Höre ich über einen Mann, dass er ein „großer Schweiger“ ist, weckt das spontan mein Interesse. Nichts allerdings ist ernüchternder, als wenn sogenannte „große Schweiger“ sich dann als schüchterne Schwätzer erweisen und, kaum dass man das Wort an sie gerichtet hat, gar nicht mehr aufhören zu reden.

Der Erste, den man den „großen Schweiger“ nannte, war Helmuth Graf von Moltke, der während des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871) selten viel mehr sagte als z.B. „Getrennt marschieren, vereint schlagen!“ – Und da haben wir es auch schon! Vom „großen Schweiger“ erwarten wir Taten.

Fast genau 100 Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg bekam den Titel „großer Schweiger“ Gregory Peck in dem gleichnamigen Western für seine Rolle des Sam Varner. Seither wird immer wieder mal jemand als „großer Schweiger“ bezeichnet, und die geschwätzige Welt ist nur zu gern bereit, dies nicht nur als Siegel der Verschwiegenheit sondern als Gütesiegel überhaupt zu betrachten. Wer hört schon auf die Frauen, die sich über ihren eigenen „großen Schweiger“ auf der Wohnzimmercouch beklagen? Ihnen zum Trost hier ein Zitat, das interessanterweise dem schweigsamen Moltke zugeschrieben wird: „

Wenn Du etwas hast, was Du mir nicht erzählen kannst, dann sei dadurch vor Dir selbst und durch Dich selbst gewarnt.“

Das könnte man ja bei Gelegenheit mal anbringen.

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