„Der Seltenheitswert (engl. Rare Value) ist eine normale Zauberkarte“, so steht es in den Spielregeln des Yu-Gi-Oh!, einem Sammelkartenspiel, das aus einer 1996 veröffentlichte Manga-Serie des japanischen Zeichners Kazuki Takahashi entwickelt wurde, und das dürfte wohl die beste Erklärung sein, die es für diesen Wert überhaupt gibt.

Bedenkt man es genau, ist Seltenheit ja kein Wert, es sei denn, es handelte sich um etwas wie zum Beispiel eine seltene Krankheit, die noch wertvoller wäre, gäbe es sie überhaupt nicht, denn wer sammelt schon Krankheiten und nimmt sie einem ab? Und damit wären wir bei der Personengruppe, die den Seltenheitswert vermutlich erfunden hat: die Sammler.

Da das Sammeln so alt sein dürfte wie die Menschheit („Ich jagen, du sammeln.“), dürfte auch der Seltenheitswert der erste Wert sein, den der Mensch zu einem solchen erhoben hat, völlig unabhängig davon, welchen Nutzen etwas hätte, denn grundsätzlich ist ja etwas Nützliches nur von allgemeinem Wert, wenn es ausreichend vorhanden, also nicht selten ist.

Der botsuanische Film „Die Götter müssen verrückt sein“ demonstriert das gleich in der ersten Szene.

Trotzdem wird mit dem Seltenheitswert kräftig operiert. Da bietet zum Beispiel jemand ein altes Auto zum Verkauf an und wirbt mit dessen Seltenheitswert. Auch dafür können sich eigentlich nur Sammler interessieren. Jeder, der einfach nur ein Auto will, wird sich bedanken, wenn er keine Werkstatt findet, die im Fall des Falles die nötigen Ersatzteile beschaffen kann oder nur zu horrenden Preisen. Auch das Grundstücke „mit Seltenheitswert“ angeboten werden, kommt vor. Was für ein Quatsch! Jedes Grundstück ist von Natur aus einmalig, es sei denn, der Verkäufer würde ein und dasselbe Grundstück zweimal verkaufen. Das wäre dann Betrug. Ehrliche Immobilienhändler können also getrost ihre Grundstücke als einmalig anpreisen (und tun dies ja auch oft genug).

Und weil der Seltenheitswert nun mal der fiktivste Wert überhaupt ist, spielt er auch auf dem Finanzmarkt eine bedeutende Rolle. Ist etwas nicht selten genug, wird es künstlich verknappt. Der Seltenheitswert ist also das, was ich schon eingangs schrieb: eine ganz normale Zauberkarte.

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