überhaupt noch Zeitungen kauft, dann kann man sich der Zeitungslektüre mit dem löblichen Vorsatz hingeben, es diesmal auf mindestens 50 Prozent zu bringen. Und so entdeckte ich denn auch in der Süddeutschen, in der Rubrik „“Dolmetscher““ einen Artikel, der den Pizzakarton zum Gegenstand hatte, dessen Geschichte ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Der stapelbare Pizzakarton aus Wellpappe und mit Luftschlitzen, wie wir ihn heute kennen, wurde 1963 patentiert, entnahm ich der Zeitung und versuchte, mich zu erinnern, wann ich die erste Pizza im Karton nachhause getragen habe. Erstaunlicherweise lässt sich das ziemlich genau rekonstruieren. Es war im Januar 1967. Ich war in meine erste eigene Wohnung gezogen, die wir gerade renovierten. Die beiden Schwarzmaler bekamen Hunger, und einer von ihnen schlug die Pizzeria, ein Stück die Straße hinunter, vor.

Zwar wurde die erste Pizzeria in Deutschland lt. Wikipedia bereits 1952 in Würzburg eröffnet, in Berlin dagegen war mir 1967 noch keine Pizzeria aufgefallen, geschweige denn von mir erkundet worden. – Pizzeria? Pizza? Was’n das? – Es war das, was der Volksmund so als Offenbarung bezeichnet. Ich weiß nicht, wie oft ich seither Pizza gegessen habe. Ziemlich oft, inzwischen eher selten, weil italienische Restaurants so viele andere Köstlichkeiten zu bieten haben, dass ich schätzungsweise nur bei jedem zehnten Besuch eine Pizza bestelle. So ist das mit den Offenbarungen, vor allem aber: So ist das mit den ersten Malen. Man vergisst sie nicht.

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