„Das Lexikon des Unwissens ist das erste Buch, nach dessen Lektüre man weniger weiß als zuvor – das aber auf hohem Niveau“, behaupten die Autoren in der Einleitung. Das ist freilich nicht ernst gemeint, denn um Wissen im Kopf des Lesers zu vernichten, müsste ein Buch Desinformationen enthalten. Kathrin Passig und Aleks Scholz aber war es nicht darum zu tun, Lügen zu verbreiten, sondern sie beschreiben eine ganze Reihe von Phänomenen, die ihrer wissenschaftlichen Erklärung noch harren, als da z.B. wären die ersten Bewohner des amerikanischen Kontinents, Dunkle Materie, die weibliche Ejakulation und Kugelblitze, aber auch Fragen wie, warum es Hawaii überhaupt gibt und wie Erkältungen entstehen. Spätestens jetzt werden mache denken, das wisse doch jeder. Aber genau hier lauert der Irrtum, denn ein großer Teil unseres Unwissens besteht in unserer Unkenntnis desselbigen. Zu wissen, dass man etwas nicht weiß, ist sozusagen die halbe Miete.

Wir erinnern uns bitte an Douglas Adams (denn auch die Autoren tun es), in dessen Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ der Computer Deep Thought siebeneinhalb Millionen Jahre benötigt, um die Frage nach „dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ zu beantworten. Erst als er das Ergebnis „42“ endlich ausspuckt, wird den Erbauern klar, dass sie gar nicht wissen, wie die Frage lautet.

Ist es Zufall, dass das Lexikon des Unwissens 42 Beispiele für Wissenslücken aufführt? In Wirklichkeit gibt es natürlich weit mehr Unwissen, ja, es beschleicht einen der Verdacht, dass es mehr Unwissen als Wissen gibt. Um noch einmal auf die ungeklärte Frage nach der Ursache für Erkältungen zurückzukommen – ich zitiere:

Ein Vorschlag wäre, einmal die Fortpflanzungsgewohnheiten von Taschentüchern zu erkunden.

… und erlaube mir, in eigener Sache auf das Taschentuchreservat hinzuweisen, wo wir entsprechende Beobachtungen auch schon angestellt haben.

Der geneigte Leser mag es ahnen: Das Lexikon des Unwissens steckt nicht nur voller wissenswertem Unwissen, sondern auch voller Humor.

Cover

Kathrin Passig, Aleks Scholz
Lexikon des Unwissens
rororo, 2008
ISBN-10: 3499622300
ISBN-13: 978-3499622304

Und weil man nie genug nicht wissen kann, ist im Herbst des vergangenen Jahres auch das „Neue Lexikon des Unwissens“ erschienen.