Der Begriff Feuerzeug lässt sich kaum einfacher erklären als durch die „Begriffsbestimmungen“ in der Verordnung über die Bereitstellung kindergesicherter Feuerzeuge auf dem Markt (Feuerzeugverordnung) vom 3. April 2007. Hier heißt es:

1. „Feuerzeug“: ein zur Erzeugung einer Flamme unter Verwendung eines Brennstoffs gefertigtes Gerät, das von Hand betätigt wird und bei dem die Brennstoffversorgung, die nachfüllbar sein kann, eingebaut ist. Es dient in der Regel zum beabsichtigten Anzünden insbesondere von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen und wird vorhersehbar auch zum Anzünden anderer Materialien verwendet;

2. „Feuerzeug mit Unterhaltungseffekt“: ein Feuerzeug – einschließlich jeden dafür bestimmten Halters, der mit ihm verbunden werden kann oder jedes Zubehörgegenstandes, der an ihm befestigt werden kann -, das einem anderen Gegenstand ähnelt, der für Kinder im Alter von unter 51 Monaten zum Spielen ansprechend oder offensichtlich zu deren Verwendung bestimmt ist oder von dem akustische Effekte oder Animationsbilder ausgehen;

3. „Kindergesichertes Feuerzeug“: ein Feuerzeug, das von seiner Konstruktion und von seiner Beschaffenheit her dergestalt gefertigt ist, dass es unter üblichen oder vernünftigerweise vorhersehbaren Verwendungsbedingungen, etwa aufgrund des erforderlichen Kraftaufwands oder seiner konstruktiven Beschaffenheit oder des Schutzes des vorhandenen Zündmechanismus oder aufgrund der Komplexität oder Ablauffolge der erforderlichen Handhabungsvorgänge zur Erzeugung der Flamme, nicht von Kindern unter 51 Monaten betätigt werden kann.

Interessierte Leser können den kompletten Text der Feuerzeugverordnung hier nachlesen.

Nachwort:

Ich fand es richtig und wichtig, diesen Lexikon-Eintrag heute, am 4. Advent zu bringen, denn sicher gibt es besonders in Familien mit Kindern gerade heute wieder ein kleines Gerangel, wer die vierte Kerze anzünden darf. Kommt es bei kinderlosen Paaren zu einem solchen Gerangel, dürfte es sich um ein Indiz für frische Verliebtheit oder bedenkliche Streitsucht mit möglicherweise (oder vernünftigerweise?) folgender Entliebung handeln. Wenn sich das etwas seltsam liest, liegt es daran, dass man nicht ungestraft Gesetzestexte oder amtliche Verordnungen liest. Eine Beeinträchtigung des eigenen Schreibstils ist nicht auszuschließen. Aber da ich gerade „Stil“ erwähne: Menschen mit Stil werden ihre Adventskerzen sowieso eher mit einem Streichholz anzünden. Da erhebt sich die Frage, wie kindersicher Streichhölzer denn sind oder sein müssen.

Interessant wäre auch, zu erfahren, wie denn dieses magische Alter von 51 Monaten ermittelt wurde. Ist es den Herstellern von Feuerzeugen nicht zuzumuten, etwas zu entwickeln, das von einem intelligenten, vier Jahre plus drei Monate alten Kind nicht „geknackt“ werden kann, gleichzeitig aber einen feinmotorisch eher minderbegabten Erwachsenen nicht hoffnungslos überfordert? Oder sind im Gegensatz zu Heinrich Hoffmanns Paulinchen (Der Struwwelpeter) heutige Kinder schon mit 51 Monaten aufgeklärt und einsichtig genug, um verantwortungsbewusst mit einem Feuerzeug umzugehen, bzw. wenigstens folgsam genug, um die Finger davon zu lassen?

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Bei der Gelegenheit frage ich mich auch, wie viele Kinder heute noch unterm Weihnachtsbaum dieses Buch bei ihren Geschenken finden. Ein echter Weihnachtsklassiker ist es ja, und meine Töchter haben „Der Struwwelpeter“ völlig unerklärlicherweise geliebt.

 

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