Heute Morgen entdeckte ich in der Zeitung ein Bild, das mir seltsam bekannt vorkam. Es handelte sich um ein Foto der Promenade de la Croisette, und es war nicht etwa das darauf abgebildete Stückchen der Strandpromenade von Cannes, das ich darauf wiedererkannte. Zu sehen war ja nicht viel mehr als zwei Stühle, ein Absperrgitter und im Hintergrund das dunstig verhangene Meer, sowie ein Polizist, von dem man nur mit sehr viel gutem Willen behaupten konnte, dass er die Szene belebte. Es war die Stimmung. Und dann fiel mir auch ein, woran das Foto mit seiner Stimmung mich erinnerte. Ganz ähnlich hatte auf mich ein Foto gewirkt, das im vergangenen Mai in Deauville aufgenommen worden war. Damals hatte dort ein G-8-Gipfel stattgefunden. In Cannes war es nun ein G-20-Gipfel.

„Über allen Gipfeln ist Ruh`“, schrieb Goethe einst an die Holzplanken einer Berghütte. Er ahnte halt noch nichts von G-Gipfeln, über denen auf Hoteldächern Spezialeinheiten mit Schnellfeuerwaffen Posten beziehen für den Fall, dass sich in der weiträumig abgesperrten Umgebung etwas Verdächtiges regt. Und diese Art von Ruhe war wohl nicht die von Goethe gemeinte.

Würde ich der französischen Hautevolee angehören, gewohnt einen Teil meiner Zeit in den mondänen Badeorten der Grande Nation zu verbringen, wäre ich jetzt so langsam mal sauer. Mon Dieu! Können die ihre Gipfeltreffen nicht in militärisch ohnehin gesicherten Anlagen abhalten? Es würden dadurch eine Menge Steuergelder gespart werden, und die Regierungschefs haben auch nicht wirklich viel von Orten wie Deauville und Cannes, wenn sie durch die getönten Scheiben gepanzerter Limousinen in schneller Fahrt nur entvölkerte Straßen zu sehen bekommen. Manche von ihnen würden die ganze Sache vielleicht am liebsten per Skype von der eigenen Couch aus verhandeln. Sie könnten dabei die Füße hochlegen, während auf den Strandpromenaden die üblichen Flaneure unterwegs wären. Aber nein, immer diese Spaßverderber!

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